Mainz - Anthony Ujah rannte nach seinem ersten von zwei Toren sofort und direkt auf Viktor Skripnik zu. Das 1:0 des SV Werder Bremen (39.) durch den Stürmer aus Nigeria wurde so auch zum Sinnbild für den Zusammenhalt zwischen Trainer und Mannschaft.

Der dürfte nach diesem 3:1-Erfolg in Mainz weiter gewachsen sein. Nach zuvor fünf Niederlagen bedeutete dieser Sieg eine Befreiung für die Mannschaft, den Trainer und die Anhänger. "Oh, wie ist das schön", sangen die Werder-Fans nach dem Abpfiff in Mainz ausgelassen.

"Der Druck auf uns Offensivspieler war groß"

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Innerhalb von sechs Minuten vor der Pause nutzten die Werder-Profis einen "Blackout" (Nullfünf-Trainer Martin Schmidt) der Mainzer eiskalt aus. Zwei Tore durch den ehemaligen Nullfünfer Anthony Ujah (39., 44.) - jeweils nach Flanke von Santiago Garcia - und ein Treffer von Fin Bartels (45.) machten aus einem trüben 0:0 plötzlich ein turbulentes 3:0 für Werder.

"Heute waren wir endlich wieder effektiv", freute sich Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic. Besonders gilt das natürlich für den zweifachen Torschützen Anthony Ujah. Von dem ist großer Druck abgefallen. Die Bremer Angreifer waren ziemlich erfolglos in den letzten fünf Spielen, einzig Aron Johannsson gelang beim 1:2 in Darmstadt ein Tor. Nun traf Ujah doppelt.

Für Ujah, der ein Jahr in Mainz gespielt hatte und sich unter dem Trainer Thomas Tuchel nicht durchsetzen konnte, fühlte es sich schon ein "bisschen komisch an, hier zu treffen", erzählte er nach dem Spiel: "Aber für uns war es wichtig zu gewinnen und zu treffen, der Druck auf uns Offensivspieler war groß." Und gefreut hatte sich Ujah auch für seinen Trainer, der zuletzt in die Kritik geraten war: "Viktor ist ein ganz besonderer Trainer für mich", bestätigte Ujah und erklärte so seine Jubelgeste nach dem ersten Treffer in Richtung Skripnik.

Ujah bisher nur auswärts treffsicher

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Kurios ist: Ujah erzielte alle seine bisherigen vier Bundesligatreffer und sein Tor im Pokal auswärts. Zuhause konnte Ujah in dieser Saison noch keinen eigenen Treffer bejubeln. Gäbe es eine Torjägerliste für Auswärtstorjäger, stünde Ujah auf Platz zwei - nur Pierre-Emerick Aubameyang von Borussia Dortmund mit fünf Toren traf öfter vor fremdem Publikum. Klar, dass Ujah endlich zuhause treffen will. Gelegenheit dazu bekommt er am kommenden Mittwoch gegen den 1. FC Köln im DFB-Pokal.

Es geht also wieder gegen einen Ex-Club für Ujah, der erst mit 15 in Nigeria eine Clubkarriere begann und davor auf der Straße gespielt hatte. Das sieht man seinem Spiel noch an, er besitzt die Durchsetzungsfähigkeit eines Straßenkickers, aber mitunter sind auch taktische Fehler in seinem Spiel zu sehen.

Von der Einstellung aber, müsse man sich um Ujah keine Sorgen machen, auch wenn er mal - wie vor dem Mainz-Spiel - längere Zeit nicht getroffen habe, sagt der Bremer Manager Thomas Eichin. Der war über die Punkte acht, neun und zehn im zehnten Spiel sehr erleichtert, mahnte aber: "Dieser Sieg war wichtig, jetzt heißt es durchpusten - mehr aber auch nicht."

Gegen den 1. FC Köln im DFB-Pokal

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Für Viktor Skripnik ist Mainz ohnehin ein gutes Pflaster. Zu seinem Einstand als Werder-Trainer vor fast genau einem Jahr gewann er auch beim FSV. "Alles hat geklappt, die Serie ist gebrochen", freute sich Skripnik: "Ich bin glücklich, wir müssen jetzt akribisch weiter arbeiten." In Mainz war Skripnik mit einem 4-1-4-1-System erfolgreich, mit dem die Mannschaft am vergangenen Wochenende dem großen Favoriten FC Bayern bei der 0:1-Niederlage lange Paroli geboten hatte.

Jetzt geht es aber erstmal gegen den 1. FC Köln im DFB-Pokal, in dem der SV Werder weit kommen will in dieser Saison. Sollte Anthony Ujah gegen seinen ehemaligen Verein treffen, werde er aber nicht so ausgelassen jubeln wie in Mainz. Ujah sagt: "Das waren drei ganz besondere Jahre für mich in Köln. Gewinnen will ich natürlich aber trotzdem."

Aus Mainz berichtet Tobias Schächter