Mönchengladbach - Zur Winterpause schon abgeschrieben und bis zum 30. Spieltag Tabellenletzter, hat sich Borussia Mönchengladbach mit einem furiosen Endspurt noch Platz 16 erkämpft. In der Relegation gegen den VfL Bochum soll nun der Klassenerhalt perfekt gemacht werden. Trainer Lucien Favre will von einer Favoritenrolle seines Teams allerdings nichts wissen.

Favre stapelte stattdessen mal wieder tief. "Es gibt in diesem Duell keinen Favoriten. Die Chancen stehen 50:50", erklärte Gladbachs Coach auf der Pressekonferenz im BorussiaPark, wo am Donnerstag (ab 20 Uhr im Live-Ticker) das erste Relegationsspiel stattfindet. "Wir wissen, dass es eine harte Aufgabe wird und müssen eine Top-Leistung bringen", sagte er gewohnt sachlich.
Er ist eben kein Mann der großen Worte, der Schweizer, der die "Fohlen" seit seinem Amtsantritt am 23. Spieltag wieder in die Erfolgsspur zurückgebracht und doch noch vor dem direkten Abstieg gerettet hat.

"2. Bundesliga hat sehr hohes Niveau"

Vielmehr steht für ihn die akribische Vorbereitung auf den Zweitligisten im Vordergrund. Favre hat den "Revierclub" auf Videos studiert und auch selbst mehrfach beobachtet, zuletzt beim 3:1 gegen Duisburg. "Die 2. Bundesliga hat ein sehr hohes Niveau, für mich das beste in Europa. Bochum spielt sehr organisiert, mal 4-3-3, mal 4-2-3-1. Ich glaube, dass sie versuchen werden mitzuspielen, auch über ihre offensiven Außenverteidiger, um ein Auswärtstor zu erzielen. Darauf müssen wir vorbereitet sein."

Der gewiefte Taktiker sieht vor allem die zuletzt wieder gefundene Ruhe und Geduld als wichtige Schlüssel zum Erfolg. Von seiner Mannschaft erhofft er sich ein kontrolliertes Spiel mit viel Ballbesitz und gutes Umschalten bei Kontern. "In den zwei Spielen kann alles passieren, auch Verlängerung und Elfmeterschießen sind möglich. Es wird sehr schwer."

Wechselbad der Gefühle

Trotz aller Bescheidenheit hat die "Elf vom Niederrhein" angesichts des starken Saisonfinales mit zehn Punkten aus den letzten vier Spielen allen Grund, mit breiter Brust in die Relegation zu gehen. "Natürlich ist das Selbstvertrauen da und wir wollen positiv bleiben", sagte Favre, obwohl das letzte Spiel in Hamburg viel Kraft gekostet habe. "Während der 90 Minuten haben wir ein Wechselbad der Gefühle mitgemacht. Erst waren wir gerettet, dann tot, weil Frankfurt führte, dann in der Relegation." Dies mussten die Spieler erst einmal verkraften.

Immerhin hat die Borussia nun ihr Schicksal selbst in der Hand. Vorbei sind die Zeiten, in denen man ängstlich auf die Anzeigetafel blicken musste. "Endlich müssen wir nicht mehr auf die Ergebnisse von den anderen Plätzen schauen", sagte Sportdirektor Max Eberl erleichtert. "Wir haben nun unsere zwei Finalspiele". Den Schwung aus der Schlussphase der Saison wolle seine Mannschaft unbedingt mitnehmen, denn "wir sind ja froh, dass wir uns hoch gearbeitet haben und in die Relegation dürfen".

Gute Ausgangsposition für das Rückspiel

Im ausverkauften Borussia Park wollen sich die "Fohlen" mit einer offensiven Ausrichtung eine gute Ausgangsposition verschaffen, denn Favre weiß: "Bochum ist zu Hause sehr stark, spielt offensiv und hat ein tolles Publikum im Rücken."

Bis auf die verletzten Jens Wissing, Fabian Bäcker und Jean-Sebastien Jaures hat der Trainer alle Mann an Bord. Ob es bei Stürmer Igor de Camargo, der nach überstandener Knieverletzung gegen Hamburg ins Team zurückgekehrt ist, schon für die gesamte Spielzeit reicht, ist noch offen. Möglich, dass er als Joker zum Einsatz kommt.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann