Stuttgart - Es hält sich hartnäckig die Mär, dass Bruno Labbadia kein Trainer für die Rückrunde sei. Doch schon in der vergangenen Saison führte der 46-Jährige diese Geschichte, die ihren Ursprung in seinen Zeiten bei der SpVgg Greuther Fürth, Bayer Leverkusen und dem Hamburger SV hat, ad absurdum und seinen VfB Stuttgart auf Platz 4 der Rückrunden-Tabelle. Und auch jetzt sind die Schwaben neben Borussia Dortmund die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga.

Seit acht Spielen unbesiegt liegt Stuttgart klar auf Kurs Europa League. Am Freitag hat der VfB die große Chance, im "Endspiel" den zuletzt schwächelnden Konkurrenten Werder Bremen abzuschütteln (ab 20 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) und die Qualifikation fast schon perfekt zu machen. Als Tabellenfünfter würde man sogar direkt in den Europapokal einziehen und müsste im Sommer nicht wie der Sechst- und Siebtplatzierte den Umweg über die Qualifikationsrunden gehen.

Für Labbadia ist es aber so oder so schon "eine Riesensache, wenn wir uns für die Europa League qualifizieren. Dass wir überhaupt in dieser Position sind, ist eine Überraschung", sagte der Ex-Profi angesichts der durchwachsenen Phase seiner Elf zwischen dem 14. und 20. Spieltag mit sieben Spielen ohne Sieg.

Schwäbische Torfabrik



Das ist jedoch längst vergessen. In den vergangenen Wochen ist es Labbadia gelungen, Stuttgart zu einem Spitzenteam zu formen. Haperte es in der Hinrunde noch häufiger mit dem Toreschießen, so verfügt der VfB inzwischen über eine äußerst torgefährliche Offensive.

Winter-Einkauf Vedad Ibisevic (acht Tore in elf Spielen) entpuppt sich dabei mehr und mehr als Glücksgriff. Zudem spielt der Ex-Bremer Martin Harnik (15 Saisontore) die stärkste Saison seiner Karriere. Mit 32 Toren in der Rückrunde liegen die Schwaben gleichauf mit Spitzenreiter Borussia Dortmund und sogar um sechs Treffer vor dem FC Bayern München.

Labbadia warnt - und schwärmt



Gegen Werder, das bereits seit fünf Spielen auf ein Erfolgserlebnis wartet, soll die beeindruckende Serie fortgesetzt werden. "Das ist ein Spiel für Europa. Mit einem Sieg können wir die Konkurrenz auf Distanz halten", sagte Sportdirektor Fredi Bobic. "Wir haben eine klasse Ausgangsposition. Das Spiel ist eine große Chance für uns", ergänzte Labbadia, der weiterhin auf Khalid Boulahrouz (Aufbautraining nach Zehenbruch) und Johan Audel (Aufbautraining nach Knieoperation) sowie auf den gelbgesperrten Zdravko Kuzmanovic verzichten muss.

Für den Serben rückt Christian Gentner in die Startelf. Ob Arthur Boka nach seinem Schlag aufs Becken beim 3:1 beim FC Augsburg spielen kann, bleibt abzuwarten. Für Labbadia sind die angeschlagenen "Grün-Weißen" so oder so ein gefährlicher Gegner.

Werder unter Druck



"Werder ist eine Mannschaft, die immer einen raushauen kann. Wir sind gefordert", meinte der VfB-Coach und sprach vor dem dritten Spiel in einer Woche von einem "Kraftakt". Dass dieser aber gelingen wird, davon ist Labbadia überzeugt: "Die Mannschaft hat eine wahnsinnig hohe Bereitschaft."

Die hat den Hanseaten zuletzt gefehlt. Deshalb steht Werder derzeit nur noch auf Platz 8 und damit außerhalb der Europa-League-Plätze. Dementsprechend groß ist der Druck vor der Reise ins Schwabenland: "Wenn wir unsere Ziele erreichen wollen, müssen wir gewinnen", sagte Kapitän Clemens Fritz.

Neues Selbstvertrauen



Personell sieht die Lage an der Weser allerdings schon seit Wochen bedenklich aus: Trainer Thomas Schaaf muss mit Florian Hartherz
(Schultereckgelenkssprengung), Sebastian Prödl, Philipp Bargfrede (beide Muskelfaserriss), Mehmet Ekici (Leisten-OP), Marko Arnautovic (Innenbandanriss), Tim Borowski, Aaron Hunt (beide Trainingsrückstand) sowie dem gesperrten Sebastian Boenisch gleich acht Profis ersetzen.

Trotzdem sah der 50-Jährige sein Team zuletzt beim 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach im Aufwind: "Das Spiel hat uns Selbstvertrauen gegeben. Wir waren viel aktiver als noch gegen Köln", sagte Schaaf, "auch in Unterzahl haben wir die Dinge in die Hand genommen und Aktionen gestartet. Das wird auch gegen Stuttgart wichtig."




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