Bremen - Neben dem FC Bayern und Ruhrpott-Rivale Dortmund setzte auch der FC Schalke 04 zum Bundesliga-Auftakt mit dem souveränen 3:0-Auswärtssiegbei Werder Bremen eine erste Duftmarke. Das Team von Trainer André Breitenreiter spielte nicht spektakulär, dafür aber effektiv und abgezockt. Auffällig zu sehen und zu hören war, dass sich die Mannschaft unter ihrem neuen Chefcoach schnell zusammengewachsen ist.

"Das war für ersten Auftritt schon ganz okay", befand Johannes Geis, der in Bremen sein erstes Bundesliga-Spiel für die Königsblauen absolvierte. Der Schalker Königstransfer deutete bereits gegen Bremen sein großes Potenzial an. Geis könnte der neue Chef im Schalker Mittelfeld sein, alle Standardsituationen gehen bereits nur noch über den Ex-Mainzer. "Ich bin noch längst kein Chef, aber ich werde versuchen von Spiel zu Spiel in diese Rolle hinein zu wachsen“", so Geis, "in Bremen musste ich nicht viel reden, die Jungs, vor allem Joel Matip und Roman Neustädter nach seiner Einwechslung, haben das in der Defensive sehr gut organisiert."

Nastasic fällt lange aus

Neustädter wird wohl auch im Heimspiel gegen den SV Darmstadt wieder in der Innenverteidigung spielen müssen, denn in Bremen verletzte sich der etatmäßige Abwehrspieler Matija Nastasic schwer. Der Serbe erlitt im Zweikampf mit Levin Öztunali einen Achillessehenriss und fällt lange aus.

Doch auch das frühe Aus von Nastasic schockte die Schalker nicht. In Bremen zeigten die Königsblauen eine starke Leistung. In der Abwehr ließen Matip und Co nur sehr wenig zu und in der Offensive bestraften die Schalker Bremer Fehler sehr effektiv. „Der Sieg war verdient, weil wir immer gefährlich nach vorne waren und unsere Chancen gnadenlos genutzt haben“, erklärte Trainer Breitenreiter nach dem Spiel.

Stürmer treffen - Rekord für Huntelaar

Besonders stark präsentierte sich bei den Gelsenkirchenern die rechte Seite. Routinier Sascha Riehter erhielt dabei den Vorzug als Rechtsverteidiger vor Neuzugang Caicara. „Der Trainer hat mir das Vertrauen ausgesprochen. Es war auch taktisch bedient, da Werder eines der wenigen Teams in der Bundesliga ist, das mit einer Mittelfeldraute spielt“, begründete der Ex-Freiburger Riether sein Startelfdebüt für die Schalker. Zusammen mit Eric-Maxim Choupo-Moting brach das Duo immer wieder über die rechte Seite durch und stellte die Bremer vor große Probleme. Choupo-Moting krönte mit dem 2:0 seine starke Leistung und beendet seine andauernde Torflaute von 1272 Minuten. Das letzte Mal hatte er am 17. Dezember 2014 getroffen.

Neben Rechtsaußen Choupo-Moting traf auch noch Stürmerstar Klaas-Jan Huntelaar zum 3:0. Der Niederländer traf damit zum vierten Mal in Folge am jeweils ersten Spieltag, das ist Bundesliga-Rekord, zusammen mit Stefan Kießling, der das Kunststück ebenfalls am Samstag schaffte.

Team wächst zusammen

Trotz des im Endeffekt sicher herausgespielten Auswärtssieges wollten durch die Bank alle Schalker Beteiligten den Erfolg zum Saisonstart nicht zu hoch hängen. „In Bremen 3:0 gewinnen, ist gut. Aber wir wissen, das längst noch nicht alles perfekt läuft“, erklärte Geis. Die Schalker wissen aus der Vergangenheit, wie schnell die Euphoriewelle bei den Fans wieder abebben kann. Doch unter Trainer Breitenreiter scheint nicht nur ein neuer frischer Wind zu wehen, sondern auch innerhalb der Mannschaft stimmt menschlich die Chemie.

Nach dem Sieg bildeten die Spieler einen Kreis und zeigte so ihre Geschlossenheit und ihren Zusammenhalt. „Wir sind ein Team und wachsen immer enger zusammen. Wir Neuen sind vom Team sehr gut aufgenommen worden und sind bereits perfekt integriert. Das hat der Trainer Weltklasse gemacht. Umso so besser der Teamgeist ist, umso besser können wir unsere eigene individuelle Stärke ausspielen“, erklärt Geis den neuen Spirit der Mannschaft.

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Di Santos Rückkehr – Geis' Vorfreude

Für den Ex-Bremer Franco di Santo war der Samstag jedoch ein gebrauchter Tag. Der Argentinier musste sich während des gesamten Spieles Pfiffe der Werder-Fans gefallen lassen und wurde ohne nennenswerte Aktion in der zweiten Halbzeit ausgewechselt. „Es war seltsam hier in Bremen gegen Werder zu spielen. So ausgepfiffen zu werden, ist mir in meinem ganzen Leben noch nicht passiert, aber ich verstehe die Werder-Fans“, erklärte di Santo, der vor dem Spiel in den Katakomben des Stadions von Werders Sportchef Thomas Eichin offiziell verabschiedet wurde. "Jetzt“, so di Santo, „ist der Druck erst einmal weg und ich kann mich voll auf Schalke konzentrieren. Ich freue mich schon riesig auf das erste Heimspiel in der Arena AufSchalke.“

Nicht nur di Santo blickt der Heimpremiere gegen Darmstadt entgegen auch Teamkollege Geis kann die Partie vor den eigenen Fans kaum noch abwarten: "Die Stimmung wird Weltklasse sein. Wir müssen uns von den Fans mitreißen lassen. Gegen Darmstadt zu spielen, wird aber schwer. Wir dürfen sie nicht unterschätzen, sonst bekommen wir Probleme. Aber der Trainer wird schon dafür sorgen, dass wir auf dem Teppich bleiben."

Aus Bremen berichtet Alexander Barklage