364 Tage sind vergangen, seit Felix Magath seinem Ex-Club FC Bayern München die ultimative Demütigung beibrachte. Am 4. April 2009 fegte Magath mit dem VfL Wolfsburg die Münchner 5:1 aus der Volkswagen Arena, wechselte kurz vor Schluss sogar noch den Torhüter aus. Es war der vorentscheidende Schritt der "Wölfe" zum Titelgewinn.

Am 3. April 2010 will Magath diesen auch mit seinem neuen Verein Schalke 04 machen (Sa., ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio!). Wieder sind die Bayern bei einem Magath-Team zu Gast - und wieder wäre ein Sieg seiner Elf eine Art Vorentscheidung im Kampf um die Meisterschaft.

"Habe gelernt abzuwarten"

Am Samstag ist auf Schalke "High Noon", ganz Gelsenkirchen fiebert der riesigen Chance entgegen, im Gipfeltreffen mit dem FCB die Hand an die Meisterschale zu legen: Mit einem Sieg läge Schalke fünf Spieltage vor Saisonende fünf Punkte vor dem Rekordmeister.

"Am Samstag findet für uns kein Endspiel statt", sagt Magath trotzdem: "Drei Punkte würden unsere Situation verbessern, bei einem Unentschieden wäre unsere Situation immer noch komfortabel und bei einer Niederlage würden wir uns gemeinsam mit den beiden anderen Mannschaften abstrampeln müssen."

Ihm ist aber längst klar: Gewinnen die "Königsblauen" gegen den Rekordmeister, ist die Zeit der Tiefstapelei vorbei. Auch wenn S04-Kapitän Marcelo Bordon der öffentlichen Linie seines Chefs folgt und sagt: "Das Gerede vom Endspiel ist Quatsch. Auch wenn wir gewinnen, haben wir noch fünf Spiele zu bestehen."

Säbelrasseln vor dem Gipfel

Doch der Vorlauf zum Bundesliga-Kracher widerlegt Bordon, die Stimmungslage schon weit vor dem Anpfiff ist eindeutig endspielreif. Vor allem der FC Bayern positioniert sich klar - und gibt sich demonstrativ selbstbewusst. "Wir haben bisher noch jedes Spiel nach dem Motto 'Tod oder Gladiolen' gewonnen", sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal.

Bastian Schweinsteiger stellt fest, er sei "viel heißer auf Schalke als auf das Rückspiel gegen Manchester". Und Kapitän Mark van Bommel stichelt: "Schalke kann das nicht. Die stellen sich nur hinten rein. Wir spielen auf Sieg. Schalke kann das Spiel gar nicht machen."

Klassisches Säbelrasseln also vor dem "Schlüsselspiel der Saison" (FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge). Die Vorfreude nicht nur in den beiden Städten, sondern in ganz Fußball-Deutschland steigt mit jeder Minute, die der Showdown näher rückt.

Magath packt die Medizinbälle aus

Felix Magath vertraut auf altbewährte Methoden, um seinen Profis den letzten Kick zu geben: Er setzte ein Zirkeltraining an und quälte seine Mannschaft mit den legendären Medizinbällen. "Das wurde langsam wieder Zeit", sagte er dazu am Freitag: "Wir müssen auf das Kämpferische setzen - mal sehen, was die großartige Bayern-Mannschaft dagegenzuhalten hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir gewinnen können. Die Stimmung ist gut, wir sind sehr selbstbewusst."

Vor allem die Heimbilanz gibt dazu allen Grund. Seit der Niederlage gegen den VfL Wolfsburg im September 2009 haben die "Knappen" keines ihrer folgenden elf Bundesliga-Heimspiele verloren. Die letzten acht Begegnungen vor eigenem Publikum wurden sogar allesamt gewonnen.

Eine Ausnahme gab es allerdings: Die Niederlage im Pokal-Halbfinale gegen den FC Bayern und dessen Traumtorschützen Arjen Robben. Den Niederländer hat Magath deshalb speziell auf dem Zettel. "Arjen Robben ist zurzeit der stärkste Bundesliga-Spieler, zusammen mit Franck Ribéry. Beide kann man nie ganz ausschalten. Wir müssen sie noch früher stören, denn wenn sie im Laufen sind, sind sie kaum zu stoppen", erklärte er der "Sport Bild" seinen Schlachtplan für den Samstag.

Robben-Einsatz noch ungewiss

Doch auch Bayern-Feldherr Louis van Gaal ist nicht erst seit gestern im Geschäft und lässt die Konkurrenz deshalb im Unklaren, ob Robben (Wadenzerrung) nach seiner Pause beim Champions-League-Erfolg gegen Manchester United in der Veltins-Arena überhaupt auflaufen wird.

"Das werden sie morgen sehen", sagte ein grimmig-entschlossener van Gaal am Freitag im Pressegespräch an der Säbener Straße den Journalisten. Er will sich nicht in die Karten gucken lassen. Zudem überzeugten die Bayern zuletzt auch ohne Robben in der "Königsklasse" in allen Belangen.

Ohnehin versucht van Gaal der Partie ein wenig ihre Brisanz zu nehmen. Auch wenn die Münchener nicht auf Schalke gewinnen sollten, sei im Rennen um die Meisterschaft "noch nichts verloren", erklärt der Niederländer. Das dachte man am 4. April 2009 auch. Damals hatte der VfL Wolfsburg nach seinem Sieg lediglich drei Punkte Vorsprung auf die Bayern. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt - nicht nur dem FC Schalke und Felix Magath.


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