München - Im Bezug auf das Auftaktspiel seines Teams gegen Borussia Dortmund schlägt Thorsten Fink forsche Töne an. "Mit einem Unentschieden sind wir nicht zufrieden", sagte der Trainer des Hamburger SV beim Trainingsauftakt seiner Mannschaft.

Doch das Selbstbewusstsein hat durchaus seine Berechtigung, denn mit dem Hamburger SV ist der 44 Jahre alte Coach noch ungeschlagen. In seinen ersten acht Spielen als Bundesligatrainer führte er die Hamburger von Platz 18 der Tabelle auf den 13. Rang.

Ob diese Serie gegen den amtierenden Meister, gegen den es im Hinspiel noch eine deutliche 1:3-Niederlage gab, aufrecht erhalten werden kann, ist zumindest fraglich. Trotzdem sollte Fink auf das bisher mit dem HSV Erreichte stolz sein. Schließlich ist der Bundesliga-"Dino" vom "aussterben" wieder weit entfernt. Und damit ist der ehemalige Bundesligaspieler Fink auch als Trainer in der Eliteklasse des deutschen Fußballs angekommen.

Doch bis zu diesem Punkt war es für den früheren Mittelfeldspieler des FC Bayern ein weiter Weg. bundesliga.de hat diesen zurückverfolgt und präsentiert Wissenswertes rund um den Hamburger Erfolgstrainer.

Aufgewachsen im Ruhrgebiet

Geboren wurde Thorsten Fink am 29. Oktober 1967 in Dortmund. Damit ist er ein Kind des Ruhrgebiets, was ihn und seine Werte bis heute geprägt hat. Im Dortmunder Stadtteil Marten ist er mit seinen Geschwistern und seinen Eltern aufgewachsen. Die strenge Erziehung seines Vaters, der als Stahlarbeiter sein Geld verdiente, ist ihm auf seinem Weg zum Fußballprofi zugutegekommen. Und auch wenn Geld im Hause Fink immer knapp war, berichtet der heutige HSV-Trainer stets von einer glücklichen Kindheit, die auch durch einen alten Bolzplatz mit zwei Holztoren geprägt wurde. Dort wurde von morgens bis abends Fußball gespielt und Thorsten Fink war so oft es ging mit dabei.

Anfang der Karriere

Das Fußballspielen hat Thorsten Fink beim SV Roland Marten erlernt. Vom Dortmunder Stadteilverein wechselte er 1983 in die Jugendabteilung von Borussia Dortmund, für die Fink die folgenden drei Jahre aktiv war. Danach spielte er noch drei Jahre für die zweite Mannschaft des BVB, ehe er 1989 zum damaligen Zweitligisten SG Wattenscheid 09 wechselte. Bei Wattenscheid gelang Fink, am 29. Juli 1989 beim 4:1-Sieg im Heimspiel gegen die SpVgg Bayreuth, sein Debüt als Profi. In dieser Saison stieg der Verein in die Bundesliga auf, so dass Fink bis zum Jahr 1994 in 125 Spielen 25 Tore erzielen konnte. Das ist ein bis heute gültiger Vereinsrekord für den Traditionsclub aus dem Ruhrpott.

Größte Erfolge bei Bayern

Nach dem Abstieg seiner Wattenscheider wechselte Thorsten Fink 1994 zum Ligakonkurrenten Karlsruher SC, bevor er 1997 beim FC Bayern München unterschrieb. Dort erreichte er den größten sportlichen Triumph seiner Karriere im Jahr 2001: den Gewinn der Champions League. Außerdem wurde er mit den Bayern vier Mal Deutscher Meister und drei Mal Pokalsieger. Zudem spielte er in der Mannschaft, die 2001 den Weltpokal gegen Boca Juniors Buenos Aires holte. Fink lief insgesamt 150 Mal für Bayern München in der Bundesliga auf, bis er ab 2003 für die zweite Mannschaft des FCB, deren Mannschaftskapitän er zuletzt war, in der damaligen Regionalliga Süd im Einsatz war.

Nie in der Nationalelf

Trotz seiner Erfolge mit dem FC Bayern München kam Thorsten Fink nie in der deutschen A-Nationalmannschaft zum Einsatz. Sein einziges Länderspiel bestritt der defensive Mittelfeldspieler mit dem deutschen U21, als diese 1989 in Yaounde ein 1:1-Unentschieden gegen Kameruns A-Nationalmannschaft erreichte. Selbst nach dem Champions-League-Triumph mit dem FC Bayern im Jahr 2001 blieb ihm eine Nominierung für das DFB-Team verwehrt. So kann Thorsten Fink im Rückblick auf seine Spieler-Karriere viele wichtige internationale Erfolge auf Vereinsebene vorweisen, allerdings keine Teilnahme an einer Europa- oder einer Weltmeisterschaft.

Modisch immer top

Wenn der Trainer Thorsten Fink abseits des Fußballplatzes unterwegs ist, erregt er vor allem durch sein äußeres Erscheinungsbild Aufmerksamkeit. Der "Schweizer Illustrierten" verriet er einmal in einem Interview, "dass er bei den Mädels ganz gut ankommt". Und auch Männer sind von Finks Äußeren offenbar beeindruckt. "In der Modewelt, wo ich mit meiner Frau oft verkehre, gibt's sogar Männer, die mir nachgucken", sagte Fink dem Schweizer Magazin. Hin und wieder geht er mit seiner Frau Silke auf Boutiquenbummel. Ehefrau Silke, die in München eine eigene Boutique geführt hat, ist offenbar der Grund dafür, dass bei Thorsten Fink die Leidenschaft für die Mode geweckt wurde.

"Den Weg immer mitgegangen"

Sein privates Glück hat Thorsten Fink offenbar schon lange gefunden. Seit 18 Jahren ist er nun schon mit seiner Frau Silke zusammen. 15 von diesen 18 Jahren sind die beiden sogar verheiratet. Gerade für einen ehemaligen Fußballprofi ist das bemerkenswert. Viele Wohnortwechsel und wenig Zeit für das Familienleben sind nicht gerade Beziehungsförderlich. Trotzdem sagte Fink nach dem Wechsel von Basel nach Hamburg: "Das war keine lange Diskussion, meine Frau ist den Weg in meiner Karriere immer mitgegangen." Zudem haben die beiden ein gutes Rezept für das Zusammenleben gefunden. "Es ist bei Silke und mir nie langweilig", sagte Fink dem Magazin "Schweizer Illustrierte".

Söhne sind keine Fußballfans

Neben seiner Frau sind vor allem die beiden Söhne Julius und Benedikt sein ganzes Glück. Mit dem Fußballvirus konnte sie der berühmte Vater allerdings noch nicht anstecken. Auf die Frage, ob seine fünf und sechs Jahre alten Söhne schon Fans des Hamburger SV seien, antwortete Fink in einem Interview mit dem "Hamburger Abendblatt": "Die beiden sind überhaupt keine Fußballfans. Julius und Benedikt machen gerne von allem ein bisschen. Der eine spielt gerne fünf Minuten Tennis, der andere fünf Minuten Volleyball. Im nächsten Moment klettern sie gerne auf Bäume oder machen Hip-Hop-Musik. Zurzeit können sie sich aber nur schwer auf eine einzige Leidenschaft konzentrieren."

Spitzname

Auch mit einem ungewöhnlichen Spitznamen kann der frühere Profi des FC Bayern aufwarten. "Duke" wird er von seinen Freunden genannt. Der "Bild"-Zeitung erzählte er die passende Geschichte dazu. "Den Spitznamen habe ich mit 16 bekommen. Damals lief der Kinofilm "Die Klapperschlange" und eine der Figuren in dem Streifen hieß Duke. Schwups hatten mir meine Kumpels diesen Namen verpasst", erklärte Fink einmal. Durchaus kurios ist auch die Tatsache, dass Thorsten Finks Ehefrau Silke ihre frühere Münchener Boutique nach dem Spitznamen ihres Mannes benannt hat. Das Geschäft von Silke Fink war tatsächlich unter dem Namen "Dukes" zu finden.

Hochzeit verpasst

Zwar ist Thorsten Fink selbst ein verheirateter Mann, doch die Hochzeit seines früheren Spielers Alexander Frei im vergangen Sommer, verpasste Fink. Der damalige Trainer des FC Basel hatte die Trauung aber keinesfalls vergessen und er war auch eingeladen. Dennoch musste der ehemalige Dortmunder Stürmer ohne seinen damaligen Basler Trainer feiern, denn Fink hatte die Einladungskarte schlicht zu spät erreicht. Zu diesem Zeitpunkt war der Sommerurlaub mit Frau und Kindern schon gebucht, was Fink ein Erscheinen zur Hochzeit unmöglich machte. So berichtet es der aktuelle Trainer des HSV zumindest im Interview mit dem Schweizer Boulevardblatt "Blick".

Harley und Hund

In seiner Freizeit beschäftigt sich Thorsten Fink mit ganz unterschiedlichen Dingen. Vor wenigen Jahren besaß er noch eine Harley Davidson, die er aber inzwischen verkauft hat. Aktuell gehört ein Oldtimer zu seinen motorisierten Hobbies. Am wichtigsten ist ihm aber sein Hund. Der schwarze Labrador, der schon neun Jahre alt ist, und auf den Namen Anton hört, ist als fünftes Familienmitglied voll akzeptiert. Ihn hatte der Fußballtrainer schon, als er noch aktiv bei Bayern spielte. "Jeden Tag gehe ich zwei bis drei Mal mit ihm spazieren. Das ist heute mein Hobby, seit meine Harley Davidson verkauft ist und ich kaum noch Zeit zum Golf spielen habe", erklärte Fink der "Schweizer Illustrierten".



Daniel Knoke