Berlin - "Das ist nicht euer Ernst jetzt!" Michael Preetz hatte keine Lust nach der 0:2-Niederlage von Hertha BSC gegen Borussia Mönchengladbach im Viertelfinale des DFB-Pokals Stellung zu nehmen.

Wie der Manager schlurften auch die meisten Spieler wortlos in die Kabine - enttäuscht, aber auch wütend.

Pfosten, drei Mal das Außennetz getroffen - und wenn dann doch mal ein Ball aufs Gehäuse der Gäste kam, stand da ein schier unüberwindbarer Marc-Andre ter Stegen im Weg. Als dann kurz vor Ende der Verlängerung Adrian Ramos allein vor dem Nachwuchskeeper auftauchte, doch den Ball über das Tor löffelte und damit die größte Chance zum 1:1 verpasste, war der Widerstand der Gastgeber endgültig gebrochen.

Lob vom Gegner

"Hertha hat sehr stark gespielt. Weit besser als es der Tabellenstand vermuten lässt", lobte sogar "Fohlen"-Kapitän Filip Daems die Gastgeber.

Die wollten an diesem bitterkalten Abend im Berliner Olympiastadion nicht nur ihrem Traum vom Finale im eigenen Stadion einen Schritt näher kommen, sondern nach neun sieglosen Spielen in der Liga mit einem Sieg etwas fürs Selbstbewusstsein tun. Am Ende stand die "Alte Dame" mit leeren Händen da und leckte ihre Wunden.

"Hätten Geschichte schreiben können"

"Wir hätten Geschichte schreiben können", war Peter Niemeyer enttäuscht: "Was nützt es, die bessere Mannschaft zu sein, wenn man am Ende verliert. Wichtig ist es, dass wir das Positive mitnehmen."

"Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Am Ende sind wir für unsere eigene Dummheit bestraft worden", ärgerte sich Andreas Ottl besonders über den Feldverweis von Roman Hubnik, der die Mannschaft geschwächt habe.

Der Ex-Bayer fordert, die Partie schnell abzuhaken und nach vorn zu schauen. "Nach dem guten Spiel gegen Hannover war dies ein weiterer Schritt nach vorn. Nun müssen wir uns aber für unsere gute Leistung auch einmal belohnen."

"Mannschaft hat Charakter"

"Ich bin sehr enttäuscht. Das Ergebnis ist bitter für die Mannschaft", ging Andre Mijatovic mit seinen Kollegen konform, aber das dürfe das Team nicht länger belasten. "Wir müssen versuchen, den Kopf freizubekommen. Die Mannschaft hat Charakter, hat Qualität. Das haben wir gezeigt. Aber wir brauchen dringend mal wieder ein Erfolgserlebnis."

Das traut der Innenverteidiger dem Team schon am kommenden Wochenende zu. "Wir fahren nicht chancenlos nach Stuttgart", so der 32-Jährige vor dem Duell am Samstag bei den schwäbischen Leidensgenossen, für die ebenfalls das Viertelfinale im DFB-Pokal Endstation war.

Ohne Lustenberger in Stuttgart

Fabian Lustenberger erlitt eine schwere Fußprellung und fällt zunächst für die Partie beim VfB Stuttgart am kommenden Samstag aus. Dies ergab eine eingehende Untersuchung bei Teamarzt D. Uli Schleicher. "Dies ist ein schwerer Verlust für uns", sagte Trainer Michael Skibbe, "Fabian hat zuletzt wirklich exzellente Leistungen geboten."

Lustenberger sagt: "Ich muss den Fuß jetzt ein paar Tage schonen. Wer mich kennt, weiß, dass ich so schnell ich kann wieder dabei bin!" Die weiteren Blessuren nach dem Pokalspiel von Roman Hubnik (Nierenprellung), Levan Kobiashvili (Wadenprellung), Andreas Ottl (muskuläre Probleme) und Pierre-Michel Lasogga (Oberschenkelprellung) bedeuten keine Gefahr für Stuttgart.

Mit einem Sieg beim ebenfalls schwächelnden VfB, der ähnlich wie die Berliner seit nun acht Pflichtspielen auf ein Erfolgserlebnis wartet, würde die Herthaner nicht nur einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf landen und mit Stuttgart nach Punkten gleichziehen, sondern auch die Laune ihres Managers derart verbessern, dass Michael Preetz wieder Gefallen daran finden dürfte, mit den Medienvertretern zu reden.

Aus Berlin berichtet Jürgen Blöhs