München - Der FC Bayern hat die letzten neun Pflichtspiele allesamt gewonnen - da machte auch keine Ausnahme. Und doch täuschte der Blick auf die Statistiken etwas über den aktuellen Zustand des Rekordmeisters hinweg. Gegen die Eintracht war der Rekordmeister 1.029 Mal am Ball und spielte 874 Pässe - beides bedeuteten neue Saisonrekorde.

Andererseits blieb den Zuschauern nicht verborgen, dass der souveräne Tabellenführer nach furiosem Start mehrere Gänge herunterschaltete und in der zweiten Hälfte den Vorsprung vornehmlich verwaltete. Klammert man den aus, so wurde gegen das Tabellenschlusslicht aus Braunschweig deutlich, dass das bajuwarische Starensemble seine Betriebstemperatur nach furiosem Start merklich herunterfuhr und den äußeren Temperaturen anpasste.

"Wir sind Menschein und keine Maschinen"



Nach dem Seitenwechsel geriet der Tabellenführer sogar zeitweise in Gefahr, den Anschlusstreffer zu kassieren - und es wäre fraglich gewesen, ob Pep Guardiolas Elf an diesem Nachmittag den Schalter wieder hätten umlegen können. Entsprechend erleichtert zeigten sich die Protagonisten am Ende der 90 Minuten, die als Lehrbeispiel für gnadenlose Effizienz herhalten könnten.

"Wir sind Menschen und keine Maschinen, sagte Torwart Manuel Neuer, der unter anderem durch sein beherztes Herausstürmen gegen Domi Kumbela einen Gegentreffer verhindert hatte. Und Toni Kroos ergänzte: "Bei den vielen Spielen ist es auch mal okay, wenn man so ein Spiel einfach nur gewinnt."

Keine Frage, nach dem Highlight gegen Dortmund und dem Rekordsieg in Moskau (zehnter Champions-League-Sieg in Folge) kam Braunschweig gerade recht, um einmal durchzupusten. Dass die Bayern es dennoch verstanden, mit einem Blitzstart für klare Verhältnisse zu sorgen, rang ihrem Trainer gehörigen Respekt ab. "Der Kopf war in der ersten Halbzeit nach dem Dortmund-Spiel und der Moskau-Reise sehr stark", sagte Guardiola.

Lahm, Shaqiri und Ribery wieder im Training



Insgesamt zog der Spanier ein positives Fazit, nicht nur was das Ergebnis betrifft: "Es ist ein Spiel mehr, und wir haben gewonnen", sagte Guardiola lapidar - und war angesichts der langen und prominent besetzten Verletztenliste erleichtert, dass er keinen weiteren Ausfall zu beklagen hatte. Sportvorstand Matthias Sammer war ebenso "froh, dass alle durchgekommen sind".

Für das Pokalspiel in Augsburg am kommenden Mittwoch könnten mit Kapitän Philipp Lahm und Xherdan Shaqiri sogar zwei Spieler ihre Comeback feiern. Und auch der angeschlagene Franck Ribery drehte am Sonntag an der Säbener Straße die ersten Runden nach seiner Rippenverletzung.

Nichtsdestotrotz ist man sich in München darüber bewusst, dass mit den kampfstarken Augsburgern eine größere Herausforderung bevorsteht, als es gegen Braunschweig der Fall war. "Das wird auf jeden Fall schwieriger als heute", sagte Abwehrchef Dante mit Blick auf die K.o.-Partie. "Wir müssen konzentriert sein, im Pokal gibt es immer wieder Überraschungen." Insgesamt haben die Bayern noch sechs Spiele bis Weihnachten vor sich - erst dann können die Batterien wieder komplett aufgeladen werden.

Aus München berichtet Johannes Fischer