Besser hätte Christoph Moritz das Drehbuch für seinen Traumeinstand beim FC Schalke 04 wohl nicht schreiben können. Eigentlich nur als Verstärkung für die "Zweite" geholt, steht der 19-Jährige auf einmal bei jedem Bundesligaspiel in der Startelf.

Und als ob das nicht schon reichen würde, netzte er natürlich auch noch gleich am 2. Spieltag für die "Knappen" zum Führungstreffer gegen den VfL Bochum ein.

Foto vergebens gesucht

Das Kuriose dabei: Den Schalkern selbst ging das wohl auch ein wenig zu schnell. Beim Treffer hatte man auf dem Videowürfel noch nicht einmal ein Bild des Torschützen zum Einblenden bereit. Moritz selbst wird's wohl weniger stören. So hat er doch einen Grund, auch in Zukunft noch einmal Aufmerksamkeit zu erregen - dann natürlich mit Foto.

Dass die Schalker Fans schon jetzt nicht mehr genug von ihrem Shooting-Star bekommen können, wurde bei der internen Wahl zum Tor des Monats August deutlich. Mit mehr als der Hälfte aller Stimmen gewann er nämlich auch schon seinen ersten kleinen Titel.

Schalke ist Familiensache

Von seinem Vater wurde Christoph Moritz einst selbst trainiert, als der junge Wirbelwind seine Laufbahn im beschaulichen Arnoldsweiler, einem Stadtteil von Düren, begann. Schon damals hätte man vermuten können, wo seine Reise durch die Fußballwelt einmal hinführen könnte. Denn Moritz' Vater schwärmt seit jeher nur für einen Club: den FC Schalke 04.

Den Weg zu den "Knappen" ebnete allerdings ein anderer. Markus Högner war schon immer von dem Können Moritz' überzeugt. Als Jugendtrainer bei Alemannia Aachen empfahl er den rechten Mittelfeldspieler mehrere Male vergebens für den Profikader.

Nur logisch, dass Högner das Talent nach Schalke lotste, als er die zweite Mannschaft in Gelsenkirchen übernommen hatte. Kurios, dass der Coach bereits schon wieder von seinem Amt entlassen wurde, als der Deal mit Christoph Moritz stand - ein schnelllebiges Geschäft eben. Den Spieler hat das allerdings beim sportlichen Aufstieg nicht weiter gestört.

Moritz zeigt Magaths Handschrift

Wer sich schon etwas länger mit Felix Magath und dessen Philosophie beschäftigt, für den wird es wahrscheinlich gar keine so große Überraschung gewesen sein, dass Moritz und andere junge Wilde eine Chance bekommen.

"Ihn zeichnet aus, dass er die Ruhe bewahrt, den Überblick behält und immer eine Lösung hat", lobte Magath seine jüngste Entdeckung. Es werden also vermutlich noch einige Einsätze im Profiteam dazukommen, wenn man seinen Förderer so hört.

"Ich kann es selbst noch nicht fassen"

Man kann der neuen Hoffnung aus dem Ruhrpott nur die Daumen drücken und hoffen, dass keine Verletzungen seinen Werdegang kreuzen. An der eigenen Motivation kann es kaum scheitern. "Bei diesen Zuschauern kannst du einfach nur rennen und kämpfen, das geht dann wie von allein", sprudelte es aus Moritz heraus.

Einen Profivertrag besitzt der Youngster zwar noch nicht. Man muss aber kein Hellseher sein, um zu wissen, dass dies nur eine Frage der Zeit sein wird. Fraglich, ob er auch dann noch seinem zehn Jahre alten Golf TDI die Treue schwört.

Norman Thalwitzer