München - Schaut man sich nach einem Spieltag die aktuelle Torschützenliste an, so ist ein Name in dieser Saison bisher immer vorne dabei, aktuell sogar an der Spitze: Nicolai Müller. Der Knipser des 1. FSV Mainz 05 hat einen Lauf und trifft wie er will. In jedem Bundesliga-Spiel war der ehemalige Fürther bisher erfolgreich. Eine Entwicklung, die sich angedeutet hat.

Schon in der vergangenen Spielzeit machte Müller auf sich aufmerksam. Mit acht Toren und sechs Vorlagen gehörte er neben Adam Szalai (jetzt beim FC Schalke 04) zu den Offensivstützen der 05er. Auch in dieser Saison läuft es prächtig. Am guten Saisonstart der Rheinhessen (vier Spiele, neun Punke) hat Müller mit seinen Treffern einen gehörigen Anteil: "Im Moment muss ich nicht viel überlegen, wenn ich schieße. Ich treffe die Kugel einfach gut", sagte der Torschütze nach dem letzten Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg.

In jedem Bundesliga-Spiel getroffen



Der Stürmer erzielte damals sein viertes Tor im dritten Spiel. Nur eine Woche später netzte der 25-Jährige in Hannover erneut ein. Allerdings verhalf sein fünfter Treffer seinem Team dieses Mal nicht zu einem Dreier, was ihn selbst wurmte: "Was nützt mir das? Wir haben trotzdem verloren." Mit fünf Toren führt er gemeinsam mit Vedad Ibisevic die Torschützenliste an. Müller hat dem VfB-Stürmer jedoch eines voraus: Er hat als einziger Bundesliga-Spieler an allen vier Spieltagen getroffen.

Dass der Knipser weiß, wo das Tor steht, zeigt seine aktuelle Quote (vier Spiele, fünf Tore). Maßgeblich für seine Treffsicherheit sind vor allem seine technischen und körperlichen Fähigkeiten, die ihn brandgefährlich machen. "Seine großen Vorteile sind vor allem seine Grundschnelligkeit und sein Tempodribbling", erklärt Marco Caligiuri gegenüber bundesliga.de. Der jetzige Braunschweiger spielte zuvor zusammen mit Müller bei der SpVgg Greuther Fürth und in Mainz.

Menschlich und sportlich gereift



In der gemeinsamen Zeit im Frankenland sei Müller nicht von Anfang an gesetzt gewesen, was ihm allerdings nicht geschadet habe, im Gegenteil: "In Fürth war er sicherlich auch manchmal enttäuscht, als er anfangs noch wenig gespielt hat. Daran ist er sehr gewachsen und er kann mittlerweile auch mit Rückschlägen leichter umgehen. Das spricht für seine Persönlichkeit, das macht ihn stark", sagt Caliguiri und stellt fest, das sein Kumpel auch in menschlicher Sicht "total gereift" sei.

Müllers Wechsel nach Mainz im Sommer 2011 kam in Caliguiris Augen genau zum richtigen Zeitpunkt: "In Fürth hat er kontinuierlich gut gespielt, seine Leistung über mehrere Saisons bestätigt und es war Zeit für ihn, den nächsten Schritt zu machen. Mainz war prädestiniert für ihn. Der Verein hat immer Potenzial in ihm gesehen und das zahlt er jetzt zurück."

Dank starker Bilanz jetzt im Notizbuch des Bundestrainers



Rein sportlich macht sich der flinke Offensivspieler vor allem mit seiner Flexibilität unverzichtbar für den FSV. Der gebürtige Lohrer hat sich zudem vom Vorbereiter zum Torjäger gemausert. Das zeigt auch seine Bilanz: Beim Kleeblatt schoss er in 62 Spielen in der 2. Bundesliga 13 Tore und legte zwölf Mal auf. In Mainz hat er aktuell nach 59 Bundesliga-Partien bereits 17 Tore erzielt und zehn Mal einen Treffer vorbereitet. Bei den Rheinhessen wurde Müller also vor dem Kasten deutlich zielstrebiger. "Er hat sich im Abschluss sehr verbessert", weiß auch Caliguiri.

Schon jetzt hat Müller in vier Spielen mehr als die Hälfte seiner gesamten Trefferanzahl (acht Tore) der vergangenen Saison erzielt. Trifft Müller am 5. Spieltag gegen Schalke 04 erneut, wäre er erst der sechste Spieler der Bundesliga-Historie, der an den ersten fünf Spieltagen einer Saison jeweils erfolgreich war.

Seine Entwicklung ist natürlich auch Bundestrainer Joachim Löw nicht entgangen. Zum Ende der vergangenen Spielzeit flatterte die Einladung des DFB zur USA-Reise ins Haus und Müller wurde zum Nationalspieler. "Wenn er so weitermacht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Einladung kommt", ist Caligiuri sicher.

David Schmidt und Yannik Schmidt