Hamburg - Beim Hamburger SV kannte der Jubel nach dem Sieg im Nordderby gegen den Erzrivalen SV Werder Bremen keine Grenzen. Mit 129 Dezibel war der Lautstärkepegel in der Imtech Arena zwischenzeitlich so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Doch nur einen Tag später kehrte am Volkspark schon wieder Ruhe ein. Denn es galt, die Situation sachlich zu analysieren und den kommenden Auftritt in Augsburg konzentriert anzugehen.

Einen freien Tag kann sich der Dino, der seit der Bundesligagründung in der höchsten deutschen Spielklasse vertreten ist, nicht erlauben. Denn auch wenn das 2:0 gegen die Grün-Weißen für wahre Glücksgefühle bei Spielern, Verantwortlichen und vor allen den Fans sorgte, so war die gezeigte Leistung auf dem Platz noch nicht wirklich mit einem Prädikat zu versehen.

Couragierter Auftritt

"Die Mannschaft sieht, dass es geht. Aber sie muss an sich arbeiten und die Fehler abstellen. Wir haben noch einen weiten Weg zu gehen. Der Sieg gegen Werder tat natürlich gut, aber unsere Konzentration muss schon auf Augsburg gerichtet sein", erklärte Erfolgscoach Joe Zinnbauer.

Zwar zeigten die Hamburger erneut einen couragierten, mannschaftlich geschlossenen Auftritt und hatten den Sieg am Ende vielleicht auch etwas mehr verdient als die Bremer, doch spielerisch ließ der HSV weiter einiges vermissen.

"Wir haben sofort gut ins Spiel gefunden und wollten Akzente setzen. Wir haben es aber leider nicht so richtig geschafft, uns im Strafraum gute Chancen herauszuspielen", haderte Flügelflitzer Nicolai Müller im bundesliga.de-Interview.

Zinnbauer setzt auf Nachwuchs

Einer, der Hoffnung auf Besserung machte, war Youngster Mohamed Gouaida. Zinnbauer brachte den Techniker aus der U23 überraschend in der Startelf. Und der 21-Jährige nutzte seine Chance, sorgte vor allem in der 1. Halbzeit gegen Bremen für Glanzpunkte und dürfte beim FCA wahrscheinlich wieder mit am Ball sein. "Das ist alles ein Traum. Erst bei der Mannschaftssitzung habe ich von meinem Einsatz erfahren. Und dann gleich im ersten Spiel ein Sieg. Hoffentlich darf ich bald noch einmal ran. Aber das entscheidet der Trainer", sagte Gouaida zu bundesliga.de.

Mit Ashton Götz wechselte Zinnbauer im Verlauf des Spiels einen weiteren Nachwuchsakteur ein. Dieser leitete mit einem weiten Einwurf die Führung durch Artjoms Rudnevs ein. Linksverteidiger Ronny Marcos saß dazu noch auf der Bank. Dafür wurden die Profis Zoltan Stieber und Julian Green, die nach Länderspielen erst spät zurück zur Mannschaft kehrten sowie Ivo Ilicevic, der nach einer Verletzung noch um seine Form kämpft, auf die Tribüne verbannt.

Eine Entscheidung, für die sich Zinnbauer nach dem Erfolg nicht mehr zu rechtfertigen brauchte. Auch nicht für die ungewöhnliche Trainingsmaßnahme unter der Woche, als er die Spieler dazu aufrief, die Ziele bis zur Winterpause zu formulieren.

Sieg beim FCA ist das nächste Ziel

Teamgeist, Disziplin und Kreativität wurde dabei oft gefordert. "Die Spieler haben das toll umgesetzt. Ich habe nur das Vorgehen gesteuert. Sie haben sehr präzise Punkte gefunden, die sie umsetzen müssen", so Zinnbauer.

Ein Derbysieg war sicherlich bei vielen auch auf dem Zettel. Ein großer Abstand zu den Abstiegsrängen dürfte wahrscheinlich ebenfalls ein Wunsch gewesen sein. Mit einem Sieg in Augsburg kämen die Hamburger diesem Ziel wieder ein Stückchen näher.

Michael Reis