München - Wenn man den Nachnamen von 1899 Hoffenheims neuem Stürmer Anthony Modeste wörtlich nimmt, dann müsste der Franzose vor allem eines sein: bescheiden. Das erste Statement des 25-Jährigen zu seinem Wechsel? "Ich bin glücklich, hier zu sein, und werde alles dafür tun, um mit der Mannschaft Erfolg zu haben." Das klingt schon mal ziemlich bescheiden.

Wenn man allerdings den Worten von Alexander Rosen Glauben schenken darf, dann betreibt Modeste damit vor allem Understatement. "Anthony Modeste ist ein schneller, kopfballstarker und torgefährlicher Stürmer, der zudem aggressiv gegen den Ball arbeitet", sagte der Leiter Profifußball bei der Vorstellung des Franzosen.

Die Zahlen der vergangenen Saison in der französischen Ligue 1 scheinen die Vorschusslorbeeren zu rechtfertigen. In 36 Spielen für den SC Bastia erzielte der 1,86 Meter große Modeste 15 Treffer und landete damit auf Platz 5 der Torschützenliste. Nicht zuletzt deshalb gelang dem Aufsteiger von der Mittelmeerinsel Korsika letztlich ungefährdet der Klassenerhalt.

Karriere mit Höhen und Tiefen



Bis Modeste der Durchbruch in Frankreichs höchster Liga gelang, gingen aber einige Jahre ins Land - und vielleicht hat gerade diese wechselhafte Karriere zu seiner Bescheidenheit beigetragen. 2007 begann er als 19-Jähriger seine Profikarriere beim OGC Nizza, wo er es in zwei Spielzeiten lediglich auf drei Tore brachte. Erst mit 20 Treffern für den Zweitligisten SCO Angers machte er 2009/10 so richtig auf sich aufmerksam.

Doch auch der folgende Vertrag und zehn Tore im ersten Jahr bei Girondins Bordeaux brachten keinen andauernden Erfolg. Nach einer schwächeren Hinrunde in der darauffolgenden Saison wurde der Stürmer nach England zu den Blackburn Rovers ausgeliehen. In neun Einsätzen auf der Insel blieb Modeste ohne Torerfolg und wurde zur Saison 2012/13 nach Bastia weiterverliehen - ein Glücksfall, wie sich inzwischen herausgestellt hat.

In der kommenden Spielzeit soll der Sohn des ehemaligen Profis Guy Modeste nun also dafür sorgen, dass die Kraichgauer den Klassenerhalt früher erreichen als in der vergangenen Saison. Dass er dafür einiges in Kauf nehmen muss, hat der Franzose schon in den ersten Tagen realisiert.

Fotos aus dem Kino, vom Klettern und beim Grillabend



"Wir kommen gerade von einem 7,5-Kilometer-Lauf in den Bergen. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen, total verrückt. Willkommen in Deutschland", twitterte Modeste aus dem Trainingslager im österreichischen Leogang.

Auch mit der deutschen Sprache hat der Neuzugang noch so seine Probleme. Zum gemeinsamen Kinobesuch ging er "nur, um Popcorn zu essen, weil ich nichts verstehen werde". Und doch merkt man, dass er sich bei seinem neuen Verein wohl fühlt: ein Foto aus dem Kino, eines beim Klettern mit den Teamkollegen, eines beim Grillabend mit den Fans.

Auf den Bierbänken präsentierte sich Modeste lächelnd, publikumsnah und natürlich: bescheiden. Bleibt für alle 1899-Fans zu hoffen, dass der Franzose seine Bescheidenheit spätestens im gegnerischen Strafraum ablegt.

Jonas Nohe