Als Thomas Müller um kurz vor ein Uhr nachts den noblen Ballsaal des Hilton-Hotels in Tel Aviv betrat, verdrehte er die Augen.

"Da mach' ich schon mal zwei Tore, und dann hast du das nicht drauf, Mann!", raunte er Max Reckers zu. Der Video-Analyst von Bayern München hatte die späten Treffer des jungen Stürmers beim 3:0 (0:0) zum Champions-League-Auftakt bei Maccabi Haifa verpasst. Dabei waren es doch wie in den goldenen 70er Jahren Müllers Tore, die aus einem mühsamen einen gelungenen Start in die Königsklasse machten.

"Müller ist die größte Überraschung

Und so erntete Müller von den mitgereisten Gästen auch Applaus, als er als erster Bayern-Profi beim Bankett erschien, die Mannschaft und Analytiker Reckers im Schlepptau. Und auch die Verantwortlichen wussten, wem sie für den "Auftakt nach Maß" (Manager Uli Hoeneß) und Rang eins in der Vorrundengruppe A danken mussten.

"Wir haben viele sehr gute Spieler, aber der junge Müller ist für uns alle die größte Überraschung", schwärmte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß lobte die "gute Schusstechnik" und das "tolle Auge" des erst seit Sonntag 20-Jährigen, der am Tag vor seinem Geburtstag beim 5:1 in Dortmund ebenfalls zweimal getroffen hatte.

Franck Ribery fühlt sich "malade"

Die Bayern brachten in der Abendhitze am Mittelmeer lange wenig zustande, erst ein Tor des Abwehrchefs Daniel van Buyten (64.) und Müllers Treffer (85./88.) erlösten sie. Vor allem Superstar Franck Ribery, erstmals in dieser Saison in der Startelf (für Mario Gomez), bleib blass. Laut Hoeneß plagte Ribery eine schwere Erkältung, der Star selbst fühlte sich "malade". Coach Louis van Gaal sagte: "Man hat gesehen, dass er noch nicht fit ist. Auch Arjen Robben hat die gleichen Probleme. Sie hatten beide viele Ballverluste."

Deshalb wechselte er das Traum-Duo auch aus. "Doppelt klug", sei das gewesen, lobte Hoeneß eingedenk der anstehenden Aufgaben: "Sonst wäre es vielleicht fatal geworden." Der Manager bemühte sich ohnehin, personelle Debatten im Keim zu ersticken. Dass Gomez erstmals nur auf der Bank saß ("ich hätte lieber auf dem Platz gestanden"), fand er "klug", van Gaal müsse schließlich "alle Spieler bei Laune halten".

"Es macht einfach Spaß"

Tatsächlich ist die Bayern-Gemütslage nach dem holprigen Start ausgeglichen. "Es macht einfach Spaß", meinte Shootingstar Müller, den van Gaal als "meinen besten Spieler" sah. Überhaupt war der Coach "sehr zufrieden", die erste Hälfte nannte er "die beste der Saison". Danach "ging jedoch die Ordnung verloren", und so brachte das Spiel nicht nur Philipp Lahm zwei Erkenntnisse: "Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg - aber wir haben auch noch Vieles zu verbessern."

Am 30. September gegen Juventus Turin, gab denn auch Rummenigge zu bedenken, bedürfe es einer gehörigen Steigerung. "Die haben eine ganz andere Qualität - aber nach dem 1:1 gegen Girondins Bordeaux auch mehr Druck. Wir dagegen haben gute Voraussetzungen geschaffen, das Achtelfinale zu erreichen", sagte er.

Serie soll fortgesetzt werden

Bis in die K.o.-Runde ist es noch weit, zunächst wartet in der Bundesliga der 1. FC Nürnberg. "Wir haben fünf Punkte aufzuholen. Solange wir das nicht geschafft haben, können wir nicht zufrieden sein", sagte Keeper Butt. Van Gaal meinte, erst nach einem weiteren Dreier gegen den Club wolle er von einer "guten Anfangsphase" seiner Tätigkeit beim FC Bayern sprechen.

Und van Buyten ergänzte: "Mit den beiden Siegen haben wir eine Serie gestartet. Die wird fortgesetzt." Max Reckers Kamera sollte dann aber bis zum Ende draufbleiben.