Hannover - Dürfte der VfB Stuttgart in dieser Saison nur jede Woche auswärts spielen. Von Abstiegsangst wäre bei den Schwaben dann keine Rede mehr. Auch gegen Hannover 96 holte das Team von Trainer Huub Stevens wieder auf einem fremden Platz Zählbares.

Mit 14 Punkten steht der VfB in der Auswärtstabelle auf Rang fünf. Nicht der einzige Fakt, der dem Tabellenschlusslicht nach diesem Wochenende Mut machen kann.

Maxim belebt Offensive

"Was dieser Punkt in der Endabrechnung letztlich wert sein wird, lässt sich nach dem Spiel nicht sagen. Doch die Art und Weise wie wir hier in Hannover aufgetreten sind war gut. Wir waren aggressiv und haben auch ordentlich nach vorne gespielt", brachte es VfB-Kapitän Christian Gentner auf den Punkt.

Besonders in der ersten Hälfte spielten die Schwaben auswärts mutig nach vorne und waren den Niedersachsen auch spielerisch überlegen. Das lag auch an Alexandru Maxim. Der Rumäne spielte erstmals seit dem 1:0-Sieg in Hamburg Mitte Dezember wieder von Anfang an und belebte das Offensivspiel der Schwaben. Maxim hatte beim VfB die meisten Ballkontakte (71). Auch Sportchef Robin Dutt sah die Fortschritte im Angriffsspiel: "Wir haben ein gutes Auswärtsspiel gemacht und sind offensiv stark verbessert aufgetreten. Besonders das schnelle Umschaltspiel von Abwehr auf Angriff klappt immer besser."

VfB ärgert sich über Remis

Auch in puncto Einstellung ließen die Schwaben nichts an Aggressivität vermissen. In der Zweikampfstatistik lag der VfB gegenüber 96 knapp vorn (50,6 Prozent). Doch diese Entschlossenheit in den Zweikämpfen legten die Schwaben nicht bei der Verwertung ihrer Torchancen an den Tag. Nach dem Führungstreffer durch Christian Gentner hielt das knappe 1:0 nur 18 Minuten. "Nach dem 1:0 hätten wir ein zweites Tor nachlegen müssen", wusste Gentner und Teamkollege Daniel Schwaab ergänzte: "Ein zweites Tor wäre die Entscheidung gewesen."

Eigentlich sollte ein Tabellenletzter mit einem Auswärtspunkt zufrieden sein, doch dass es die Schwaben am Ende nicht waren, zeigt dass sie sich noch nicht aufgegeben haben. "Letztlich müssen wir die Führung über die Zeit bringen. Natürlich hätten wir uns drei Punkte gewünscht, aber müssen nun mit dem einen Zähler leben", so Gentner. Auch Dutt sah seine Mannschaft besser und trauerte den zwei liegen gelassenen Punkten hinterher. "Wir hätten den Sieg mitnehmen müssen."

Kellerduell am Freitag gegen die Hertha

Trotz des gewonnenen Punktes hat sich die Situation für den VfB verschlechtert, da die Konkurrenz und vor allem der kommende Gegner aus Berlin gepunktet hat. VfB-Trainer Huub Stevens flüchtete sich nach der Partie in Durchhalteparolen. "Es sind noch elf Spiele und 33 Punkte zu vergeben. Noch ist nichts verloren."

Trotzdem wissen die Verantwortlichen und Spieler über die Wichtigkeit der kommenden Heimpartie. "Das ist ein Big-Point-Spiel", erklärte Dutt. Am Freitagabend wollen die Schwaben dann endlich ihren ersten Rückrundensieg einfahren. "Nach unserer Leistung von Hannover können wir optimistisch in die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Berlin gehen", erklärte Stürmer Daniel Ginczek.

Harnik sieht zum ersten Mal Rot

Die Mission "erster Dreier 2015" müssen die Schwaben allerdings ohne Martin Harnik angehen. Der Österreicher sah in der 90. Minute von Schiedsrichter Wolfgang Stark die Rote Karte. Es war der erste Platzverweis für den Ex-Bremer und die 124. für den VfB - das ist Bundesliga-Rekord.

Aus Hannover berichtet Alexander Barklage