Hannover - Mit 1:4 unterlag Werder Bremen im Nord-Derby bei Hannover 96. Für die Hanseaten war es nach dem 0:2 vor eigenem Publikum gegen den 1.FSV Mainz die zweite Schlappe in Folge.

"Wir wollten die richtige Reaktion auf das Spiel gegen Mainz geben, aber viele Spieler sind derzeit völlig von der Rolle", sagt ein enttäuschter Klaus Allofs. Und das vor den wichtigen Spielen gegen den Hamburger SV und in der Champions League bei Inter Mailand.

"Mannschaft kann es besser"

"Wir wissen, dass die Mannschaft es besser kann", hofft der Sportdirektor auf eine Steigerung. Auch wenn es "natürlich immer schwieriger" wird, "weil es jetzt auch schon eine Frage des Selbstvertrauens ist". Das gilt es bis zum Samstag wieder aufzubauen.

bundesliga.de: Herr Allofs, woran lag es, dass die Mannschaft gegen Hannover wieder nicht zu ihrem Spiel gefunden hat?

Klaus Allofs: Wir wollten die richtige Reaktion auf das Spiel gegen Mainz geben, aber wir haben alles vermissen lassen, was Hannover ausgezeichnet hat. 96 ist über den Kampf ins Spiel gekommen und hat dann teilweise sogar gezaubert. Abgesehen davon, dass es nicht lief, haben wir auch noch völlig verkehrte Mittel angewendet. Nur lange Bälle, und dann noch auf den kleinen Marko Marin. Das kann es nicht sein.

bundesliga.de: Noch vor eineinhalb Wochen gegen Bayern hat man doch eine ganz andere Mannschaft gesehen...

Allofs: Stimmt, und gegen Tottenham bis auf die Anfangsphase ja auch. In solchen Spielen wie gegen 96 kann man nur Erfolg haben, wenn man über die Lauf- und die Kampfbereitschaft kommt und jeder dem anderen hilft. Aber viele Spieler sind derzeit völlig von der Rolle. Im Moment sieht es so aus, als ob jeder so viel mit sich selbst zu tun hat, dass es nicht reicht, geschlossen als Mannschaft aufzutreten.

bundesliga.de: Die Neuzugänge Mikael Silvestre und Wesley konnten in Hannover auch nicht überzeugen...

Allofs: Aber was erwarten wir? Silvestre und Wesley sind spät zu uns gestoßen, konnten die Vorbereitung nicht mitmachen. Und dann vier Spiele in acht Tagen in einer zuletzt völlig verunsicherten Mannschaft. Da kann selbst so ein erfahrener Spieler wie Silvestre nichts ausrichten.

bundesliga.de: Und das vor so schweren Spielen wie gegen den HSV und bei Inter Mailand. Wird Ihnen da nicht angst und bange?

Allofs: Ich habe keine Angst und mir ist auch nicht bange vor den kommenden Aufgaben. Das sehe ich sogar positiv. Gegen diese Teams ist man noch mal ganz besonders gefordert. Das darf aber keine Ausrede für schwache Spiele gegen weniger namhafte Gegner sein. Gegen den HSV und Inter Mailand müssen wir aber als Mannschaft besser funktionieren, und das können wir nur durch harte Arbeit erreichen.

bundesliga.de: Wie wollen Sie bis Samstag den Hebel umlegen?

Allofs: Das wird nun natürlich immer schwieriger, weil es jetzt auch schon eine Frage des Selbstvertrauens ist. Aber wir wissen ja, dass die Mannschaft es besser kann. Über die Leistung von Hannover wird zu reden sein.

bundesliga.de: Geredet wurde auch nach dem Mainz-Spiel...

Allofs: Wenn es so einfach wäre... Nach einem schlechten Spiel reden und alles ist wieder gut. Aber so einfach ist es nicht. Das kann durchaus eine Weile dauern. Manchmal gehen solche Phasen schneller vorüber, manchmal dauert es etwas länger.

bundesliga.de: Werden Sie diesmal härtere Worte wählen?

Allofs: Wir werden sicherlich die passenden Worte finden.

Das Gespräch führte Jürgen Blöhs