Stuttgart - 4:1 den VfB Stuttgart auswärts besiegt, toll gespielt und die Verletztenmisere vergessen lassen - Bayer 04 Leverkusen hat in der Bundesliga wieder Fahrt aufgenommen. Das liegt vor allem an den technischen Fähigkeiten der Spieler, die in Stuttgart nicht nur attraktiv, sondern auch effektiv zu Werke gingen.

Ein schöneres Geschenk hätten ihm die Kollegen kaum machen können. Der verletzte Michael Ballack feierte seinen 34. Geburtstag und "seine" Mannschaft, Bayer 04 Leverkusen, gewann beim VfB Stuttgart nach einer größtenteils bravourösen Leistung mit 4:1 (2:0).

Dominante "Werkself" trotz Verletztenmisere

Dabei hätten die Voraussetzungen für die Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes vor der Partie schlechter kaum sein können. Neben Ballack (Anbruch des Schienbeinkopfes) fehlten auch Stefan Kießling (Riss des Syndesmosebandes) und Gonzalo Castro (Muskelfaserriss). Patrick Helmes ließ Heynckes wegen muskulären Problemen in Stuttgart 90 Minuten auf der Bank. Gebraucht hat er ihn allerdings auch nicht.

"Die ersten 30 Minuten haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht, taktisch gut und mit einer guten Raumaufteilung", analysierte Heynckes nach dem deutlichen Sieg. Der Coach hatte ein Spiel gesehen, in dem sein Team den Gegner mit spielerischer Leichtigkeit und taktischer Raffinesse von Beginn an dominierte.

Es war nicht allein die Stuttgarter Schwäche, die Bayer 04 so stark machte, es waren vielmehr die vielen gelungenen Kombinationen, die letztlich zum deutlichen Erfolg beitrugen.

Technisch starkes Mittelfeld

Wenn Tranquillo Barnetta, Arturo Vidal und der wiedergenesene Renato Augusto in der ersten Hälfte den Ball zirkulieren ließen, sahen die Stuttgarter dabei oftmals wie Statisten aus. Die glatte 2:0-Führung war mehr als verdient und hätte sogar noch höher ausfallen können.

"Wir waren heute sehr gut eingestellt und sind konzentriert und aggressiv ins Spiel gegangen", meinte auch Kapitän Simon Rolfes. Überraschend dabei: Die Leverkusener waren nicht nur am Boden überlegen, auch in der Luft überzeugten sie. Beide Treffer durch Sami Hyypiä und Vidal waren Kopfbälle.

Zu passiv nach der Pause

Möchte man den Leverkusenern etwas ankreiden, dann den Beginn der zweiten Hälfte, als die das Heft des Handelns ein wenig aus der Hand gegeben haben. Das bemängelte auch Heynckes: "Was mir nicht gefallen hat, dass wir nach der Pause zu passiv waren."

Die Bayer-Mittelfeldspieler ließen die Zügel schleifen, der VfB, der eigentlich schon geschlagen war, kam wieder besser ins Spiel. Zu diesem strategisch wichtigen Zeitpunkt erzielte Balitsch nach einem Konter dann aber doch das vorentscheidende 3:1 (69.).

Stark - mit und ohne Ballack

Bayer hat in Stuttgart eindrucksvoll bewiesen, dass mit ihnen in dieser Saison zu rechnen sein wird. Zumal Sportdirektor Rudi Völler zuletzt davon sprach, erst in der Rückrunde das wahre Gesicht der Mannschaft bestaunen zu können. Dann also, wenn der Mann wieder fit ist, dem im Leverkusener Spiel an sich die Führungsrolle zugedacht ist.

"Wir haben eine super Mannschaft, der noch etwas gefehlt hat. Und ich glaube, dass das Michael Ballack ist", hat Völler einmal vor der Saison gesagt. "Er soll der Fixpunkt der Mannschaft sein." Und dann in die Bresche springen, wenn ein Spiel nicht so einfach wie in Stuttgart zu lösen ist. Bis zu Ballacks Rückkehr wird es allerdings noch dauern. Große Sorgen müssen sich die Verantwortlichen dennoch keine machen. Sie haben eine exzellente Mischung auf dem Platz - in der Stuttgarter Mercedes-Benz Arena war diese zu bestaunen.

Aus Stuttgart berichtet Jens Fischer