Leverkusen - Das war eine Woche ganz nach dem Geschmack von Leverkusenes Trainer Roger Schmidt. Erst das 4:4 seiner Mannschaft in der Champions League gegen den AS Rom, nun der 4:3-Erfolg gegen den VfB Stuttgart. Der Coach ist bekennender Fan des Offensivfußballs. Ihm ist ein torreiches Spektakel "tausendmal lieber, als wenn wir uns hinten rein stellen und dann durch einen Konter 1:0 gewinnen."

"Wenn man solche Spiele noch dreht oder gewinnt, ist das auszuhalten", lachte Bayers Sportchef Rudi Völler nach der zweiten Torflut in der BayArena binnen fünf Tagen. "Die Zuschauer, die die beiden Spiele gesehen haben, kommen ganz sicher wieder."

Offener Schlagabtausch

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Nach den ersten 45 torlosen Minuten in der Partie zwischen Leverkusen uns Stuttgart deutete wenig darauf hin, dass es noch ein so offener Schlagabtausch werden sollte. Dann klingelte es innerhalb von 20 Minuten sechs Mal, erst legten die Schwaben vor und führten 2:0 und 3:1, dann antwortete die Werkself. In der 87. Minute blieb es Admir Mehmedi vorbehalten mit einem schönen Schlenzer den Schlusspunkt und eine erneut denkwürdige Partie zu setzen.

Leverkusen drehte nun zweimal nacheinander im eigenen Stadion einen Zwei-Tore-Rückstand. Die Comeback-Qualitäten sind bemerkenswert. "Bei allen Fehlern, die wir im Moment machen, überwiegt die Freude über die Mentalität der Mannschaft, zurückzukommen, nie aufzugeben", lobte Roger Schmidt seine Truppe. Schmidt wiederum bekam von seinem Sportchef attestiert, bei seinen Wechseln erneut alles richtig gemacht zu haben.

Schon gegen Rom habe Schmidt "super gewechselt. Er hat ein Zeichen gesetzt und ist Risiko gegangen, weil er das Ding noch drehen wollte." Waren es gegen die Italiener noch Admir Mehmedi und Julian Brandt, die das Spiel noch umbogen, so sorgte gegen Stuttgart die Hereinnahme von Karim Bellarabi für die Wende. Mit seinem ersten Ballkontakt wenige Sekunden nach seiner Einwechslung beim Stand von 0:2 schoss der Nationalspieler die Rheinländer zurück ins Match.

"Habe mir vorgenommen, richtig Gas zu geben"

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"Ich habe mir vorgenommen, richtig Gas zu geben und zu versuchen, die Mannschaft mitzuziehen", meinte Karim Bellarabi nach dem Abpfiff selbstbewusst. "Ich habe etwas Frische reingebracht. Das hat mir und der Mannschaft gut getan. Wir wollten kein Unentschieden und schon gar nicht verlieren. Wir haben immer an uns geglaubt und niemals aufgegeben."

Diese Tugenden muss die Mannschaft nun konstant abrufen, will sie ihr erklärtes Saisonziel - die erneute Teilnahme an der Champions League - wieder erreichen. "Uns fehlen immer noch einige Punkte, die wir in den letzten Spielen liegen gelassen haben. Aber wir sind jetzt auf dem richtigen Weg", glaubt Admir Mehmedi, der in dieser Woche mit seinen späten Toren gegen Rom und Stuttgart Werbung in eigener Sache betrieb und sich für mehr Einsätze in der Startelf empfahl.

In der nächsten folgenden englischen Woche muss Bayer 04 Leverkusen erst im Pokal beim Viertligisten Viktoria Köln antreten, bevor am Samstagabend das Topspiel beim VfL Wolfsburg auf dem Programm steht. Die Wölfe stehen in der Tabelle auf Rang 4 und damit zwei Plätze aber nur einen Punkt besser da als die Werkself. Beim letzten Aufeinandertreffen gab es ein Spiel, das Roger Schmidts Fußballphilosophie nahe kam. Leverkusen konnte einen 0:3- und 2:4-Rückstand egalisieren. Am Ende aber setzte es eine 4:5-Niederlage. Das war dann selbst Schmidt ein bisschen zu viel des Spektakels.

Aus Leverkusen berichtet Tobias Gonscherowski