Augsburg - Voller Entschlossenheit drosch Peter Niemeyer den Ball ins Netz. Ihn drüberzusetzen sei schwieriger gewesen, meinte der defensive Mittelfeldspieler nach seinem ersten Tor für den SV Darmstadt 98. Überhaupt sind es die einfachen Dinge, die den Erfolg des Aufsteigers ausmachen. Mit dem verdienten 2:0-Auswärtssieg beim FC Augsburg lieferten die Lilien dafür einen weiteren Beweis.

Die Gesänge der Fans waren noch lange nach Abpfiff bis in die Katakomben der WWK-Arena zu hören. Klassiker wie "Gegen Darmstadt kann man mal verlieren" stimmten die mitgereisten Anhänger der Lilien freudetrunken an. Währenddessen analysierte Torschütze Niemeyer ganz sachlich mit einem Becher Zitronentee in der Hand den zweiten Auswärtssieg der Saison.

Zwei Ecken, ein Dreier

Der Spielverlauf war ganz nach dem Geschmack der Darmstädter: Die frühe Führung durch Sandro Wagner, das zweite Tor noch vor der Pause - beide Male nach Eckbällen von Konstantin Rausch. "Es hat sich wieder bewahrheitet, dass Standardsituationen Spiele entscheiden können", brachte es Niemeyer auf den Punkt. "Das ist eine Waffe von uns." Zwei Ecken, ein Dreier sozusagen.

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Bereits zum vierten und fünften Mal führten Standards der Lilien zu Toren - kein Team in der Bundesliga traf bislang häufiger nach ruhenden Bällen. Schon zum zweiten und dritten Mal führte eine Ecke oder ein Freistoß von Rausch zu einem Tor. Die Stärke nach ruhenden Bällen hat Tradition, schon in der 3. Liga und im vergangenen Jahr in der 2. Bundesliga: Allein in der Vorsaison erzielten die Lilien 18 Tore auf diese Weise.

Abgesehen von der offensiven Stärke nach ruhendem Ball hat das Team von Dirk Schuster in der Defensive wieder seine "ureigenen Tugenden" an den Tag gelegt, wie sie der Trainer nannte: "Kompakt spielen, aktiv verteidigen, die Räume eng machen und Nadelstiche setzen." Damit zeigte seine Mannschaft die geforderte Reaktion nach der 2:3-Niederlage gegen Mainz vor der Länderspielpause. "Wir haben gegen Mainz versucht, mit dem Gegner mitzuspielen und sind prompt dafür bestraft worden", sagte Schuster.

"Schuster, bleib bei deinen Leisten!"

Und Niemeyer ergänzte mit einem Augenzwinkern ob der Doppeldeutigkeit: "Schuster, bleib bei deinen Leisten!" Darmstadt weiß, worauf es ankommt, um in der Bundesliga Punkte zu holen. In Augsburg nutzte der Aufsteiger seine wenigen Chancen eiskalt und verteidigte anschließend phasenweise mit einer Sechserkette. 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe zeugen zudem vom nötigen Willen, alles für den Erfolg zu investieren. "Ziehen wir unser Ding durch, dann sind wir für jede Mannschaft eklig", betonte Niemeyer.

"Wir spielen einfachen Fußball", erklärte der andere Torschütze Wagner, der bereits sein drittes Saisontor erzielte. "Keiner macht es komplizierter, als es ist. Vielleicht ist das die Lösung. Wir haben keine 17 Matchpläne!" Ein klarer Plan genügt den Darmstädtern, um nach neun Spieltagen mit 13 Punkten als Aufsteiger vollkommen im Soll zu liegen. Die Gefahr, abzuheben oder übermütig zu werden, besteht allerdings nicht. "13 Punkte sind phänomenal", bilanzierte Niemeyer. "Wir tun gut daran, wenn wir weder auf unsere Punkte noch auf den Tabellenplatz schauen, sondern einfach unser Spiel durchziehen."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz