München - Nicht viele hatten damit bestimmt nicht gerechnet: Medhi Benatia ist der erste Torschütze der neuen Bundesliga-Saison geworden, als er gegen den HSV den FC Bayern München in Führung brachte. Im Interview mit Bundesliga.de spricht der marokkanische Innenverteidiger über sein Tor gegen den HSV am vergangenen Freitag, über seine Charakter-Stärke, das kommende Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim sowie über den Einstand von Douglas Costa.

bundesliga.de: Monsieur Benatia, wie fühlt man sich, wenn man der allererste Torschütze in der neuen Bundesliga-Saison ist?

Medhi Benatia: Ach ja stimmt, das hatte ich bei meinem Treffer gar nicht registriert. Wirklich nicht. Das ist doch eine schöne Geschichte. Außerdem war es das erste Tor meiner Mannschaft, nachdem wir uns in der Anfangsphase gegen den Hamburger SV richtig schwer getan haben. Die Hamburger standen hinten sehr gut und wollten so lange wie möglich das 0:0 verteidigen und wir hatten Probleme, uns Torchancen zu kreieren. Und wenn man im Spiel Schwierigkeiten hat, sich in der gegnerischen Hälfte gefährlich zu zeigen, dann muss man es einfach bei den Standard-Situationen versuchen, und das ist uns dieses Mal ganz gut gelungen.

"Dieser Treffer tut gut"

bundesliga.de: Können Sie uns noch einmal das Tor beschreiben?

Benatia: Ich habe einfach von dem tollen Freistoß von Xabi Alonso profitiert. Er hat ihn richtig gut geschossen und dann konnte ich den Ball per Kopf ins Tor verwerten. Dieser Treffer tut gut. Ich bin froh.

bundesliga.de: Abgesehen von den fünf Toren, was war gegen den HSV vor allem eindrucksvoll?

Benatia: Dass wir nie nachgelassen haben, sondern immer Vollgas nach vorne agiert haben. Wir haben mit einer großen Lust gespielt, aber auch mit viel Charakter. Wir wollen nun an diese solide Leistung anknüpfen.

"Solche Fehler passieren"

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bundesliga.de: Vor Ihrem Treffer hatten Sie einen Fehlpass begangen, der dann dazu führte, dass Ihr Mitspieler Xabi Alonso die Gelbe Karte sah. Nichtsdestotrotz haben Sie sich von diesem Faux-Pas in keinster Weise beeinflussen lassen.

Benatia: Ja, es war ein Fehler von mir und ich entschuldige mich dafür nochmals beim Xabi. Eigentlich hätte eher ich verwarnt werden sollen, das hätte ich bei dieser Aktion verdient gehabt. Xabi hat sich dabei einfach geopfert. Aber bei dem Tor haben wir es dann gemeinsam deutlich besser gemacht. Solche Fehler passieren manchmal, wichtig ist aber, dass wir von dieser Aktion keine Konsequenzen tragen mussten.

bundesliga.de: Nach diesem ersten Spieltag steht der FC Bayern bereits an der Tabellenspitze. Man hat von außen das Gefühl, dass es für Ihre Konkurrenten alles andere als einfach wird, Sie von dieser Position wegzudrängen. Stimmen Sie zu?

Benatia: Wichtig war bei dieser ersten Partie, dass wir ein Zeichen setzen und zeigen, dass es erneut schwer wird, uns zu schlagen. Mit uns ist weiter zu rechnen. Nichtsdestotrotz müssen wir weiter demütig und bodenständig bleiben, weil jedes Bundesliga-Spiel nie einfach ist. Aber es ist klar, dass wir erneut das Potenzial haben um wieder deutscher Meister zu werden.

"Er kann ein Spiel entscheiden"

bundesliga.de: An diesem Samstag geht es nach Hoffenheim. Wollen Sie in der Rhein-Neckar-Arena erneut ein Zeichen setzen?

Benatia: Sicherlich. Wir fahren dort hin um zu gewinnen und unsere Position an der Spitze zu verteidigen. Wenn wir diese Partie seriös und konzentriert angehen, werden wir auch als Sieger vom Platz gehen, davon bin ich überzeugt.

bundesliga.de: Ein Wort noch zu Neuzugang Douglas Costa, der gegen den HSV überragte. Was macht ihn so stark?

Benatia: Erst einmal ist Douglas Costa gelungen, sich in Rekordzeit beim FC Bayern zu integrieren. Er ist noch sehr jung und er verfügt über ein unglaubliches Potenzial. Man spürt bei ihm jederzeit die Lust am Spielen. Durch seine Frische und seine Qualitäten bringt er uns weiter. Seine Eigenschaften haben wir gebraucht, denn in der vergangenen Saison haben wir ja feststellen müssen, dass uns Alternativen zu Franck (Ribéry) oder Arjen (Robben) fehlen, sobald einer von beiden ausfällt. Durch seine Schnelligkeit und sein hohes Tempo kann er allein ein Spiel entscheiden. Mit ihm, Franck, Arjen, Mario Götze, Thomas Müller und Robert Lewandowski haben wir in der Offensive ein fantastisches Potenzial.

Das Interview führte Alexis Menuge