Madrid - Jose Mourinho versteht es wie kaum ein anderer, sich auf Pressekonferenzen zu inszenieren. Dabei muss er noch nicht einmal körperlich anwesend sein. Weil er sich von den Medien nicht richtig verstanden und zu Unrecht kritisiert fühlte, ließ er zuletzt in der Liga seinen Co-Trainer Aitor Karanka "auflaufen".

In der Champions League ist alles anders. Auf der großen europäischen Fußballbühne kann sich der selbsternannte "The Special One" solche Eskapaden nicht erlauben. So saß der Portugiese auch pünktlich und brav hinter dem Rednertisch im Mediencenter des Trainingsgeländes von Real Madrid in Valdebebas.

"Hatte immer Pech im Halbfinale"



Und dort klagte er den anwesenden Medienvertretern vor dem Halbfinal-Rückspiel gegen den FC Bayern sein Leid. "Um es mal klarzustellen: Ich hatte im Halbfinale der Champions League bislang kein Glück. Eines habe ich mit einem irregulären Tor verloren, wo der Ball noch nicht über die Linie war. Ein anderes nach Elfmeterschießen. Und was in der vergangenen Saison passiert ist, das hat jeder gesehen", erklärte Mourinho und spielte am Satzende auf die Schiedsrichterleistung gegen den Erzrivalen FC Barcelona an.

Meisterschaft fast fix



Im gleichen Atemzug brach er aber eine Lanze für die Unparteiischen, auch wenn der Führungstreffer der Hausherren beim 1:2 in München ein Abseitstreffer gewesen sei. "Der Schiedsrichter hat gut gepfiffen. Er lag in der Situation halt daneben. Aber jeder macht Fehler. Auch ich mache Fehler", meinte er.

Am Samstag hat er dagegen alles richtig gemacht. Denn mit dem 2:1 beim FC Barcelona haben die "Königlichen" erstmals seit 2008 wieder in der Liga gegen Barca gewonnen und somit die Meisterschaft schon so gut wie in der Tasche. Ein echter Motivationsschub.

CR7 twittert sich warm



Doch das alleine reicht den Madrilenen nicht. Die Spieler lassen keinen Zweifel daran, wem am Mittwochabend gegen den deutschen Rekordmeister die wichtigste Rolle zukommt: den Fans. "Das erste Tor muss das Bernabeu schießen", forderte Superstar Cristiano Ronaldo die Anhänger zu Höchstleistungen auf.

Ronaldo war es auch, der über den Kurzmeldungsdienst "Twitter" ein lustiges Folgespiel initialisierte. "Das Bernabeu hat die Macht, uns ins Finale zu verhelfen und ich bin mir sicher, dass es so sein wird, oder Granero11?", zwitscherte er und suchte nach Bestätigung beim Account von Esteban Granero.

Der wiederum schickte Alvaro Arbeloa in die Spur: "Es muss eine magische Nacht werden. Nach München zurückzukehren verlangt die Anstrengung aller. Oder wie siehst Du das?" "Ja, wir dürfen die Chance, um unseren zehnten Titel zu spielen, nicht aufgeben", kam die Antwort des Verteidigers mit der Bitte um ein Statement von Xabi Alonso.

Kein Zweifel am Endspiel



Dass die Spieler alleine nicht in der Lage wären, den FC Bayern vor heimischer Kulisse zu bezwingen, wäre wohl die falsche Schlussfolgerung auf die vermeintlichen "Hilferufe". Aber es zeigt, dass der nötige Respekt vor den Münchnern vorhanden ist.

Auch bei Mourinho. "Die Bayern sind gefährlich, weil sie ein sehr gutes Team mit einem sehr guten Trainer haben und ebenfalls berechtigt vom Finale träumen. Sie haben die Stärke dafür", lobte der 49-Jährige.

Aber Mourinho wäre nicht Mourinho, wenn er zum Abschluss nicht auch noch eine klare Kampfansage für den Gegner übrig hätte: "Wir werden das Endspiel in München erreichen, denn meine Spieler verdienen es, dort zu spielen".

Aus Madrid berichtet Michael Reis