Hans-Peter Lehnhoff ist seit 2000 Teammanager bei Bayer Leverkusen. Bei bundesliga.de stellt er sich den Fragen über den bisherigen Saisonverlauf der "Werkself".

bundesliga.de: Bayer ist zu Gast auf Schalke. Nach zuletzt zwei Remis, steht Bayer unter Zugzwang?

Hans-Peter Lehnhoff: Leverkusen hat bisher sehr gute Leistungen gebracht. Aber natürlich ist es ein wenig enttäuschend, wenn man zuhause 1:1 spielt. Aber in der Woche davor in Hamburg war es aus taktischer Sicht eine Meisterleistung. Für die Zuschauer war es vielleicht nicht so interessant, aber das sind halt Spiele, die nun mal zum Fußball dazugehören. Ansonsten sind wir aber sehr zufrieden mit der bisherigen Saison.

bundesliga.de: Was zeichnet die Mannschaft in dieser Saison aus?

Lehnhoff: Ich glaube, dass die Mannschaft in dieser Saison in der Strukturierung von Abwehr, Mittelfeld und Angriff genau das hat, was ihr in der Vergangenheit gefehlt hat. Wir haben mit René Adler eine Persönlichkeit als Torwart. Wir haben mit dem Sami Hyypiä in der Abwehr eine riesige Verstärkung bekommen - nicht nur als Fußballer, sondern auch als Mensch. Er ist im Verein sehr, sehr hoch anerkannt, besonders bei den jungen Spielern. Er geht unheimlich klasse mit den jungen Spielern um. Es ist schon eine wahre Pracht zu sehen, wie er sich auch noch nach dem Training mit ihnen auseinandersetzt. Da sieht man einfach, dass er ein großer Spieler ist. Nicht nur auf dem Platz.

bundesliga.de: Und in der Offensive?

Lehnhoff: Da sticht die Achse mit Simon Rolfes, Tranquillo Barnetta, Stefan Kießling und Erin Derdiyok hervor. Als Teammanager macht es richtig Spaß, diesen Jungs zuzuschauen. Wie die Fußball zelebrieren, das ist für mich ausschlaggebend, dass wir im Moment schwer auszurechnen sind.

bundesliga.de: Was kann Bayer in dieser Saison alles erreichen?

Lehnhoff: Aufgrund der Tatsache, dass wir vergangenes Jahr abgestürzt sind in der Rückrunde, ist man in Hinsicht auf Prognosen schon vorsichtig bei Bayer. Aber das Ziel ist, auf jeden Fall international zu spielen. Wenn mehr dabei herausspringt, ist das natürlich ein Plus für uns. Ich glaube für die Mannschaft ist es wichtig, sich da oben festzusetzen, damit sie in der Luft, die sie da oben schnuppert versteht, dass es auch Spaß macht, immer da oben zu sein.

bundesliga.de: Hätten Sie damit gerechnet, dass Felix Magath Schalke so schnell nach vorne bringt?

Lehnhoff: Ganz ehrlich, nein. Man sieht deutlich die Handschrift des Trainers. Vom Potenzial her gehörte Schalke immer zu den besten Mannschaften, aber sie sind einfach disziplinierter als in den vergangenen Jahren. Er hat es geschafft, dass sie alle für die Mannschaft und für den Verein arbeiten und kämpfen. Und das ist es doch, was Schalke immer ausgemacht hat: das "Malochen".

bundesliga.de: Warum hat Schalke das "Malochen" vernachlässigt?

Lehnhoff: Man wollte natürlich in einer Rubrik mit den Bayern mithalten und das ist auf lange Distanz sehr schwer. Die Bayern sind eben nicht nur der stärkste Verein in Deutschland, sondern auch einer der finanzstärksten. Von daher haben die Bayern einfach den längeren Atem. Schalke war ja auch ein paar Jahre ganz oben, aber hat nie den großen Wurf geschafft. Genau wie wir. Dann weiß man, dass man erst mal kleine Brötchen backen muss, damit man nachher ein großes Brot verkaufen kann.

bundesliga.de: Fünf Punkte trennen den Tabellen-Ersten und den Achten. Wird es im Rennen um den Titel und die internationalen Plätze bis Saisonende so viele Mannschaften geben, die da ein Wörtchen mitreden können?

Lehnhoff: Durch die Drei-Punkte-Regelung bleibt es ja immer spannend. Man denkt manchmal, man hätte sich ein bisschen abgesetzt. Dann spielt man zwei Mal Unentschieden und die anderen gewinnen zwei Mal und alles rückt wieder näher zusammen. Von daher ist es wichtig, überhaupt seine Punkte einzufahren. Die Mannschaften, die jetzt da oben zusammen sind, das sind meiner Meinung nach auch die, die sich in der nächsten Zeit auch bearbeiten werden.

Das Gespräch führte Sebastian Stolz