Nach zehn Spieltagen lassen sich die Bundesligaklubs regelmäßig ein erstes Zwischenfazit entlocken. Das der Bremer fällt in dieser Saison ungewohnt ernüchternd aus.

Die 0:2-Niederlage im Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen und ein Blick auf die Tabelle (Platz zehn) bekräftigen die Erkenntnis, dass Werder den eigenen hohen Ansprüchen vorerst deutlich hinterher hinkt. "Von der Meisterschaft müssen wir im Moment nicht reden. Dieses Ziel muss gedanklich hinten anstehen", sagt etwa Sportdirektor Klaus Allofs.

Werder fehlt die Leichtigkeit

Gegen Bayer musste Werder die erste Heimpleite seit März 2008 hinnehmen (1:2 gegen den MSV Duisburg). Doppelt bitter aus Bremer Sicht, zumal die Grün-Weißen gut in die Partie starteten und der Mannschaft der unbedingte Wille anzumerken war, nach der Durststrecke von drei Bundesligaspielen ohne Sieg in Folge, wieder drei Punkte einzufahren.

"Wir hatten die Hoffnung auf drei Punkte. Die ersten 20 Minuten haben wir das ja auch gut gemacht, aber danach haben wir den Schwung nicht aufrecht erhalten", analysiert Allofs und Mannschaftskapitän Frank Baumann bestätigt:

"Wir sind so gut wie lange nicht mehr ins Spiel rein gekommen, aber nach 20 Minuten haben wir es nicht mehr geschafft Druck aufzubauen. Die letzten Spiele hatten wir schon nicht die Leichtigkeit nach vorne und speziell nach dem 0:1 gegen Leverkusen hat man gemerkt, dass da das Selbstvertrauen gefehlt hat."

Spürbare Verunsicherung

In der Tat wirkte Werder nach dem Rückstand verunsichert, aber das darf kaum überraschen: Mit Tim Wiese, Clemens Fritz, Diego, Daniel Jensen und Claudio Pizarro standen gleich fünf Leistungsträger verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Zudem dürften die drei sieglosen Spiele zuvor jenes Selbstvertrauen ohnehin schon angeknackst haben.

"Die Unsicherheit ist ja selbstverständlich. Wir haben zu wenige Punkte, zu viele Gegentore und haben viele Ausfälle zu verkraften. Das sind Dinge, die mit reinspielen. Dass man dann nicht so locker auftritt ist ganz klar. Uns fehlt die Sicherheit und diese Verunsicherung konnte man gegen Leverkusen teilweise spüren", räumt Allofs ein.

"Schnell die Kurve kriegen"

Nunmehr 22 Gegentore und nur 13 Punkte stehen für Werder zu Buche. Zahlen, die mit dem ambitionierten Selbstverständnis der Bremer kollidieren. "Das ist keine schöne Situation und für unsere Ansprüche zu wenig. Es tut richtig weh, wenn man auf die Tabelle guckt", weiß Baumann.

Werder ist folglich gut damit beraten, schnellstmöglich den Schalter umzulegen und in die Erfolgsspur zurückzufinden. Kein leichtes Unterfangen, doch Allofs rät, der Herausforderung mutig entgegenzutreten:

"Wenn wir jetzt schnell die Kurve kriegen ist noch nichts verloren. Aber die Qualität in der Bundesliga ist so gut, dass man immer da sein muss. Die anderen Mannschaften marschieren und holen weiter Punkte. Aber auch diese schlechten Phasen haben ihren Reiz, mal sehen wie wir das wegstecken."

Mit Teamgeist gegen Hertha Taten folgen lassen

Die Niederlage weg- und keinesfalls aufstecken lautet also die Devise der Bremer und schon am kommenden Samstag haben die Hansestädter die Möglichkeit, einen wichtigen Schritt nach vorne zu machen. Dann ist Hertha BSC Berlin zu Gast an der Weser - ein Sieg selbstredend das erklärte Werder-Ziel.

"In dieser schwierigen Phase müssen wir uns zusammenreißen und noch mehr investieren. Wir müssen Taten folgen lassen und die Ansprüche mit Erfolgen und Punkten dokumentieren. Im Fußball geht das oft sehr schnell, ein Spiel kann da schon vieles bewirken. Jetzt brauchen wir erst Recht einen Sieg gegen Hertha. Wir müssen gegen Berlin gewinnen und weitermachen", so Baumann, der für dieses Vorhaben an den Teamgeist appelliert:

"Wir müssen da jetzt zusammen durch. Entscheidend ist, dass wir als Einheit auftreten. Wir dürfen uns nicht gegenseitig zerfleischen, sondern wir müssen uns gegenseitig unterstützen und uns aus der Krise nach vorne spielen."

Labbadia macht Bremen Mut

"Krise" in Bremen - eine Situationsbeschreibung, die in der Werder-Welt bislang kaum Anwendung fand. Sollten den Grün-Weißen gegen Hertha ein Sieg gelingen, könnte das Unwort ganz schnell wieder aus dem Sprachgebrauch der Weser-Kicker gestrichen werden.

Bayer-Trainer Bruno Labbadia spricht das aus, was in Bremen derzeit vielen Mut machen dürfte: "Werder hat über Jahre die Liga geprägt und wird es mit dieser Mannschaft auch weiter tun."

Aus Bremen berichtet Timo Strömer