Werder Bremen hat auf der europäischen Fußballbühne das Minimalziel erreicht und ist mit einem 2:1-Erfolg gegen Inter Mailand zum Abschluss der Champions League in den UEFA-Pokal eingezogen. Werder im Freudentaumel? Nicht so ganz.

In der Bundesliga hinken die Hanseaten den eigenen Ansprüchen hinterher, rangieren im Mittelfeld der Tabelle auf Platz 10. "Ein unbefriedigender Zustand", befindet Nationalspieler Clemens Fritz.

Das soll und kann sich am letzten Spieltag vor der Winterpause ändern. Der VfL Wolfsburg kommt am Samstag ins Weser-Stadion und bietet den Bremern die große Chance, den Schwung aus dem Spiel gegen Inter in den Ligaalltag zu integrieren und sich mit einem Aufwärtstrend im Gepäck in den Weihnachtsurlaub zu verabschieden.

Werder hat zwei Gesichter

Von Werders zwei Gesichtern war in den vergangen Wochen häufig die Rede. Auffällig oft folgte auf herausragende Leistungen fußballerische Magerkost. Eintracht Frankfurt war mit 5:0 aus dem Stadion geschossen worden, ehe die Elf von Trainer Thomas Schaaf nur eine Woche später beim Tabellenletzten Karlsruher SC ins Taumeln geriet und sich mit 0:1 geschlagen geben musste.

"Die Frage ist natürlich, warum wir nicht konstant gute Leistungen abrufen können. Vielleicht unterschätzen wir die vermeintlich kleinen Mannschaften. Das darf uns nicht passieren", analysiert Torhüter Tim Wiese das Auf und Ab seiner Elf.

Wolfsburg als echter Prüfstein

Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Werder sein Potenzial gegen Top-Teams regelmäßig unter Beweis stellt. Fragt sich nur, wo der VfL Wolfsburg auf der bundesligainternen Qualitätsskala zu verorten ist.

Die "Wölfe", vor der Saison als Überraschungsteam gehandelt, stehen auf Platz 6, schnuppern an den UEFA-Cup-Rängen und starteten zuletzt die Serie, die in Bremen derzeit so schmerzlich vermisst wird: Aus den vergangenen drei Bundesliga-Partien ging der VfL zwei Mal als Sieger hervor, ein Spiel endete unentschieden.

Treffsichere "Wölfe"

Ein wesentlicher Eckpfeiler des Wolfsburger Erfolges ist neben "Mastermind" und Cheftrainer Felix Magath Angreifer Grafite. Der Brasilianer erzielte in der laufenden Spielzeit elf Tore bei wohlgemerkt elf Einsätzen.

Allerdings steht er gegen Bremen nicht zur Verfügung. Magath gewährte dem 29-Jährigen Sonderurlaub, da er aufgrund einer schweren Verletzung (Felsenbeinbruch am Ohr) im Jahr 2008 nicht mehr zum Einsatz gekommen wäre.

An Treffern mangelt es Grafite und Co. aber ohnehin nicht. Wolfsburg konnte in dieser Saison 34 Tore bejubeln und muss einen Vergleich mit den Spitzenmannschaften der Bundesliga in dieser Hinsicht nicht scheuen (Platz 5).

"Wir müssen da weitermachen, wo wir gegen Inter aufgehört haben"

Der VfL darf also, zumindest dem Trend nach, getrost dem Qualitätssegment der Top-Teams zugeordnet werden. "Wolfsburg hat eine gute Mannschaft, die wir sicher nicht unterschätzen werden", verspricht Wiese und verrät sogleich das Drei-Punkte-Erfolgsrezept: "Wir müssen das schlechte Spiel gegen Karlsruhe vergessen und da weitermachen, wo wir gegen Inter aufgehört haben. Ich bin überzeugt, dass es dann auch in der Bundesliga wieder bergauf geht."

Für diese Bergtour muss Werder aber vorerst auf die Dienste von Claudio Pizarro und Diego verzichten. Die beiden Bremer wurden wegen unsportlichen Verhaltens im Spiel gegen den KSC vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für drei beziehungsweise vier Partien gesperrt.

Die Einstellung muss stimmen

Der Marschroute für das letzte Spiel vor der Winterpause stehen die personellen Defizite allerdings nicht entgegen. "Wir müssen jeden Gegner so ernst nehmen wie Bayern oder Inter Mailand, dann können wir auch wieder oben mitspielen, appelliert Nationalspieler Torsten Frings an die richtige Einstellung seines Teams.

Und Verteidiger Fritz verweist auf die Verpflichtung gegenüber den grün-weißen Anhängern: "Wir müssen gegen Wolfsburg unbedingt drei Punkte holen, um den Anschluss an die vorderen Tabellenplätze nicht zu verlieren. Und wir wollen uns bei den Fans mit einem Sieg gegen in die Weihnachtszeit verabschieden."

Ein Sieg gegen Wolfsburg wäre demnach zumindest ein versöhnlicher Abschluss für die Berg- und Talfahrt-Hinrunde der Bremer.

Aus Bremen berichtet Timo Strömer