Mönchengladbach - Die Champions-League-Saison von Borussia Mönchengladbach wird bereits nach der Gruppenphase enden. Nach dem 1:1-Unentschieden gegen Juventus können die Fohlen definitiv nicht mehr ins Achtelfinale kommen. Der Blick geht jedoch trotzdem nach vorn - besonders in der Bundesliga.

Schon nach vier der sechs Gruppenspiele ist der Traum ausgeträumt. Bei sechs Punkten Rücktand auf Juventus Turin und Platz 2 und dem unglücklich verlorenen direkten Vergleich - nach den beiden Remis (1:1 und 0:0) setzten sich die Turiner dank der Auswärtstorregelung durch - ist die Borussia raus aus der Königsklasse. 

Das tut weh, denn mit Ausnahme des Auftaktspiels in Sevilla (0:3) war Gladbach absolut konkurrenzfähig. Gegen Manchester City verlor die Elf von Andre Schubert nur knapp durch einen Elfmeter kurz vor dem Abpfiff mit 1:2. In Turin verdiente sich die Elf vom Niederrhein das torlose Unentschieden durch eine starke Defensivleistung, im Rückspiel waren die Borussen teilweise drückend überlegen.

"Insgesamt war es positiv" 

Der Knackpunkt war ausgerechnet der Platzverweis für den Turiner Anderson Hernanes nach 53 Minuten. Die numerische Überzahl bedeutete keinen Vorteil für Borussia. "Ganz ehrlich", sagte Ibrahima Traore nach dem Spiel, "ich hätte lieber gegen elf Juve-Spieler gespielt. Vorher hatten sie auch auf Sieg gespielt, und wir hatten vorne Platz. Gegen zehn Mann war es fast unmöglich. Sie haben mit zwei Viererketten verteidigt und die Bälle nur nach vorne geschlagen. Es war ganz schwer, die Lücke zu finden. Wir haben es versucht. Aber gegen elf Mann war es einfacher."

Den Gladbachern boten sich einige hochkarätige Torchancen, die beste vergab Lars Stindl in der 77. Minute. Seinen Kopfball aus kurzer Distanz parierte Juventus-Torwartlegende Gianluigi Buffon mit dem Fuß. So aber zahlte Mönchengladbach bei seiner ersten Teilnahme an der Königsklasse Lehrgeld. Auf die Leistungen konnten die Spieler zurecht stolz sein, der Ertrag aber reichte nicht aus. "Insgesamt war es positiv. Wir sind nach dem Spiel enttäuscht, wir sind aber auch glücklich, so ist Fußball", fasste Kapitän Granit Xhaka zusammen.

Siegesserie in der Bundesliga ausbauen 

Ab sofort ist der 3. Platz und die Qualifikation für die Europa League das erklärte Ziel. Voraussetzung dafür ist ein Heimsieg im nächsten Gruppenspiel gegen den FC Sevilla. Mit einem Dreier würde die Borussia an den Spaniern vorbeiziehen und hätte dann ein Endspiel in Manchester. "Der Anreiz Europa League ist sehr groß", versprach Xhaka vollen Einsatz in den letzten beiden Spielen.

Vorher wollen die Fohlen allerdings ihre imponierende Siegesserie in der Bundesliga ausbauen. Nach sechs Siegen in Folge empfängt Mönchengladbach am Samstag den starken Aufsteiger aus Ingolstadt. Die Schanzer könnten ähnlich defensiv agieren wie Juventus nach dem Platzverweis. Der FCI kommt mit der Empfehlung der mit Abstand zweitbesten Abwehr (erst neun Gegentore in elf Spielen) der Bundesliga und als drittbeste Auswärtsmannschaft (schon elf Auswärtspunkte) in den Borussia-Park. "Das wird ein sehr schwieriges Spiel für uns, weil Ingolstadt als Aufsteiger bis jetzt eine tolle Saison spielt und es sehr gut macht", weiß Yann Sommer. Die Borussia ist gewarnt.

Aus Mönchengladbach berichtet Tobias Gonscherowski