Fußball-Experten sind beim Blick auf die Spitzenplätze der Bundesliga auch nach dem 5. Spieltag wohl leicht verdutzt. Hamburg und Leverkusen - okay, Schalke vielleicht auch noch. Aber Eintracht Frankfurt? Mit dem 4. Tabellenplatz hatten wahrscheinlich selbst die Kühnsten unter den Hessen-Fans nicht gerechnet.

bundesliga.de blickt auf den Club aus der Main-Metropole und nennt Gründe, warum der Höhenflug der Eintracht kein Zufall ist.

"Jetzt wollen wir uns oben festbeißen"

Als Vater des Erfolgs hat sich während des Saisonstarts ganz klar Michael Skibbe herauskristallisiert. Der neue Trainer, der im Sommer Friedhelm Funkel ablöste, hat der Mannschaft neues Leben eingehaucht, nachdem sie in der vergangenen Saison lange im Abstiegskampf gesteckt hatte und letztlich auf Platz 13 gelandet war.

Auch in der Vorbereitung auf die Spielzeit 2009/10 lief noch nicht alles rund, seit Saisonstart passt die Konstellation Skibbe und Eintracht aber hervorragend: In sechs Pflichtspielen - darunter der 3:0-Sieg im DFB-Pokal bei den Kickers Offenbach - sind die Hessen noch ungeschlagen (3 Siege und 3 Remis). "Jetzt wollen wir uns oben festbeißen", sagte Skibbe nach dem jüngsten "Dreier", einem 2:0-Sieg bei Aufsteiger SC Freiburg.

Der 44-Jährige sprach von einem "guten Saisonstart", Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen fand die Ausbeute "sehr erfreulich". Und die neue Eintracht unter Skibbe hat Appetit auf mehr gemacht - auch beim Erfolgscoach höchstpersönlich. "Wir haben jetzt zwei Heimspiele gegen den Hamburger SV und Schalke 04. Ich hoffe, dass wir uns zuhause auch gegen diese Top-Teams so gut präsentieren können", sagte der Fußballlehrer.

"Ama" blüht als Ex-Kapitän auf

Mit ihm bekam die Eintracht übrigens auch ein neues System. Die Ausrichtung ist mit zwei Angreifern im Vergleich zu Funkels bevorzugtem Ein-Mann-Sturm offensiver, im Mittelfeld agiert das Team im Rautensystem.

Einer, dem diese Umstellung und - kurioserweise - eine Degradierung besonders gut getan hat, ist Ioannis Amanatidis. Seitdem Skibbe das Kapitänsbinde von "Ama" auf Christoph Spycher übertrug, scheint der Grieche wie aufgedreht. Drei Saisontore stehen auf seinem persönlichen Konto. Außerdem gab er die meisten Schüsse der Eintracht ab (15) und lieferte schon vier Torschussvorlagen.

"Es war nicht meine Absicht, ihn damit zusätzlich zu motivieren. Ihm kommt sicher auch unsere offensivere Spielweise entgegen. So kommt er öfter zum Torabschluss. Aber das hat alles nichts mit dem Kapitänsamt zu tun. Diese Entscheidung habe ich getroffen, weil ich lieber einen defensiveren Spieler als Kapitän haben wollte", begründete Skibbe bei bundesliga.de den Amtswechsel.

Die Neuen sind voll integriert

Ein glückliches Händchen bewies der Trainer auch bei den Neuzugängen. Selim Teber, Maik Franz und Pirmin Schwegler haben sich gut eingelebt und gehören schon zu den Stützen der Mannschaft. Teber stand in jedem Spiel in der Startelf, schenkt dem Frankfurter Spiel mehr kreative Momente und gab bereits zwei Assists.

Schwegler kommt bislang auf einen eigenen Treffer und eine Torvorlage, und Franz spielt seit der Rotsperre von Patrick Ochs als Rechtsverteidiger. In Freiburg überzeugte er mit 70 Prozent gewonnener Zweikämpfe am Ball und als Torschütze zur wichtigen Führung. "Wir wissen das richtig einzuschätzen. Wir waren zwar erfolgreich, aber optimal war das nicht", meinte der Ex-Karlsruher Franz.

Vertrauen für Caio - Nikolov als starker Rückhalt

Abheben tut von den Spielern keiner. Nicht Alexander Meier. Dabei konnte der sich nach vielen Verletzungen in den vergangenen Jahren nun als zweite Spitze etablieren, schoss zwei Tore selbst und bereitete zwei weitere vor.

Auch nicht Caio. Skibbe schenkte dem brasilianischen Fan-Liebling, der unter Funkel nur selten zum Zug kam, sein Vertrauen und wurde belohnt: Zwei Pflichtspieltore und ein Assists sprechen für sich. Zuletzt in Freiburg blieb der Spielmacher zwar erstmals draußen. Skibbe habe sich mit Zlatan Bajramovic "für die etwas defensivere Variante entschieden".

Der Erfolg gab dem Coach wiederum recht. Die Defensive steht, Frankfurt kassierte bisher lediglich fünf Gegentore. Trotz der Verletzungssorgen bei den Torhütern - gleich vier Keeper waren zeitgleich verletzt - muss sich Skibbe über den letzten Mann keine Gedanken machen. Urgestein Oka Nikolov (seit 1991 im Verein) hat in der Liga mit 85,2 Prozent abgewehrter Bälle die beste Quote aller Stammtorhüter. Inklusive des Pokalspiels hielt er seinen Kasten schon drei Mal komplett sauber.

Mit Mut die Fans überzeugen

Rund um den gesamten Verein hat der ambitionierte Michael Skibbe ("Ich habe vom ersten Tag an mehr eingefordert vom ganzen Club") eine neue Euphorie entfacht, die er auch weiterhin schüren will:

"Wir wollen mutig auftreten und zeigen, dass wir in der Bundesliga konkurrenzfähig sind. Die Fans sollen mit einem guten Gefühl ins Stadion kommen und sehen, dass sie von den Spielern auf dem Platz auch etwas zurückbekommen in Sachen Mut und Einstellung. So können sie sich auch mit der Mannschaft identifizieren."

Gelingen all diese Dinge auch in den nächsten Wochen so hervorragend wie bisher, könnten sich die Anhänger und auch die Experten schnell an den Blick auf die Tabelle gewöhnen…

Tim Tonner