Der Hamburger SV hat zum Abschluss der Hinrunde endgültig die Negativserie der Vorwochen vergessen gemacht. Trainer Bruno Labbadia hat nur eine Sache zu bemängeln und blickt optimistisch auf die zweite Saisonhälfte.

Nein, irgendwann war es in der Hinrunde dann auch für den Hamburger SV zu viel. Bis zu zehn Spieler fielen bei den "Rothosen" zwischenzeitlich länger verletzt aus. Darunter unter anderem auch das etatmäßige Sturmduo Paolo Guerrero und Mladen Petric sowie Mittelfeldmotor Ze Roberto. Sieben Bundesligaspiele ohne Sieg waren die Folge. Es drohte der Absturz ins Mittelfeld der Tabelle.

Doch am 16. Spieltag schaffte der HSV mit dem 4:0 in Nürnberg die Wende und legte zum Abschluss der Hinrunde mit dem 2:1 im Nord-Derby gegen Werder Bremen noch einen Dreier nach. Vor allem der knappe Erfolg gegen den Erzrivalen von der Weser könnte richtungsweisend gewesen sein.

"I-Tüpfelchen für unsere Vorrunde"

"Das sind drei besondere Punkte. Zum einen, weil es ein Derby ist, aber auch weil wir es dadurch geschafft haben, oben dran zu bleiben", erklärte Stürmerstar Petric, mit dessen Rückkehr am 15. Spieltag der HSV wieder in die Erfolgsspur zurückgekehrt ist.

Trainer Bruno Labbadia misst dem Sieg auch besondere Bedeutung bei, sieht er doch in dem Auftreten seiner Mannschaft ein Spiegelbild für die gesamte Saison. "Es war das i-Tüpfelchen für unsere Vorrunde. Das Nord-Derby hat noch einmal bestätigt, dass die Mannschaft einen tollen Charakter hat. Wir haben immer wieder versucht, Akzente zu setzen und auch Reibung zu schaffen, um uns weiterzuentwickeln. Das hat funktioniert", analysierte Labbadia.

Makel DFB-Pokal

Platz 4 mit vier Punkten Rückstand auf Tabellenführer Leverkusen, in der Europa League steht der HSV in der K.o.-Runde - auf dem Papier sieht die Hinrunden-Bilanz gut aus. Doch es gibt auch ein großes Minus zu beklagen.

"Im DFB-Pokal waren wir nicht verantwortungsvoll genug. Die Niederlage in Osnabrück ist der einzige Makel, den wir hatten. Das ist sehr schade. Sonst hätten wir von einer außergewöhnlichen Vorrunde sprechen können", sagte Labbadia über die Pleite im Achtelfinale.

Labbadia hat "hohe Ziele"

Die Hamburger blicken aber dennoch optimistisch in die Zukunft, auch wenn die Personalmisere sich nicht sofort mit Beginn des neuen Jahres stabilisieren wird.

"Wir müssen mit unserer Situation sehr sorgsam umgehen. Wir dürfen nicht den Fehler machen, zu glauben, dass in der Rückrunde alle Verletzungssorgen weg sind. Einige Spieler stehen uns sicherlich erst zur Mitte der Runde wieder zur Verfügung und brauchen zudem Zeit, um auf ihr absolutes Top-Niveau zu gelangen", erklärte Labbadia und gab eine wage Prognose ab: "Ich habe kein Problem damit, hohe Ziele auszusprechen, denn das ist auch der Anspruch des HSV. Aber es ist schwer einzuschätzen, wohin die Reise geht."

Es ist müßig zu spekulieren, auf welchem Tabellenplatz die Hanseaten ohne die vielen Verletzungssorgen stehen würden, aber eines steht fest: Mit dem HSV muss in der Rückrunde im Kampf um die Meisterschaft gerechnet werden.

Aus Hamburg berichtet Michael Reis