Doha - Draußen, vor dem prunkvollen, kronleuchterbehangenen Saal, steht das Wort "Elite" auf einem Schildchen, drinnen sitzt Jupp Heynckes auf einer etwa zwei Meter breiten, beigen Couch. Der Trainer des FC Bayern München ist keiner, der sich gehen lässt, doch auf dem weichen Polster bleibt ihm beinahe nichts anderes übrig, als zu lümmeln.

Der Rekordmeister hat es sich so richtig bequem gemacht in seinem Wintertrainingslager im Emirat Katar. Wobei: Genau diese Bequemlichkeit, die mit einer gewissen Sättigung einhergeht, versucht Heynckes seinen Spielern in Doha mit Blick auf die Rückrunde auszutreiben.

"Grundstein für den absoluten Erfolg"

"Du musst Hunger auf Erfolg haben, sonst gibt's nicht zu ernten im großen Fußball heutzutage", sagte der 66 Jahre alte Fußballlehrer nach den ersten Einheiten in der feudalen Aspire Academy vor den Toren Dohas. Diese Gier habe er seiner Mannschaft in der kurzen Ansprache zu vermitteln versucht, die er am Dienstagmorgen gehalten hatte. "Er hat uns gesagt, dass wir sehr, sehr erfolgreich sein können, und dass wir hier den Grundstein legen sollen für den absoluten Erfolg", sagte Nationalspieler Toni Kroos. Der absolute Erfolg - das wären drei Titel, mit der Krönung am 19. Mai.

Dann findet bekanntlich das Champions-League-Finale in München statt, doch Heynckes wollte bei angenehmen Temperaturen von mehr als 25 Grad noch nicht an den Frühling denken. "Nicht nur der 19. Mai ist das Ziel. Das nächste ist schon am 20. Januar mit dem Rückrundenstart in Gladbach, dann das große Pokalspiel in Stuttgart, dann Basel in der Champions League. So soll man das angehen - nicht nachdenken, was im Mai ist", sagte er. Doch dieses eine, große Ziel begleitete die Münchner auch nach Arabien.

Dort logieren sie auf dem Aspire-Gelände im obszön luxuriösen Hotel Grand Heritage, das in einer Disneyland-Variante des viktorianischen Landhausstils gebaut ist. Draußen zwitschern die Vögel - in Ermangelung echter Natur jedoch aus Lautsprechern. Zu einem der sieben Fußballplätze gehen die Stars rund zwei Minuten zu Fuß. Darüber, wie viel Wasser für die sattgrüne Anlage inmitten der Wüste verschwendet wird, wolle er nicht so intensiv nachdenken, sagte Heynckes.

Rafinha reist über Umwege nach Doha

Der Trainer kümmert sich vielmehr intensiv um seine Spieler; einer begab sich jedoch erst am Dienstagabend in seine Obhut. Rafinha musste wegen Visa-Problemen aus dem Heimaturlaub von Sao Paulo aus den Umweg über Frankfurt in Kauf nehmen und verpasste die ersten drei Einheiten. Es sei "in keinster Weise" das Verschulden des Verteidigers, betonte Sportdirektor Christian Nerlinger.

"Ich kann mir nur vorstellen, dass sie etwas verwechselt haben und dachten, dass er noch bei Schalke ist", sagte Heynckes über Rafinha, dem man nicht mehr das Image des "Mir-egal-Profis", der seinen Urlaub gerne mal eigenmächtig ausdehnt, nachsagen kann. Schalke wird am Mittwoch in Doha erwartet, findet in den örtlichen Medien aber noch kaum Erwähnung, die Bayern begrüßte das Blatt "Peninsula" dagegen als "German Giants". Der arabische Fernsehsender Al Dschasira war beim Training live auf Sendung.

Fitnesswerte stimmen

Heynckes stellte dabei zufrieden fest, dass seine Spieler ausnahmslos fit erschienen waren. Namentlich nannte er Franck Ribery ("sehr gut angefangen") und Arjen Robben ("sehr fleißig, ehrgeizig, sehr gewissenhaft"). Erleichtert nahm er auf, dass Bastian Schweinsteiger nach seiner Schulter-OP voll fit ist. Schon in den Testspielen gegen Al Ahly Kairo (7. Januar) und in Indien (10.) baue er auf den Vize-Kapitän: "Bastian ist mit großer Freude bei der Sache."

Schweinsteiger kommt in Heynckes' Plänen eine Schlüsselrolle zu, ist er doch der Spieler, "der das Spiel drehen kann", also die Richtung wechseln. "Das ist es, was du im modernen Fußball brauchst. " Auch Kroos erfülle diese Anforderung perfekt, ergänzte Heynckes.

Eine Schwäche gilt es zu beheben

Kroos forderte, in Doha die vielleicht einzige Schwäche zu beheben. Bei den Niederlagen gegen Dortmund und in Mainz habe man "nicht die richtige Antwort" auf das frühe Attackieren der Gegner gefunden. "Wir müssen lernen, uns aus diesem Pressing zu befreien." Heynckes legte prompt einen Schwerpunkt auf diesen Bereich, außerdem will er arbeiten an: "Viererkette, Pressing, Pass- und Positionsspiel, Angriffsschemen und Zweikampfverhalten."

Trotz dieses ambitionierten Ansatzes für nur eine Woche Zeit blühte auf dem Platz der Flachs. Thomas Müller etwa war stets bemüht, mit seinen Teamkollegen auf verschiedene Trainingsübungen Wetten abzuschließen ("Ey, bezahlen!"). Auch Breno mischte munter mit. Heynckes stellte dem Innenverteidiger eine weitere Zukunft beim FC Bayern in Aussicht. "Wenn er weiter so engagiert dabei ist, kann er besser werden als je zuvor", sagte er.

Das gilt für den FC Bayern insgesamt.