Zusammenfassung

  • Mo Dahoud scheint seinen Platz in Dortmund nach dem Wechsel gefunden zu haben

  • Nach dem Spiel gegen Hannover gibt es Lob von Sportdirektor Zorc

  • BVB-Trainer Stöger sieht aber auch noch Verbesserungspotenzial

Dortmund - Nach dem 1:0-Sieg von Borussia Dortmund über Hannover 96 huschte Mahmoud Dahoud wie gewohnt schnell durch die Interviewzone, die Kapuze tief über den Kopf gezogen und den Blick gesenkt. Öffentlichkeit scheut der 22-Jährige nach wie vor, dabei hätte er einiges zu erzählen. In den letzten Wochen hat er sich beim BVB nicht nur einen Stammplatz erkämpft, sondern wird zunehmend zum Taktgeber im schwarz-gelben Mittelfeld.

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Der Auftritt gegen Hannover konnte sich wieder sehen lassen: Mahmoud "Mo" Dahoud überzeugte als Ballverteiler, verlagerte das Spiel, sorgte mit Dribblings und Steilpässen für Gefahr in der Offensive. Insgesamt war der U21-Nationalspieler im Mittelfeld sehr präsent und suchte auch selbst mit Distanzschüssen sein Glück. Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins, in dem sich die zuletzt überzeugende Leistung von Dortmunds Nummer 19 in den letzten Wochen widerspiegelt. Nach der Partie gab es ein ausdrückliches Lob von Michael Zorc: „Mo wird immer mehr zum Taktgeber im zentralen Mittelfeld. Er wird seinen Weg bei uns machen, davon bin ich zu hundert Prozent überzeugt.“

"Mo ist nicht immer so ausrechenbar. Offensiv ist das gut, defensiv eher schwieriger." BVB-Trainer Peter Stöger über Mo Dahoud

Von der aktuellen Leistung darf sich auch Dortmunds Sportdirektor bestätigt fühlen. Als der BVB den Wechsel von Dahoud von der Gladbacher zur Dortmunder Borussia zum Sommer 2017 verkündete, gab es für diesen Transfer viele Glückwünsche. Am Niederrhein hatte sich der Stratege mit Übersicht und Kreativität trotz seiner jungen Jahre als Lenker in der Zentrale einen Namen gemacht. An diese Leistung auch beim neuen Arbeitgeber anzuknüpfen, gelang ihm allerdings zunächst nicht. Der Mittelfeldspieler suchte seinen Platz im Team – und fand ihn lange nicht wirklich.

Mo Dahoud jubelt mit Maximilian Philipp. Ein eigener Treffer ist ihm für den BVB noch nicht gelungen
Mo Dahoud jubelt mit Maximilian Philipp. Ein eigener Treffer ist ihm für den BVB noch nicht gelungen © imago / Norbert Schmidt

Vom Mitläufer zum Leistungsträger

Zwar bekam Dahoud früh in der Saison von Peter Bosz seine Einsatzzeiten, blieb aber in der damals fulminant aufspielenden Mannschaft hinter den Erwartungen zurück. Zu unsicher, zu phlegmatisch, dann wieder zu überhastet – Dahoud tat sich schwer und war trotz drei Torvorlagen eher ein blasser Mitläufer.

Zum Ende der Hinrunde standen so gerade einmal vier Startelfeinsätze für den Hochtalentierten zu Buche – für sein Potenzial deutlich zu wenig. Auch unter Peter Stöger konnte Dahoud zunächst nicht durchstarten, rutschte zu Beginn dieses Jahres sogar komplett aus dem Kader. "Mo ist nicht immer so ausrechenbar. Offensiv ist das gut, defensiv eher schwieriger", umschrieb der Trainer die Fähigkeiten und Defizite seines Profis elegant.

Mit Aggressivität und Spielwitz in die Startelf

Entmutigen ließ sich der Rechtsfuß davon aber nicht, er erarbeitete sich nach und nach wieder seine Einsatzzeiten. Und auch Stöger glaubte an den deutschen U21-Nationalspieler mit syrischen Wurzeln. „Wir haben ihm Ruhe gegeben und ihm gesagt, dass wir wissen, welche Qualitäten er hat“, verriet der Österreicher jetzt. Das fruchtete offenbar – seit seinem überzeugenden Auftritt Anfang März in Leipzig hat sich Dahoud mit Aggressivität und Spielwitz in der ersten Elf festgespielt. Er brachte die Überraschungsmomente ins Spiel, die der Borussia zuvor oft gefehlt hatten – Torvorlage für Marco Reus in Leipzig inklusive.

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Dahoud (r.) ist nicht nur Schönspieler, er geht auch dahin, wo es wehtut
Dahoud (r.) ist nicht nur Schönspieler, er geht auch dahin, wo es wehtut © imago / Xinhua

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Eine Woche später stoppte ihn beim 3:2-Sieg über Frankfurt nur die drohende Gelb-Rote-Karte nach 45 Minuten; bis dahin hatte Dahoud seine wohl stärkste Halbzeit im schwarz-gelben Dress abgeliefert. Als Achter gab er der Mannschaft Struktur, setzte immer wieder Impulse im Offensivspiel. Die Partie am Sonntag gegen Hannover schloss daran nahtlos an und nötigte Michael Zorc Respekt ab. "Mo ist jemand, der sich nie versteckt und auch in schwierigen Situationen den Ball fordert. Er wird immer sicherer", lobte der Sportdirektor.

"Mo wird immer mehr zum Taktgeber im zentralen Mittelfeld. Er wird seinen Weg bei uns machen, davon bin ich zu hundert Prozent überzeugt." BVB-Sportdirektor Michael Zorc über Mo Dahoud

Dahoud überzeugt als Verbindungsglied im Mittelfeld, organisiert das Umschaltspiel, macht Druck. Er agiert sehr ballsicher und zudem deutlich dynamischer und mutiger mit viel mehr Zug nach vorn als etwa Julian Weigl. Neben seiner Kreativität und Passsicherheit kommt Dahoud dabei auch seine überdurchschnittliche Laufleistung zugute. 13,4 Kilometer legte er gegen Leipzig zurück, 12,6 Kilometer waren es jetzt gegen Hannover – jeweils Bestwert aller Dortmunder Profis. "Er ist immer der Spieler, der am meisten rennt bei uns", stellte Zorc zufrieden fest.

Potenzial noch nicht ausgeschöpft

Dabei schöpft der 22-Jährige noch längst nicht alles aus, was an Potenzial vorhanden ist. Noch leistet er sich zu viele Ballverluste, nicht alle Pässe finden ihren Adressaten und auch die körperliche Präsenz ist noch ausbaufähig. "Er muss weiter arbeiten an seinen Möglichkeiten und sein Spiel jetzt verfeinern", hat ihm Peter Stöger mit auf den Weg gegeben. Gelingt ihm das, kann Dahoud in der Zukunft tatsächlich zum schwarz-gelben Taktgeber werden – und bald vielleicht auch endlich sein Premierentor für den BVB feiern.

Aus Dortmund berichtet Dietmar Nolte

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