München/Norderney - Ins gleiche Fettnäpfchen tritt niemand gerne zwei Mal. Auch Eljero Elia nicht. Seine Vorstellung als Neuzugang von Werder Bremen am Dienstag erfolgte zwar mit leichter Verzögerung, aber ohne einen verbalen Ausrutscher. Das ist nicht selbstverständlich: Vor drei Jahren hatte sich der Niederländer bei seiner Präsentation beim Hamburger SV noch einen peinlichen Lapsus geleistet.

Er sehe den HSV als idealen Zwischenschritt auf dem Weg zu einem europäischen Spitzenclub, sagte er im Sommer 2009. Das saß. Es war der Beginn eines großen Missverständnisses, dabei hatte er noch keine Sekunde für die Hanseaten gespielt. Nach zwei ernüchternden Jahren zog der Flügelspieler im vergangenen Sommer weiter zu Juventus Turin.

Ein Jahr später kehrt er nun zurück in die Bundesliga und nimmt ausgerechnet beim Nordrivalen Werder Bremen seinen zweiten Anlauf. "Ich möchte mich hier schnell einbringen und mich über den SV Werder wieder für die Nationalmannschaft empfehlen", sagte der 25-Jährige bei seiner Vorstellung auf Norderney. Die hatte sich um einen Tag verzögert, weil letzte Vertragsdetails zwischen ihm und Juventus zu klären waren. Im Team von Thomas Schaaf soll er künftig auf dem linken Flügel für Gefahr sorgen.

Die Erwartungen nicht erfüllt



An der Weser sind die Erwartungen hoch an den flinken Außenbahnspieler. Das war auch damals in Hamburg so. Neun Saisontore für Twente Enschede brachte er vor zwei Jahren als Empfehlung mit zum HSV. Dazu den "Johan Cruijff Prijs", die Auszeichnung als bester Nachwuchskicker der Niederlanden. Damit stand er in einer Linie mit Stars wie Arjen Robben, Wesley Snejder oder Klaas-Jan Huntelaar. Die Vita passte.

Als nächster niederländischer HSV-Superstar nach Rafael van der Vaart wurde Elia gehandelt. "Eljero hat unglaublich großes Potenzial", schwärmte der damalige Coach Bruno Labbadia. Das zeigte Elia anschließend viel zu selten, nur sporadisch blitzte sein Können auf.

Am Trainer lag es nicht, das Personal an der Seitenlinie wechselte mehrfach. Aber auch Michael Oenning und Armin Veh vermochten es nicht, Topleistungen aus dem Niederländer herauszukitzeln. Als "unser größtes Talent" bezeichnete Veh den jungen Niederländer im Frühjahr 2011 - und bemängelte im gleichen Atemzug dessen Trainingseifer. Neun Tore bereitete Elia in seiner ersten HSV-Saison vor, magere drei in seiner zweiten. Eine Fersenverletzung bremste ihn zudem aus.

Dass er abseits des Platzes ein Leben im Luxus genoss, während es sportlich haperte, kostete ihn bei Fans und Verantwortlichen Sympathien. In Italien ging es nicht besser weiter. Nach seinem Wechsel zu Juve schaute Elia von der Bank zu, wie seine Kollegen zum Scudetto, dem italienischen Meistertitel, stürmten. Nur vier Saisonspiele bestritt er für die "Alte Dame".

Flügelzange mit Arnautovic?



Bei Werder wagt er den Neuanfang. Unter einem Coach, der ihn unbedingt wollte und der bewiesen hat, dass er mit Talenten umgehen kann, die sich andernorts selbst im Weg standen.

Für Thomas Schaaf wird ein 4:3:3-System mit zwei Außen- und einem Mittelstürmer durch Elia zu einer echten Option. "Wenn man Spieler hat, die gerne über die Außen kommen, das eins gegen eins suchen, gute Vorbereiter sind und selbst den Abschluss suchen, dann wäre das eine Möglichkeit", sagt Schaaf.

Elia trifft bei Werder auf einen alten Weggefährten, der ebenfalls noch auf den Durchbruch hofft - und ebenfalls kein Kind von Traurigkeit ist: Marko Arnautovic. Gemeinsam bildeten die beiden bereits bei Twente die Flügelzange. Arnautovic verkündete bereits vor Tagen, dass er sich sehr freuen würde, falls es mit Elias Wechsel klappt. Zumal er sich in einem System mit zwei offensiven Außen ebenfalls wohler fühlt: "Damals bin ich immer über die Außen gekommen und aus der Nationalmannschaft kenne ich die Position auch ganz gut", meint der Österreicher.

"Wenn es mir gut geht, bin ich ein lustiger Kerl"



Einen Ansprechpartner hat Elia also, der ihm die Eingewöhnung erleichtern wird. Bei Werder will er endlich eine fußballerische Heimat finden, in der auch der Wohlfühlfaktor stimmt.

"Wenn es mir gut geht, bin ich ein lustiger Kerl, der gerne Spaß hat", sagt Elia: "Und dann spiele ich auch gut Fußball." Der Start ist immerhin schon glücklicher verlaufen als bei seiner ersten Station in der Bundesliga.

Andreas Messmer