Frankfurt - Es war der Tag der Premierentore bei Eintracht Frankfurt: Timothy Chandler erzielte seinen ersten Treffer für die Hessen seit seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg letzten Sommer (34.). Und Bastian Oczipka hatte sogar 110 Spiele gebraucht, um sein erstes Tor für Eintracht Frankfurt bejubeln zu können (18.).

Und da auch Stürmer Haris Seferovic in der turbulenten ersten Halbzeit nach längerer Flaute wieder einmal getroffen hatte (27.), hinterließ dieser 3:1 (3:0)-Sieg gegen die TSG 1899 Hoffenheim bei vielen Frankfurtern Genugtuung nach zuvor sechs sieglosen Spielen und Presseberichten unter der Woche, die von einer gestörten Kommunikation zwischen Teilen der Mannschaft und Trainer Thomas Schaaf kündeten. "Wir haben heute die passende Reaktion gezeigt nach der negativen Presseberichterstattung. Wie wir gekämpft und gespielt haben, war der Schlüssel zum Erfolg", sagte Bastian Oczipka nach dem Abpfiff.

Nie am Klassenerhalt gezweifelt

Schon am Freitag kam es zu einer ungewöhnlichen Aktion von Kapitän Kevin Trapp. Der Torwart erklärte auf der obligatorischen Pressekonferenz vor dem Hoffenheim-Spiel, die Kritik sei nicht gerechtfertigt. Nach dem Abpfiff des Spiels gegen Hoffenheim am Samstag sagte Trapp: "Das war die richtige Antwort. Es ist unsere Pflicht, gute Ergebnisse zu liefern." Eintracht-Manager Bruno Hübner erklärte zu der Unruhe in den letzten Tagen: "Ich hoffe, dass jetzt Ruhe reinkommt. Schaaf hat das nicht verdient, er macht einen richtige guten Job." Schaaf selbst äußerte sich auch nach dem Sieg gegen Hoffenheim nur widerwillig zum Thema. "Ich habe mich auf meine Arbeit konzentriert in den letzten Tagen und werde das auch weiter tun", gab er kurz angebunden zu Protokoll.

Dass die Eintracht in dieser angespannten Lage und nach sechs Spielen ohne Sieg, eine so berauschende erste Halbzeit hinlegte, überraschte dann auch Hübner, er sagte: "Der Druck war enorm, der Sieg ist eine Riesenerleichterung."  Die Frankfurter profitierten aber auch von einer aberwitzig schlechten Leistung des Gegners. Hoffenheim agierte 45 Minuten lang wie ein Absteiger und nicht wie ein Europapokalaspirant. Und dennoch fand Schaaf es "klasse", wie seine Spieler "das gemacht" hatten. Dass der Eintracht nun der Klassenerhalt auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen ist, fasst Schaaf lediglich als "schöne Begleiterscheinung" auf. Er habe ohnehin nie am Klassenerhalt gezweifelt, sagte der Trainer.

Leidenschaft, Kompaktheit, Entschlossenheit

"Für uns alle ist das sehr erlösend", gab Rechtsaußen Stefan Aigner nach dem wichtigen Sieg zu Protokoll. Nach mehrwöchiger Pause belebte der Antreiber das Eintracht-Spiel so lange die Kraft reichte. Aber Aigner gab auch zu: "Ich war nach 70 Minuten platt. Aber ich bin froh, dass ich helfen konnte." Vor dem Anpfiff fielen wieder einmal Spieler verletzungsbedingt aus - Stürmer Nelson Valdez und Abwehrmann Alexander Madlung. Wenigstens gab Linksverteidiger Constant Djapka sein Debüt, nachdem er seit dem 20. September hatte pausieren müssen.

Und Mittelfeldspieler Johannes Flum, der bislang unter Schaaf nur 60 Minuten gespielt hatte in dieser Saison, wurde in der 35. Minute für den angeschlagenen Slobodan Medojevic eingewechselt. "Sehr erfreulich" fand Clubchef Heribert Bruchhagen auch deshalb die Vorstellung der Mannschaft, in puncto Leidenschaft, Kompaktheit, Entschlossenheit habe die Eintracht wieder ihre Tugenden gezeigt. Ob jetzt tatsächlich Ruhe bei der Eintracht einkehrt, muss man abwarten.

Aus Frankfurt berichtet Tobias Schächter