Gelsenkirchen - Für den FC Schalke 04 war die 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Köln so etwas wie das Spiel der verpassten Chancen - erst auf dem Rasen, am Ende des Tages dann auch in der Tabelle. Glaubt man Trainer und Spielern, ist der Aufwärtstrend der letzten Wochen damit aber nur unterbrochen, nicht gestoppt.

Von einem Rückschlag wollte auf Schalke nach der Heimniederlage niemand etwas wissen. Und schon gar nicht davon reden. "Wir haben alles probiert, alles getan. So eine Niederlage kommt mal vor“, hatte Ralf Fährmann das Spiel irgendwie schon halb abgehakt, als er sich auf den Weg nach Hause machte. Auch Christian Fuchs war weit davon entfernt, sich allzu sehr zu grämen: "Wir brauchen nichts schlecht reden. Wir haben Gas gegeben und alles aus uns herausgeholt.“

Schalke nach der Pause ohne Kraft

Nach dem Sieg in Maribor, der den Schalkern quasi last minute doch noch das Achtelfinale in der Champions League beschert hatte, wäre eine Sieg gegen Köln und damit der Sprung auf Rang drei der Tabelle das I-Tüpfelchen auf die Erfolgswoche gewesen. Dass es das nicht wurde, mag ein stückweit auch an eben jenem Europapokalspiel legen haben. Denn in der zweiten Halbzeit, als die Gäste nach zwei Aussetzern der Schalker plötzlich in Führung lagen, war denen die Kräfte ausgegangen.

"Schwere Beine“ hatte auch Sportvorstand Horst Heldt bei seinen Angestellten ausgemacht, je länger die Partie dauerte. Die Knappen waren ganz offensichtlich müde, was gegen das Kölner Abwehrbollwerk nicht unbedingt hilfreich war. "Wenn man müde ist, macht der Kopf auch nicht mehr richtig mit. Das merkt man dann in den Abschlüssen, an der Konzentration, an Kleinigkeiten“, gab sich Heldt nachsichtig.

Erste Heimniederlage unter Di Matteo

Und obwohl es die erste Bundesliga-Heimpleite unter seiner Regie war und für Schalke überhaupt wieder die erste Niederlage in der heimischen Arena seit rund acht Monaten, nahm auch Roberto Di Matteo die Mannschaft in Schutz: "Ich kann den Spielern keinen Vorwurf machen. Wir haben es versucht, die Mannschaft hat alles gegeben.“

Mit ihrem kollektiven Selbstzuspruch sollten sich die Schalker allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Niederlage nicht allein eine Folge von fehlender Kraft oder mangelndem Glück war. Es war auch ein Ergebnis mangelnder Effektivität und verpasster Chancen – und das nicht erst gegen Ende der Partie.

62 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse und stolze 25 Flanken verbuchten die Königsblauen. Den Gegner hatte man eine Halbzeit lang komplett im Griff; 7:0-Torschüsse standen zur Pause zu Buche. Der Ertrag der Blauen aber schwankte zwischen bescheiden und übersichtlich. Wirklich gefährliche Situationen vor dem Gästetor konnte man an einer Hand abzählen. Nur drei Schüsse gingen am Ende tatsächlich auf das Kölner Tor. "Wir waren oft am gegnerischen Sechzehner, uns haben dann aber der letzte Biss und die Spritzigkeit gefehlt“, musste Ralf Fährmann eingestehen.

"Köln war effektiver als wir. Man kann aber auch nicht erwarten, dass wir in jedem Spiel drei oder vier Tore schießen“, meinte Roman Neustädter. Und irgendwie schien es nach dieser Niederlage, als hätten die Schalker keine Lust, sich die guten letzten Wochen von einem Ergebnis wirklich madig machen zu lassen. So hielt sich die Ernüchterung trotz verpasster Chance auf mehr in Grenzen. Der Blick ging stattdessen direkt wieder nach vorn. "Das ist nach den letzten Wochen eine bittere Pille, darf uns aber nicht aus der Bahn werfen“, stellte Neustädter entschieden fest.

Zu beweisen gilt es genau das schon am Mittwoch. Dann muss Schalke 04 beim Aufsteiger in Paderborn antreten.

Aus Gelsenkirchen berichtet Dietmar Nolte