Porto - Im Viertelfinal-Rückspiel wird es nach der 1:3-Niederlage beim FC Porto im Hinspiel eng für den FC Bayern München in der Champions League.

Nach einer schwierigen Anfangsphase und drei individuellen Fehlern stehen die Münchener um Trainer Pep Guardiola vor einer schweren Aufgabe. Der Katalane spricht von einem "komplizierten Ergebnis", will aber noch nicht so schnell aufgeben.

Neuer schnell im Fokus

Dass hatte sich Manuel Neuer sicherlich anders vorgestellt. Zumeist verlebt der Torwart des FC Bayern einen ruhigen Abend - selbst in der Champions League - doch an diesem April-Abend hatte er mehr zu tun als ihm lieb sein könnte.

Schon nach zwei Minuten tauchte Portos wiedergenesener Stürmer Jackson Martinez vor ihm auf. Neuer grätschte und traf Martinez. Strafstoß und Gelb für Neuer. "Nach so einer Aktion weiß man nicht genau, was der Schiedsrichter macht. Ich konnte es nicht mehr beeinflussen. Ich war mir nicht sicher, ob ich den Ball gespielt habe. Es war wohl okay, dass Elfmeter gepfiffen wurde." Neuers Schuld war es sicher nicht, dass der FC Bayern früh Rückstand geriet, hatte Xabi Alonso doch zuvor den Ball gegen einen hart einsteigenden Jackson Martinez verloren.

Neuer: "So etwas noch nie erlebt"

Nur acht Minuten später stand es bereits 2:0 für die Gastgeber. Dieses Mal war es Dante, der den Ball an Ricardo Quaresma verlor. Der einzige Portugiese im Team des FC Porto dürfte wie zuvor Martinez alleine auf Neuer zu laufen und traf zum zweiten Mal nach dem verwandelten Elfmeter aus Minute zwei.

Und auch Jerome Boateng ließ sich von den Patzern seiner Teamkollegen anstecken und unterlief einen langen Ball. Abermals nutzte Martinez den Lapsus der Bayern-Abwehr und traf zum 3:1-Endstand. "Solche Patzer habe ich in dieser Saison so noch nicht gesehen. Drei individuelle Fehler in einem Spiel! Aber es gibt keine Vorwürfe. Wir haben dieses Spiel zusammen verloren", erklärte Manuel Neuer.

Ribery und Robben fehlen

Die Portugiesen stellten die Bayern mit ihrem aggressivem Forechecking und ihrem robusten Zweikampfverhalten für arge Probleme. "Wir wussten, wie Porto spielen würde, der Trainer hatte uns sehr gut eingestellt. Wir wussten, dass sie vorne attackieren wollten, konnten es aber nicht unterbinden. Insgesamt haben wir uns zu wenige Torchancen herausgespielt und es zu selten geschafft uns in die Gefahrenzone zu spielen. Diesen Schuh müssen wir uns anziehen", so Neuer.

Gegen die Portugiesen sah man, wie schmerzlich vor allem die beiden Flügelflitzer Arjen Robben und Franck Ribery den Bayern fehlten. Der Rekordmeister hatte zwar, wie fast immer, sehr viel Ballbesitz, konnte mit diesem aber wenig anstellen, da die Portugiesen die Räume durch ihr laufintensives Spiel zustellten. Die Roten versuchten es ständig durch die Mitte, doch zu selten blitzte die Genialität eines Thiago oder Götzes auf, die versuchten mit ihren Dribblings zum Erfolg zu kommen.

Insgesamt gaben die Bayern in 90 Minuten nur fünf Torschüsse ab, weniger hatte es zuletzt in der Champions-League-Partie vor über fünf Jahren beim 1:2 in Bordeaux gegeben. Das Tor der Bayern wurde dann auch über die Flügel vorbereitet, als Jerome Boateng von der rechten Seite einen Querpass schlug. Am langen Pfosten stahl sich Thiago davon und konnte unbedrängt einnetzen.

Lahm: "Das war 3:1 war bitter"

Die Bayern hatten ihre beste Phase zwischen der 15. und 45. Minute, als auch das 2:1 durch Thiago Alcantara fiel, der seinen ersten Champions-League-Treffer für die Bayern erzielte. "Nach dem 2:0 haben wir uns gut erholt und haben das Spiel kontrolliert. Ich bin nicht völlig unzufrieden mit meiner Mannschaft. Wir haben alles versucht. Es ist nicht einfach. Porto ist eine physisch starke Mannschaft. Das dritte Tor hat uns sehr zurückgeworfen", ärgerte sich Trainer Guardiola.

Auch Kapitän Philipp Lahm, dem man immer noch seine fehlende Spielpraxis ansah, haderte mit dem dritten Gegentor. "Mit dem 2:1 hätten wir sehr gut leben können. Das 3:1 war ein bitteres Gegentor. Das tut uns ein bisschen weh. So wird es schwierig, aber nicht unmöglich. Es hilft jetzt nichts zu lamentieren, wir müssen nach vorne schauen. Es ist möglich, zuhause 2:0 oder höher zu gewinnen", richtete Lahm den Blick bereits zum Rückspiel. Auch Manuel Neuer hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben: "Wir haben das zusammen verbockt und trotzdem geht es weiter. Die Köpfe sind nicht unten."

Sportchef Matthias Sammer ist trotz des alles anderen als guten Ergebnisses optimistisch: "Wir müssen uns ein bisschen schütteln. Wenn man eine große Mannschaft sein will, muss man in der Lage sein, das wegzustecken. Wir müssen jetzt zu Hause mindestens zwei Tore machen. Dazu brauchen wir eine Topleistung - und wir sind dazu in der Lage."

Hoffen auf Rückkehrer

Nach Hinspielniederlagen mit exakt zwei Toren Differenz im Europapokal kam der FC Bayern nur in einem von fünf Fällen noch weiter, im UEFA-Cup-Achtelfinale 1988/89 gegen Inter Mailand (0:2 H, 3:1 A)! Lange her. Vor dem alles entscheidenden Rückspiel gegen den FC Porto am kommenden Dienstag spielt der FC Bayern am Samstag aber erst noch einmal Bundesliga und ist zu Gast bei der TSG Hoffenheim.

Gegen die Kraichgauer wird Guardiola sicherlich noch seine Rekonvaleszenten Schweinsteiger und Ribery schonen wollen. Größe Chancen auf einen Einsatz gegen Porto hat sicherlich der deutsche Nationalspieler, Ribery dürfte bis zum Rückspiel nicht mehr fit werden.

Aus Porto berichtete Alexander Barklage

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