München - Als Jupp Heynckes letztmals zu den Medien sprach, waren die lähmenden Niederlagen der Saison gerade mal ein paar Tage alt. Das verlorene Champions-League-Finale, die Abreibung gegen Borussia Dortmund im DFB-Pokal-Endspiel, das zweite Jahr ohne Deutsche Meisterschaft in Folge.

Knapp sechs Wochen später trat der Trainer des FC Bayern erstmals wieder vor die Öffentlichkeit. "Es ist doch klar, dass ich genauso enttäuscht war wie die Spieler und die Verantwortlichen des Clubs", sagte Heynckes. "Ich habe lange Zeit damit zu tun gehabt."

"Kraft und Freude" wieder zurück



Doch die Vergangenheit spielt für den erfahrenen Trainer keine Rolle mehr. "Kraft, Freude und Lust" seien zurückgekehrt und damit auch die Bereitschaft, "neue Herausforderungen" anzugehen. Die Bedingungen dafür sind geschaffen. Neben der qualitativen Verbreiterung des Kaders (Alle Zu - und Abgänge in der Übersicht) installierten die Münchner am Montag völlig überraschend Matthias Sammer als neuen starken Mann beim deutschen Rekordmeister.

Der Verein setzt mit der Verpflichtung ein deutliches Zeichen an die Konkurrenz, aber auch an die gesamte Mannschaft. Zu sehr schmerzte es den Oberen des FC Bayern, dass die "Mia san Mia"-Mentalität, der Killerinstinkt, in den entscheidenden Spielen nicht vorhanden war. "Matthias Sammer imponiert mir. Er ist extrem leistungsorientiert, manchmal auch unbequem", äußerte sich Heynckes über seinen neuen Vorgesetzten. "Das sind Attribute, die uns gut zu Gesicht stehen. Wir werden gemeinsam versuchen, für den FC Bayern das Optimum zu erreichen."

Dabei wird auch der 67-Jährige einige Veränderungen vornehmen. Die bereits von Sammer angesprochenen Alibis will der Coach im Keim ersticken. "Der Fokus der Spieler muss total auf Fitness, Training, Spiel und Lebensführung liegen. Ich werde die Bereitschaft verstärkt einfordern", sagte Heynckes und schob eine Warnung hinterher: "Wenn ich sehe, dass es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle, werde ich auch wechseln. Wir müssen cleverer, robuster, erfolgsorientierter werden." Er erhofft sich vor allem von seinen Neuzugängen einen intensiveren Konkurrenzkampf: "Sie müssen und werden den Etablierten Feuer unterm Hintern machen."

Sorgen um Schweinsteiger



Allerdings absolvieren die Neuzugänge ihre ersten Trainingseinheiten an der Säbener Straße ohne den Großteil der Kollegen. Die deutschen Nationalspieler nehmen erst ab dem 22. Juli wieder das Training auf, die restlichen EM-Teilnehmer werden in den nächsten zwei Wochen tröpfchenweise zur Mannschaft stoßen. Einzig und allein Bastian Schweinsteiger könnte noch eine längere Auszeit bekommen.

Der 27-Jährige scheint nach dem Drama um seinen verschossenen Elfmeter im Endspiel der "Königsklasse" und der durchwachsenen EM nicht auf der Höhe. "Es ist wichtig, dass er die Fitness und das Selbstbewusstsein wieder bekommt und mental frei wird", erklärte Heynckes, der mit dem Gedanken spielt, Schweinsteiger eine längere Auszeit zu gewähren. "Ich werde mich besonders um ihn kümmern. Ich bin sicher, dass ich ihn wieder hinbekomme."

Von der Säbener Straße berichtet Sebastian Schramm