München - Es ist ein echtes Top-Spiel - am Samstagabend empfängt mit Bayer 04 Leverkusen der amtierende Vize-Meister den Deutschen Meister Borussia Dortmund (ab 18 Uhr im Live-Ticker). Dabei kommt es wohl zum dritten Zwillingsduell zwischen den Brüdern Lars und Sven Bender.

Lars Bender, der für Leverkusen spielt, ist gegen seinen Zwilling noch sieglos. "Es ist immer eine tolle Sache, gegen den eigenen Bruder anzutreten", weiß der zum Nationalspieler aufgestiegene Sven, "aber letztlich bleibt in einem Spiel keine Zeit, darüber nachzudenken, wer gerade auf der anderen Seite steht."

Positiver Trend für den BVB

Die erste Begegnung der beiden endete 1:1, die zweite ging mit 3:1 deutlich an den "schwarz-gelben" Bender. Ob es tatsächlich zum Zwillingsduell kommt, hängt im Besonderen von seinem Gesundheitszustand ab. Nach einer Kapselreizung ist Sven am Mittwoch wieder ins Training eingestiegen.

Die Gesamtbilanz beider Vereine spricht knapp für Bayer 04. Die "Werkself" konnte 24 der insgesamt 64 Bundesliga-Duelle für sich entscheiden, 18 Partien endeten remis, 22 Mal gewann die Borussia. Der Trend der letzten Jahre aber spricht eine andere Sprache: Nur eines der letzten acht Spiele verlor Dortmund gegen Leverkusen.

Was zählt, ist Zählbares

Und auch diesmal geht es für den BVB-Chefcoach Jürgen Klopp nur um drei Punkte: "Wir wollen nicht wissen, wer ist die bessere Fußballmannschaft. Wir wollen ein Ergebnis." Er fordert dabei ein "sehr diszipliniertes und konsequentes Spiel gegen den Ball" und kündigt eine "leidenschaftliche Art der hohen Verteidigung" an. Mit leidenschaftlich dürfte hierbei aber nicht unsportlich gemeint sein, denn in den letzten 13 Partien gab es weder einen Strafstoß gegen noch eine Platzverweis für die Borussen.

"Viele Ballkontakte sind gegen Leverkusen nicht im Mittelpunkt unseres Interesses. Wir wollen als extrem kompakte Einheit auftreten und geduldig auf unsere Momente warten", erklärte der 44-Jährige der "Bild"-Zeitung, "Wir müssen diesmal nicht daran denken, wie man einen Gegner bespielt, der sich tief in der eigenen Hälfte versammelt."

Leno bisher unüberwindbar

Die Torgarantie dieser Paarung ist sogar historisch begründet: Seit insgesamt 49 Bundesliga-Duellen hat es zwischen Bayer und dem BVB kein torloses Unentschieden mehr gegeben. Mit 0:0 trennten sich die Teams überhaupt nur ein einziges Mal, und zwar in der Saison 1986/87.

Zumindest Bernd Leno wird sein Bestes tun, um Tore der Gäste zu verhindern. Der vom VfB Stuttgart ausgeliehene Torwart parierte bei seinem Debüt in Stuttgart alle Schüsse auf das Tor der "Werkself" vorbildlich und blieb ohne Gegentreffer. Am Samstag will der 19-Jährige erneut zu Null spielen: "Das Spiel gegen Dortmund ist sehr wichtig für uns, auch für mich persönlich. Ich versuche, meinen Kasten sauber zu halten und bin zuversichtlich, dass es für einen Sieg reicht."

Mentale Belastung

Ans Siegen könnte man sich in Leverkusen gewöhnen, in den letzten beiden Ligaspielen triumphierte des Team von Robin Dutt, das gibt Selbstvertrauen vor dem Spitzenspiel. "Wir bekommen es mit der alles überragenden Mannschaft der Vorsaison zu tun", sagt Bayer 04-Coach, "aber auch die Dortmunder werden am Samstag auf einen starken Gegner treffen."

Der 46-Jährige kann sich nach eigener Aussage jedoch nicht einfach zurücklehnen: "Das schnelle Umschalten in beide Richtungen hat die Dortmunder zur Meisterschaft geführt. Deshalb hat man immer einen gewissen mentalen Stress, weil sie einen im Spiel nie zur Ruhe kommen lassen. Da kommt ein hoher Anspruch auf uns zu."

Ausgerechnet Götze

Ebenso ungern wie Jürgen Klopp lässt sich Robin Dutt bezüglich der Aufstellung in die Karten schauen. "Von der Leistung her gäbe es auch überhaupt keinen Grund, etwas an der Formation zu ändern. Aber es geht ja zudem auch immer um die optimale taktische Ausrichtung in Bezug auf den Gegner", meinte Dutt ausweichend.

Neben den Langzeitverletzten Lucas Barrios und Sebastian Kehl sorgt man sich bei der Borussia um Sebastian Kehl und Mario Götze. Vor allem der Ausfall des 19-jährige Spielmachers, der an einer Adduktorenzerrung und zuletzt im Training aussetzen musste, wäre ein herber Verlust.



Zusammengestellt von Sabine Glinker