Hamburgs Verteidiger Jerome Boateng (l.) bekam es oft mit Bayerns Superstar Arjen Robben zu tun
Hamburgs Verteidiger Jerome Boateng (l.) bekam es oft mit Bayerns Superstar Arjen Robben zu tun
Bundesliga

"Müssen jetzt auf die Teams hinter uns schauen"

78 Minuten lang wehrte sich der Hamburger SV erfolgreich gegen die Angriffe des FC Bayern München. Die Norddeutschen drohten abermals, Punkte aus der Allianz Arena mitzunehmen und dem deutschen Rekordmeister die Feier zum 110. Clubjubiläum und den erstmaligen Sprung an die Tabellenspitze nach saisonübergreifend 57 Spieltagen zu vermiesen.

Doch zwölf Minuten vor Schluss schnappte sich Bayerns Superstar Franck Ribery die Kugel auf dem linken Flügel, tanzte Gegenspieler Guy Demel mit einer schnellen Körpertäuschung aus und versenkte das Spielgerät per Gewaltschuss im Hamburger Tor.

Nach dem Schlusspfiff sprach HSV-Linksverteidiger Jerome Boateng im Interview mit bundesliga.de über die Gründe für die knappe Niederlage, das Duell gegen seinen direkten Gegenspieler Arjen Robben, die veränderte Zielsetzung der Hanseaten sowie über das bevorstehende Länderspiel gegen Argentinien und seine persönlichen Chancen auf die WM-Teilnahme in Südafrika.

bundesliga.de: Herr Boateng, lange Zeit sah es nach einem Remis aus, dann schlug Ribery zu. Wie groß ist die Enttäuschung?

Jerome Boateng: Sehr groß! Wir haben sehr gut mitgehalten. Natürlich wussten wir, dass die Bayern stark sind, und sie haben auch gut gegen uns gespielt, aber wir sind in der Defensive sicher gestanden. Klar hatten die Münchener ein, zwei Chancen mehr, aber insgesamt wäre ein Unentschieden gerecht gewesen, denke ich.

bundesliga.de: Sind Sie mit dieser Zielsetzung ins Spiel gegangen?

Boateng: Nein, unser Ziel waren drei Punkte, aber nach dem Spielverlauf wären wir mit einem Unentschieden zufrieden gewesen.

bundesliga.de: Sie sind mit großen Personalproblemen angereist. War die Grundausrichtung gegen die Bayern deswegen vielleicht ein wenig zu defensiv?

Boateng: Wir wissen, dass wir gegen die Bayern bestehen können, das haben wir schon oft gezeigt. Aber ich denke nicht, dass wir zu defensiv ausgerichtet waren. Uns hat vielleicht ein wenig die Durchschlagskraft gefehlt. Aber das kommt vor. Wir waren ja auch am Donnerstag im Einsatz in der Europa League (2:3-Niederlage in Eindhoven, Anmerk. d. Red.) und deshalb war es nicht so einfach. Die Bayern hatten eine längere Pause und verfügen außerdem über Klasseleute wie Ribery oder Arjen Robben, die so gefährlich sind, dass sie aus einer Aktion das entscheidende Tor machen können.

bundesliga.de: Sie haben schon in der 35. Minute die Gelbe Karte für ein Foul an Robben gesehen. Hatten Sie ein wenig Bammel, als direkter Gegenspieler Robbens vorzeitig das Feld verlassen zu müssen?

Boateng: Nein. Zunächst mal finde ich, dass der Schiedsrichter das erste Foul von Robben an mir pfeifen muss, der mich festhält. Danach war ich sauer, die anschließende Aktion war blöd von mir. Aber ich denke, danach habe ich die Aufgabe ganz gut gelöst. Ich habe kein Foul mehr an ihm begangen und wenig zugelassen, daher kann ich mit meiner Leistung zufrieden sein.

bundesliga.de: Der Rückstand des HSV auf die auf Platz 3 liegenden Schalker beträgt jetzt acht Punkte. Ist der Champions-League-Zug bereits ohne Sie abgefahren?

Boateng: Wir müssen jetzt erst einmal auf die nächsten Spiele konzentrieren und nicht nach oben, sondern eher auf die Mannschaften hinter uns schauen. Wenn es uns gelingt, eine Serie zu starten, können wir vielleicht noch mal darüber reden, aber im Moment beschäftigen wir uns nicht mehr mit Platz 3.

bundesliga.de: Schon am Mittwoch treten Sie erneut in der Allianz Arena an, dann als deutscher Nationalspieler im Test gegen Argentinien. Eine angenehmere Partie?

Boateng: Naja, das ist schwer zu vergleichen. Ich freue mich einfach, dass ich eingeladen wurde. Bei der Nationalmannschaft zu sein, ist immer etwas Besonderes, und Argentinien als Gegner ist ein großer Ansporn.

bundesliga.de: Wie sehen Sie Ihre Chance auf die WM-Teilnahme im Sommer in Südafrika?

Boateng: Ich denke, wenn ich meine Spiele absolviere und meine Leistung durchziehe, dann habe ich ganz gute Chancen, denke ich. Aber es zählt eben nur die Leistung. Dass es mein Ziel ist, dabei zu sein, ist doch ganz klar.

Aus der Allianz Arena berichtet Denis Huber