Hanspeter Latour ist bei vielen Fans des 1. FC Köln nicht gerade wohl gelitten. Schließlich stieg der FC in der zehnmonatigen Ägide des Trainers zwischen Januar und November 2006 aus der Bundesliga ab und vermasselte den Auftakt in der 2. Bundesliga. Doch einzig dem Schweizer ist es zu verdanken, dass Kölns Toptorjäger Milivoje Novakovic überhaupt in der Domstadt anheuerte.

Im August 2006 verpflichtete Latour den 1,92 Meter großen Slowenen, trotz einiger skeptischer Stimmen im Club und im Umfeld der "Geißböcke". Schließlich war ihm der schlaksige Mittelstürmer noch in bester Erinnerung: Novakovic besiegte mit dem bulgarischen Club Litex Lovech Latour mit dessen damaligem Verein Grasshoppers Zürich im UEFA-Cup mit 2:1, "Nova" steuerte das 1:0 bei.

Zehn Tore im ersten Jahr

Außerdem sicherte er sich in der Saison 2005/06 die bulgarische Torjägerkanone. Allerdings galt der am 18. Mai 1979 in Ljubiljana geborene Angreifer zu seiner Zeit in Osteuropa und bereits in den anderthalb Jahren zuvor in Österreich beim SV Mattersburg und LASK Linz als Spieler mit nicht immer professionellem Lebenswandel.

Trotz seiner zehn Treffer in der Debütsaison beim FC hatte Novakovic keinen leichten Stand beim Kölner Anhang. Die Umgewöhnung an den deutschen Profifußball, eine mangelnde Chancenauswertung sowie eine phlegmatische und teilweise ineffiziente Spielweise erregte das Kölsche Fangemüt.

"Nova" kann auf die Zähne beißen

Doch in der vergangenen Saison avancierte der Angreifer zum Liebling der Anhänger. Mit 20 Toren - davon 14 in der Hinrunde - war er treffsicherster Stürmer der 2. Bundesliga und trug so einen Großteil zum langersehnten Aufstieg der Kölner bei.

Seine Promillefahrt im November 2007, die "Nova" mit dem Führerscheinentzug und einer empfindlichen, vereinsinternen Geldstrafe bezahlte, geriet angesichts seines klaren Blicks in gegnerischen Strafräumen zur Nebensache.

Dass er in der Rückrunde trotz einer schmerzhaften Knöchelverletzung auflief und seine Gesundheit für das Aufstiegsziel hinten anstellte, trug ihm großen Respekt bei seinen Mannschaftskollegen und im Umfeld ein.

Jagd auf den Uralt-Rekord

Und auch der Auftakt in die Bundesliga verlief für den 21-fachen slowenischen Nationalspieler wie die vergangenen zwölf Monate: glänzend. Ein Tor im DFB-Pokal, drei Treffer in drei Bundesligaspielen - viel effektiver kann ein Debüt im deutschen Fußball-Oberhaus nicht sein.

Dabei schoss der 29-Jährige gegen Wolfsburg, Frankfurt und Karlsruhe jeweils das wichtige 1:0 und jagt jetzt sogar einen Uralt-Rekord. Erst ein Mal in der Bundesliga-Geschichte gelang einem Spieler in vier aufeinanderfolgenden Partien der erste Treffer: In der Saison 1964/65 besorgte Heinz Strehl vier Mal das 1:0 für den 1. FC Nürnberg.

Sollte Novakovic nach der Länderspielpause am 13. September im Heimspiel gegen den FC Bayern München erneut zum 1:0 treffen, wäre ihm neben der Bewunderung der FC-Fans auch der Rekord sicher. Und das alles dank Hanspeter Latour.

Denis Huber