München - Die Frage, ob Mario Götze nach seiner Genesung spielen wird, stellt sich eigentlich nicht. Die Frage ist eher: Wo wird er spielen? Der Ex-Dortmunder und "Königs-Transfer" des FC Bayern München gab im Test gegen den ungarischen Meister FC Györ sein Debüt im Trikot der "Roten" und überzeugte auf der Position der so genannten "falschen Neun" gleich mit zwei Treffern.

Eine baldige Rückkehr des Super-Talents rückt also näher und diese dürfte Pep Guardiolas Startelf nochmals gehörig durcheinander würfeln. Wo soll er spielen? Als "falsche Neun", als "Zehner" oder doch auf einem der beiden Flügel? In jedem dieser Fälle, wird sich ein Hochkaräter des Münchner Starensembles mit einem Platz auf der Bank anfreunden müssen.

Götze als "falsche Neun"



Die wohl am häufigsten interpretierte Variante: Mario Götze als Stürmer. Darunter leiden würde dann insbesondere Mario Mandzukic. Der Kroate schien schon in den letzten Wochen nicht gerade glücklich darüber, häufiger mit einem Bankplatz vorlieb nehmen zu müssen - Guardiola testete Thomas Müller, aber auch Franck Ribery auf Tauglichkeit für eine seiner Schlüsselpositionen. Mandzukic reagierte allerdings nicht nur mit Unmut, sondern auch mit Toren auf die Planspiele seines neuen Trainers. Beim Auftakt in der heimischen Allianz Arena traf er zum 2:0 und gab zudem vier Schüsse auf den Gladbacher Kasten ab. Ganz davon abgesehen, dass der kroatische Fußballer des Jahres in der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte ein absoluter Erfolgsgarant war.

Dennoch verkörpert Götze genau die Art Spieler, die sich Guardiola als "falsche" oder "hängende" Neun wünscht: Schnelligkeit, enge Ballführung, der Blick für die Schnittstelle und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor. Zum ersten Mal ließ er seine Qualitäten beim 4:1-Testspiel-Sieg gegen den ungarischen Meister FC Györ im neuen Dress aufblitzen. Nach seiner Einwechslung in der 62. Minute nahm er eben jene Position in der Spitze ein und erzielte prompt zwei Tore. Dabei zeigte er einerseits sein Gefühl, zur richtigen Zeit Lücken im gegnerischen Defensiv-Verbund zu reißen und andererseits seinen Torriecher.

Götze als "Zehner"



Ebenso denkbar, aber weniger wahrscheinlich, wäre ein Einsatz im zentralen offensiven Mittelfeld: Sprich als "Zehner". Leidtragende wären in diesem Fall der zuletzt gesetzte Toni Kroos und auch der flexible Thomas Müller. Während Kroos am 1. Spieltag sieben Torschüsse abgab, darunter ein Pfostenschuss - ligaweit kein Spieler mehr - war er in 85 Minuten aber "nur" 64 Mal am Ball. Thomas Müller erwischte einen rabenschwarzen Tag, vergab beim Auftakt einen Elfmeter, war in 77 Minuten nur 34 Mal am Ball und gewann nur 25 Prozent seiner Zweikämpfe. Der spielstarke Götze könnte also auch auf der Spielmacherposition für mehr Durchschlagskraft sorgen. Allerdings wäre der - zuletzt defensiv etwas wackelige - Rekord-Meister mit dieser Variante noch offensiver aufgestellt als ohnehin schon.

Götze auf den Flügeln



Bleiben schlussendlich noch die Flügel als potenzielles Einsatzgebiet des Youngsters. Vorweg gesagt: Die linke Außenbahn scheint mit dem zuletzt bärenstarken und absolut gesetzten Franck Ribery dicht zu sein. Der französische Filou zeigte gegen Gladbach nicht nur teils atemberaubende Solo-Läufe, sondern bereitete auch die ersten beiden Bayern-Treffer mustergültig vor. Trotz seiner Flügelposition hatte er die meisten Ballkontakte auf dem Feld (132).

Wahrscheinlicher ist also ein Einsatz auf der schon eher vakanten Position auf der rechten Außenbahn. Hier wirbelt etatmäßig der Champions-League-Finalheld Arjen Robben. Zum einen war der Niederländer in der Vergangenheit arg verletzungsanfällig, zum anderen zeigte er häufiger Formschwankungen. Aber auch Robben überzeugte bisher regelmäßig, erzielte das frühe 1:0 gegen Gladbach und war ein ständiger Gefahrenherd. Dennoch steht der niederländische Nationalspieler wohl mehr unter Druck als sein französisches Pendant auf der linken Seite.

Eines ist sicher: Im Moment fehlen Pep Guardiola eigentlich die Argumente, einen seiner Stars auf die Bank zu setzen - doch schon am 2. Spieltag in Frankfurt wird jeder einzelne Spieler erneut auf dem Prüfstand stehen. Auf welcher Position sich Mario Götze bei seiner Rückkehr einordnen wird, hängt also nicht zuletzt stark von den Leistungen seiner direkten Konkurrenten ab.

Thomas Aigner