Köln - So langsam kann einem dieser Anthony Modeste unheimlich werden. Der Mittelstürmer des 1. FC Köln schoss den Hamburger SV beim 3:0-Heimsieg des FC mit einem Hattrick fast im Alleingang ab.

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Damit führt der Franzose inzwischen die Torschützenliste der Bundesliga mit einem riesigen Vorsprung an und lässt die FC-Fans weiter vom internationalen Comeback ihres aktuell auf Platz 4 notierten Clubs träumen.

Der 28-Jährige trumpft im ersten Viertel der Saison sensationell auf und erzielte gegen den lange Zeit gleichwertigen HSV seine Saisontreffer neun, zehn und elf. Damit hat er etablierte Superstars wie Münchens Robert Lewandowski und Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (jeweils sieben Tore) fürs Erste abgehängt. Der Franzose ist nun für elf der 16 Kölner Tore in dieser Spielzeit verantwortlich.

Modeste traf damit häufiger als beispielsweise die ganze Mannschaft des rheinischen Rivalen aus Mönchengladbach (zehn Tore) zusammen. Oder als sechs weitere Teams, darunter Schalke und Wolfsburg. Auch im internationalen Vergleich steht Modeste gut da. In Europas Top-Ligen hat noch niemand mehr Tore erzielt als der Kölner Angreifer und kein anderer Top-Torjäger benötigt so wenige Minuten pro Tore. Im Schnitt trifft Modeste alle 71 Minuten.

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Während die Bundesliga aus dem Staunen kaum mehr heraus kommt, nehmen es seine Teamkollegen dagegen schon fast als selbstverständlich hin. "Erst wenn er das 34 Spieltage durchhält, kann es einem unheimlich werden", lacht Marco Höger. "Wir wissen, was wir an ihm haben. Er macht es überragend. Alles, was er macht, klappt im Moment - außer dem Elfmeter." In der Tat hatte der ansonsten so treffsichere Torjäger kurz vor der Pause einen Strafstoß an den Pfosten gehämmert. Niemand ist perfekt.

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Trotzdem gilt, was FC-Geschäftsführer Jörg Schmadtke seinem Goalgetter ins Zeugnis schrieb. "Im Moment haben wir einen Stürmer, der jede Fliege vom Pfosten schießt", so Schmadtke nach der Gala von Modeste, um dann in Anspielung auf den verschossen Elfmeter in der 31. Minute hinzuzufügen: "Da hat er die Fliege getroffen."

Im Sommer war der Topstürmer fast weg, dann gelang dem FC die Vertragsverlängerung und nun produziert der bullige Stürmer Tore am Fließband. Er spielt mit einem riesigen Selbstvertrauen und kommt fast in jedem Spiel auf Topwerte. In den letzten vier Bundesliga-Spielen traf er siebenmal, im Pokal gelang ihm unter der Woche das Siegtor gegen Hoffenheim. Fünfmal markierte er den wichtigen ersten Kölner Treffer in einer Partie. Gegen den HSV schoss er bei 26 Ballkontakten achtmal aufs Tor, drei Bälle waren drin. Er lief knappe neun Kilometer und legte auch die drittmeisten Sprints aller Kölner Profis hin.

Ein Ende seiner Torflut scheint noch nicht in Sicht zu sein, er hat sogar noch Luft nach oben. "Ich habe vor der Saison gesagt, dass ich mehr Tore schießen möchte als in der letzten Saison (damals waren es 15. die Red.). Jetzt bin ich schon bei elf, es hätten aber auch zwölf sein können", gab er sich wegen des vergebenen Elfmeters selbstkritisch.

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Es hätten aber auch "nur" zehn Tore sein können, wenn er den als Flanke gedachten Torschuss von Simon Zoller in der 61. Minute nicht noch minimal berührt hätte. Daraus resultierte die Kölner 1:0-Führung, der Treffer, der den bis dahin guten Hamburger SV bis ins Mark erschütterte. Wer denn nun das Tor letztendlich erzielt hatte, war zunächst unklar.

"Ich wollte eigentlich flanken. Dann habe ich gesehen, dass Toni komisch ran geht und den Torwart behindert", berichtete Simon Zoller nach dem Abpfiff. "Im Spiel hat sich Tony so gefreut, dass ich davon ausgegangen, dass er es gemacht hat", war sich auch Marcel Risse sicher. Letztlich war es Modestes Tor, und Zoller gönnte es ihm. "Wenn er am Ende mit 35 Toren Torschützenkönig wird, schenke ich es ihm gerne", lachte der Flankengeber. Wenn Modeste tatsächlich 35 Buden machen sollte, würden sie ihm in der Domstadt ein Denkmal setzen. So viel ist sicher.

Aus Köln berichtet Tobias Gonscherowski