Darmstadt – Er hat es wieder getan: Mit der Einwechslung von Daniel Caligiuri brachte Trainer Hecking schon das vierte Joker-Tor des VfL Wolfsburg in dieser Saison auf den Weg. Damit hat der Leitwolf erneut unter Beweis gestellt, dass er die richtigen Entscheidungen trifft und entwickelt sich damit zum König Midas der Bundesliga.

In der 75. Minute war es so weit: Dieter Hecking schickte mit Daniel Caligiuri eine frische Offensivkraft ins Spiel gegen das Abwehrbollwerk der Darmstädter. Drei Minuten und 14 Sekunden später konnte er jubeln und sich dafür beglückwünschen, denn Caligiuri macht mit seinem zweiten Ballkontakt das entscheidende Tor des Nachmittags. "Er hat die meisten Kilometer in den Beinen, deswegen habe ich ihn erst mal draußen gelassen. Aber ich wusste, dass ich ihn immer bringen kann und er auch als Einwechselspieler funktioniert", erklärte der Trainer mit dem goldenen Händchen nach dem Spiel seine Entscheidung. (Zum Spielbericht.)

Rekordwerte für Wolfsburg

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Nicht zum ersten Mal hat eine Einwechslung von Hecking den Ausschlag für den Erfolg gegeben: Das vierte Jokertor im 10. Spiel bedeutet für den VfL einen Rekordwert. Noch nie hatten die Wolfsburger zu so einem frühen Zeitpunkt der Saison mehr Tore durch Einwechselspieler auf dem Konto. Ohne diese Treffer hätten die Wölfe fünf Punkte weniger und wären nur achter der Tabelle. Der Erfolg der Joker zeigt auch, welche breite Qualität der Kader der Niedersachsen inzwischen hat: Mit Maximilian Arnold, Daniel Caligiuri und André Schürrle konnte Hecking in Darmstadt drei Spieler bringen, die bei vielen Mannschaften in der Bundesliga gesetzt wären und die entscheidendes vollbringen können.

Bis zu dem Tor bemühten sich die Wolfsburger zwar, aber sie fanden gegen die starke Abwehr der Lilien kein probates Mittel und kreierten kaum Chancen. "In unserem Spiel hat zu Beginn die Ausgewogenheit gefehlt und wir haben unsere Stärken nicht ausgespielt", erklärte Trainer Hecking die Problematik seiner Mannschaft, "erst in der zweiten Halbzeit haben wir mehr Tempo gegeben und dadurch mehr Druck auf den Gegner entwickelt." So richtig gefährlich wurde das Spiel des Vize-Meisters der Vorsaison allerdings erst mit Joker Caligiuri.

Selbstbewusst gegen die Bayern

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An der Einstellung hat es den Spielern von Trainer Hecking über die 90 Minuten nicht gemangelt. "Wir wussten, dass die Darmstädter bis zum Abpfiff alles geben würden und ihre Ergebnisse sind bisher sehr beeindruckend", zeigte Hecking seine Wertschätzung für den Gegner, "deswegen waren wir mit voller Konzentration bei diesem Spiel und ich habe unsere Mannschaft dementsprechend eingestellt. Es ist nicht unsere Denke, dass wir mit dem Kopf schon bei den Bayern gewesen wären. Erst ab jetzt konzentrieren wir uns darauf."

Damit spielte Hecking auf die nächste Aufgabe der Wolfsburger am Dienstag im DFB-Pokal an: Dort trifft der Titelverteidiger auf den Rekordsieger aus München. Um diese Herausforderung erfolgreich zu bestehen, muss sich die Leistung der Wölfe allerdings noch verbessern. Sie gaben sich nach dem Sieg in Darmstadt aber schon mal durchgehend selbstbewusst. "Wir sind der Titelverteidiger und wir spielen zu Hause, da ist es unser Anspruch gewinnen zu wollen", so ein kämpferischer Klaus Allofs nach dem Erfolg gegen die Lilien.

Und wer weiß, vielleicht ist wieder ein Joker von Hecking der entscheidende Mann. Aber auch die Niedersachsen müssen auf die Einwechselspieler der Bayern achten: Nur die Münchner liegen mit sechs Jokertoren in dieser Kategorie noch vor dem VfL. Allein fünf davon gehen auf das Konto von Robert Lewandowski, die er in nur neun Minuten erzielte – im Bundesligaspiel gegen Wolfsburg.

Aus Darmstadt berichtet Alexander Dionisius