Berlin - Die Katerstimmung nach der 0:4-Schlappe beim FC Bayern München, bei der Markus Babbel nach dem 0:3-Zwischenstand bereits nach 13 Minuten "eine zweistellige Niederlage befürchtet" hatte, war in Berlin schnell verflogen. "Wir haben das Spiel am Montag noch analysiert und dann abgehakt", so Babbel. "Die Bayern spielen halt in einer anderen Liga", so der Trainer, der seine Mannschaft "auf Augenhöhe mit allen Vereinen in der Bundesliga" sieht - außer mit den Bayern.

In der Hauptstadt war "Wiedergutmachung" nach der Bayern-Pleite das Thema. Folgerichtig wurde auch nur über die Höhe des Sieges gegen den seit sieben Spielen sieglosen 1. FSV Mainz 05 diskutiert. Am Ende mussten die Gastgeber mit einem 0:0 zufrieden sein. Bedanken konnten sich die Berliner bei Thomas Kraft, der mit einigen Glanzparaden zumindest einen Punkt festhielt. "Ich habe sicher zwei, drei gute Bälle gehalten, aber ich bin Teil der Mannschaft, und wir gewinnen gemeinsam und verlieren gemeinsam. Daher kann ich mit dem 0:0 nicht unbedingt zufrieden sein, denn wir hatten uns natürlich viel mehr vorgenommen", gab der Hertha-Keeper zu.

Kein Sieg zum Lell-Jubiläum

Auch Christian Lell, der nach dem Spiel beim deutschen Rekordmeister in der bayrischen Landeshauptstadt geblieben war, um sein Haus zu verkaufen und mit dem "emotional mit der Stadt München und dem Verein München" abzuschließen, hätte sich sein Jubiläum schöner vorgestellt. Für den Ex-Bayern-Profi, der ausgerechnet gegen seinen aktuellen Verein Hertha BSC seine Bundesliga-Premiere feierte, war das Spiel gegen Mainz das 100. Spiel im Oberhaus.

"Das hätte ich natürlich schon gern mit einem Sieg gefeiert." Doch davon war der Aufsteiger bis zu einer Großchance von Raffael kurz vor Ende der Partie weit entfernt. Bezeichnend für die harmlosen Angriffsbemühungen der Berliner: Erst in der 83. Minute gab es den ersten Eckstoß für die Gastgeber.

Babbel "glücklich mit dem Punkt"

Entsprechend "glücklich mit dem Punktgewinn" war Babbel, der "froh" war, "als der Schiedsrichter abgepfiffen hatte". "Bei uns waren nur der Torwart und die Innenverteidigung in Form. Nach vorn lief viel zu wenig", analysierte der Trainer.

"Wir müssen lernen, wie die Bundesliga funktioniert. Meine Mannschaft tut sich schwer, wenn unter der Woche eine Erwartungshaltung erzeugt wird, dass der Sieg schon abgehakt ist. Das war schon gegen Augsburg so", vermisst der 39-Jährige bei seinem Team die nötige Reife.

"Müssen immer ans Limit gehen"

"Nur wenn wir es schaffen, mit elf Mann auf dem Platz zu stehen, können wir so ein Spiel auch gewinnen. Wenn drei bis vier Spieler nicht ihre Normalform erreichen, haben wir es schwer", so Babbel weiter. "Das hat in der 2. Bundesliga noch funktioniert. Aber für die Bundesliga ist das zu wenig. Dafür sind die Mannschaften zu eng beieinander."

Um am Mittwoch im Pokal bei Rot-Weiß Essen und in der Bundesliga bestehen zu können müsse man laut Babbel aus dem Mainz-Spiel seine Lehren ziehen: "Wir müssen begreifen, dass wir immer ans Limit gehen müssen, um in der Bundesliga bestehen zu können."

Aus Berlin berichtet Jürgen Blöhs