Der VfL Wolfsburg wartet im Jahr 2010 weiterhin auf seinen ersten Sieg. Trotz zuletzt wieder besserer Leistungen speziell in der Defensive verlor der amtierende Deutsche Meister auch bei Bayer 04 Leverkusen mit 1:2. Keine ihrer letzten zehn Partien konnten die "Wölfe" gewinnen.

Das letzte Erfolgserlebnis feierte der VfL in der Bundesliga am 12. Spieltag, als der Verein in Hoffenheim mit 2:1 die Oberhand behielt. Wolfsburg rangierte damals mit 21 Punkten auf Platz 5 und lag lediglich fünf Zähler hinter Spitzenreiter Bayer 04 Leverkusen.

"Müssen schauen, das wir nicht abrutschen"

Die Zeiten haben sich radikal geändert. Während die "Werkself" weiter die Tabelle anführt, stürzten die "Grün-Weißen" trotz eines Trainerwechsels auf Platz 12 ab. Der Rückstand auf die Rheinländer beträgt inzwischen 23 Punkte, auch Platz 5 ist mit elf Punkten Differenz derzeit unerreichbar.

Eher müssen sich die "Wölfe" nach unten orientieren. Verliert der VfL in zwei Wochen das Niedersachsen-Derby bei Hannover 96, droht sogar der Abstiegskampf. So weit ist es zwar noch nicht, doch sollte niemand in der Autostadt die Gefahr unterschätzen.

"Wir müssen schauen, dass wir nicht noch weiter abrutschen, weil die richtigen Hammerspiele gegen die Abstiegskandidaten erst noch kommen", warnte Mittelfeldregisseur Zvejezdan Misimovic: "Es schaut immer mehr danach aus, dass wir im Abstiegskampf stecken."

Hoeneß weiß um das "Mörderprogramm"

Der Bosnier gehört zu den wenigen Kickern im Wolfsburger Kader, die wissen, wie nervenaufreibend der Abstiegskampf in der Bundesliga sein kann. Mit Bochum hielt der Nationalspieler die Klasse, mit Nürnberg nicht.

Anders als Kollegen wie Edin Dzeko ("Wir werden ganz sicher nicht in Abstiegsgefahr geraten.") oder Andre Lenz ("Die Leistung von Leverkusen hat nichts mit Abstiegskampf zu tun.") schätzt Misimovic die Situation realistisch ein. "Es nützt nichts von Fortschritten zu reden, wir brauchen Punkte", meinte der 27-Jährige.

Erst ein Remis holte der VfL nach der Winterpause. Allerdings hatte es das Auftaktprogramm auch in sich, besonders für den neuen Trainer, der erst seit drei Spielen für das Team verantwortlich ist. "Lorenz-Günther Köstner hat ein Mörderprogramm übernommen", verteidigte VfL-Boss Dieter Hoeneß seinen Coach.

"Müssen Boden unter die Füße bekommen"

"Diese Spiele gegen den HSV, die Bayern, Leverkusen und auch am kommenden Sonntag gegen Schalke sind ja eigentlich ein Himmelfahrtskommando", meinte Hoeneß: "Das müssen wir ganz realistisch sehen. Die Trainerfrage stellt sich nicht, denn ich sehe viele positive Ansätze. Aber wir müssen wieder Boden unter die Füße bekommen."

Höhere Ambitionen hegt der VfL Wolsburg vorerst nicht. Es geht jetzt für den Meister darum, irgendwie in der Bundesliga die Kurve zu kriegen und in der Europa League in den Spielen gegen den FC Villarreal eine gute Rolle zu spielen. "Es macht keinen Sinn, Ziele nach oben zu definieren", sagte Hoeneß: "Damit brauchen wir uns nicht beschäftigen. Ob wir Achter, Zehnter oder Elfter werden, macht nur im Fernsehgeld einen Unterschied."

Volle Konzentration auf den FC Villarreal

Auf der in Leverkusen gezeigten Leistung können die "Wölfe" aufbauen. Es war schon eine gehörige Portion Pech im Spiel bei der 1:2-Niederlage in der BayArena. "Wir müssen das Glück erzwingen", forderte Trainer Lorenz-Günther Köstner. "Die Spieler sind verkrampft und haben die Lockerheit und Leichtigkeit verloren."

Vielleicht gelingt den "Wölfen" gegen den FC Villarreal der Befreiungsschlag. Denn auch die Spanier hinken in der Primera Division ihren Ansprüchen weit hinterher.


Tobias Gonscherowski