Hoffenheim - Defensivstarke Gladbacher gehen selbstkritisch mit der Niederlage in Hoffenheim um. Lucien Favre war "nicht unzufrieden" mit seiner Mannschaft, das nicht. Aber folgerichtig fand er die 0:1-Niederlage bei 1899 Hoffenheim dann doch: "Wir sind zwar viel gelaufen, haben aber zu langsam agiert und zu viele Ballverluste gehabt. So wie wir gespielt haben, war hier maximal ein 0:0 drin."

Dafür - und das erwähnte der Gladbacher Coach bescheidenerweise nicht gesondert - zeigte sich der Gast defensiv vor allem im ersten Durchgang spektakulär gut organisiert. Die beiden Viererketten verschoben so konsequent, dass die Hoffenheimer auf ihrem Weg nach vorne in Ermangelung von Anspielstationen anfangs immer wieder frühzeitig gebremst wurden. Zeitweise waren beide Ketten in einem Abstand von drei bis vier Metern unterwegs, das Spielfeld erhielt so Kleinfeld-Dimensionen.

Abwehrreihen dominieren

Es gibt in Deutschland nicht viele Mannschaften, die defensiv so gekonnt agieren, das gab nach dem Spiel auch Hoffenheims Manager Ernst Tanner unumwunden zu. Offensiv zeigte sich jedoch das Team aus Hoffenheim bissiger. Als der gute Schiedsrichter Christian Dingert zur Pause pfiff, hatte die Borussia nicht eine einzige Torchance zu verzeichnen - es sollte auch insgesamt nur eine einzige werden.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff scheiterte Patrick Herrmann nach Vorarbeit von Oscar Wendt an Hoffenheim-Keeper Daniel Haas (46.), der Tom Starke (Gehirnerschütterung) vertrat und kaum Gelegenheit bekam, sich zu beweisen.

Gegentreffer vermeidbar

Dennoch sollte eine Stunde ins Land ziehen, ehe die Hausherren ihre Überlegenheit in Tore ummünzen konnten. Nach einer Flanke von Edson Braafheid bekam Fabian Johnson den Ball nicht unter Kontrolle, doch so geriet das trudelnde Leder zur Vorarbeit für Ibisevic, der sich über seinen ersten Saisontreffer freuen durfte (56.).

Bei der Aktion verletzte sich Keeper Marc-André ter Stegen am Knie, der beste Gladbacher, der zuvor einige Hoffenheimer Chancen zunichte gemacht hatte, konnte aber weiterspielen. "Da hätten wir vorher den Spieler auf außen attackieren müssen", analysierte Innenverteidiger Martin Stranzl zutreffend, "und dann hätten wir natürlich in der Mitte besser rein rücken müssen."

"Zu wenig nach vorne gemacht"

Gladbach, das bis dato ziemlich offensichtlich mit einem Remis zufrieden gewesen wäre, musste nun aufmachen, doch zielstrebige Angriffsversuche blieben Mangelware. "Das war heute kein gutes Spiel von uns", gab Marco Reus zu, "wir haben zu wenig nach vorne gemacht und als Team nicht richtig funktioniert."

Und Martin Stranzl ergänzte: "Wir wollten in einigen Situationen zu viel und hatten dann viele einfache Ballverluste, so etwas darf uns nicht passieren." Doch so selbstkritisch man im Mönchengladbacher Lager auch die 90 Minuten von Sinsheim analysierte - das große Krisengerede, das mancher Reporter gerne notiert hätte, wollte man dann doch nicht anstimmen.

Eberl sieht keinen Absturz

Ob man denn angesichts von nur einem Punkt aus den letzten drei Spielen von einem Absturz reden könne, wurde Max Eberl gefragt.

Der Sportdirektor schaute sichtlich irritiert drein und rückte die Verhältnisse zurecht. "Wir müssen unseren Ansprüchen gerecht werden", sagte Eberl, "und nicht denen, die von außen an uns herangetragen werden."

Christoph Ruf