Zwei Wochen vor dem Bundesliga-Start fällt in der Veltins-Arena die erste Titelentscheidung der neuen Saison. Im Supercup treffen der Deutsche Meister Borussia Dortmund und der DFB-Pokalgewinner FC Schalke 04 aufeinander. Das ewig junge Revierderby wird die Fans wieder in seinen Bann ziehen.

Interessiert verfolgt auch Andreas Möller die Entwicklung in seinen beiden Ex-Vereinen, mit denen er zahlreiche Titel gewann. Der 43-Jährige gehört mit drei Supercuptiteln (mit Borussia Dortmund in den Jahren 1989, 1995 und 1996) übrigens zu den Rekordsiegern dieses Wettbewerbs. Im exklusiven Gespräch mit bundesliga.de wagt der Weltmeister von 1990 eine Prognose.

bundesliga.de: Herr Möller, am Samstag wird auf Schalke der erste Titel der Saison vergeben. Welchen Stellenwert hatte der Supercup für den Spieler Andy Möller?

Andreas Möller: Der Supercup ist das erste Pflichtspiel der Saison und ein wichtiger Termin in der Saisonvorbereitung. Den haben wir zu meiner Zeit immer sehr ernst genommen, weil die Trainer auch noch auf der Suche nach ihrer Stammformation waren und der Konkurrenzkampf groß war. Der Supercup ist ein Titel und hat schon einen gewissen Stellenwert. Viele Bundesliga-Spieler wären sicher froh, wenn sie den Titel auf ihrer Autogrammkarte stehen hätten.

bundesliga.de: Sie haben den Supercup als Aktiver dreimal gewonnen und sind damit einer der Rekordspieler. An welche Begegnungen erinnern Sie sich spontan?

Möller: Ich erinnere mich besonders gerne an mein erstes Supercup-Spiel. Wir sind damals 1989 als Underdog in Kaiserslautern gegen den übermächtigen Favoriten Bayern München angetreten und haben nach einem packenden Spiel mit 4:3 gewonnen. Danach ging der Stern von Borussia Dortmund so ein bisschen auf. Kurios war der Supercup 1996 in Mannheim gegen Kaiserslautern. Das Spiel ging ins Elfmeterschießen, Lautern führte mit 3:0, verschoss dann vier Elfer in Folge und verlor gegen uns noch mit 3:4.

bundesliga.de: Welche Bedeutung hat der Supercup heute?

Möller: Der Stellenwert des Supercup ist immer noch hoch, ganz besonders bei der Begegnung Schalke gegen Dortmund. In dem Revierderby steckt immer eine enorme Brisanz, selbst bei Freundschaftsspielen. Da wird sich nichts geschenkt, und auch die Stimmung ist großartig. Und die Vereine wollen diesen Titel auch gerne in ihrem Briefkopf haben.

bundesliga.de: Dortmund gegen Schalke elektrisiert die Massen. Welchem Club trauen Sie in dieser Saison mehr zu?

Möller: Ich glaube, die Dortmunder haben bessere Voraussetzungen in dieser Saison als der FC Schalke. Sie sind Deutscher Meister und haben eine ordentliche Portion Selbstvertrauen durch den Titel getankt. Sie sind für mich auch der Topfavorit auf den Titel. Wenn man gesehen hat, auf welche Art und Weise der BVB den Titel geholt hat, muss man sich fragen: Wer ist denn besser als der BVB? Sie haben jetzt Ilkay Gündogan dazu bekommen. Shinji Kagawa ist fast ein Neuzugang. Er hatte bis zu seiner Verletzung eine überragende Halbserie gespielt. Seinen Ausfall konnte die Borussia schon kompensieren. Ich glaube, sie kann auch den Abgang von Nuri Sahin wegstecken.

bundesliga.de: Was erwarten Sie von Schalke 04? Wie schwer wiegt der Verlust von Manuel Neuer?

Möller: Schalke wurde in der letzten Saison nur 14. Sie haben eine Topmannschaft und werden in diesem Jahr viele Plätze gut machen. In dieser Saison wollen die Schalker ihren Fans zeigen, dass sie in der Meisterschaft viel besser sind. Ich erwarte sie unter den ersten Sechs. Manuel Neuers Weggang ist sicher schmerzlich. Und ein Torwart spielt auch immer eine wichtige Rolle. Aber er wächst auch im Gesamtbild und mit der Ausrichtung der gesamten Mannschaft. Hinter einer starken Defensive sieht auch der Torwart meistens gut aus. Der Pokalsieg hat im vergangenen Jahr einiges aufgefangen.

bundesliga.de: Ist Ralf Rangnick der richtige Mann für Schalke?

Möller: Ich glaube, Ralf Rangnick passt zu Schalke. Er hat klare Vorstellungen und ist sehr zielstrebig und erfolgsorientiert. Wichtig wird der Start sein, der im vergangenen Jahr total misslang. Das gilt übrigens auch für Bayern München. Wenn man schlecht startet, steckt man die Mehrfachbelastung schwerer weg. Es ist dann ein unheimlicher Kraftakt, sich wieder nach vorne zu arbeiten.

bubundesliga.de: In gut zwei Wochen startet dann auch die Bundesliga in die Saison. Worauf freuen Sie sich besonders?

Möller: Die kommende Bundesliga-Saison wird sehr interessant. Ich freue mich darauf. Ich bin gespannt, wie die Dortmunder mit ihrer neuen Rolle des Gejagten zurecht kommen, wie die Bayern neu angreifen. Leverkusen und dem HSV traue ich eine Menge zu. Schalke, Stuttgart und Bremen wollen zeigen, dass die letzte Saison nur ein Ausrutscher war. Und ich freue mich auch auf einen neuen Trainer wie Stale Solbakken, der in Köln auf dem Prüfstand sein wird. Normalerweise zahlt sich Qualität aus. Dann müssten die Kölner einen Sprung nach vorne machen.

bundesliga.de: Wie geht es mit Ihnen persönlich weiter? Was macht Andy Möller?

Möller: Ich bin demnächst auf einem Trainerkongress in Bochum, um meinen Schein aufzufrischen. Nach drei Jahren bei Kickers Offenbach habe ich mir eine kleine Auszeit genommen, beobachte die Szene und bin wieder offen für Anfragen. Ich möchte auch wieder als Trainer arbeiten, habe das ja schon ein Jahr erfolgreich in Aschaffenburg getan, als uns der Aufstieg in die Regionalliga gelang, der Verein dann aber leider finanzielle Probleme bekam.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski

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