Die positivste Nachricht für Eintracht Frankfurt nach der herben 0:5-Schlappe gegen Werder Bremen ist wohl der Umstand, weiterhin sechs Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze zu besitzen. Mut, den entscheidenden, für den Klassenerhalt nötigen Zähler noch selbst einzufahren, hat der Auftritt gegen die Hanseaten allerdings nicht gemacht.

"Wir müssen jetzt die Lehren aus dieser hohen Niederlage ziehen, so wie wir das in dieser Saison schon oft getan haben. Auch früher haben wir in schwierigen Zeiten Ruhe und Besonnenheit bewahrt. Und das werden wir auch jetzt wieder tun", gab sich Frankfurts Trainer Friedhelm Funkel nach der Partie gelassen.

Vier Gegentore in elf Minuten

Die Spieler wirkten da schon etwas geknickter. "Jeder muss sich da an die eigene Nase fassen. Was nach der Roten Karte und dem 0:1 passiert ist, ist für mich unerklärlich", sagte Kapitän Christoph Spycher sichtbar enttäuscht. "Wir dürfen so nicht einbrechen", mahnte auch Torwart Markus Pröll, einer der wenigen mit Normalform gegen Bremen. Mit vier Gegentreffern in elf Minuten muss man eben erst einmal klarkommen. Viel Zeit zur Aufarbeitung bleibt den Hessen allerdings nicht.

Schon am Samstag geht es für die Eintracht zum "Endspiel" gegen den VfL Bochum. Der Revierclub hat derzeit einen Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz und könnte ebenso wie die Frankfurter mit einem Sieg den Klassenerhalt vorzeitig klar machen. Voraussetzung wären dabei allerdings Niederlagen der Verfolger aus Bielefeld (in Dortmund) und Cottbus (in Stuttgart).

Serie macht Mut

Funkel zieht Optimismus aus der Tatsache, dass seine Elf gegen unter ihr platzierte Teams in dieser Saison noch nicht verloren hat: "Wir stehen da, wo wir jetzt stehen, deshalb, weil wir unsere Punkte holen. Durch unsere Stärke haben wir es geschafft, Mannschaften, die es zu schlagen galt, auch in schwierigen Phasen zu bezwingen. Deswegen haben wir auch immer noch genügend Abstand zu den letzten drei Plätzen."

Doch auch die Bochumer stehen nach der enttäuschenden Niederlage am vergangenen Spieltag gegen den Hamburger SV (1:3) unter Zugzwang. "Wir sind am Samstag in der Pflicht, zu punkten. Wir bauen dabei auf die Unterstützung unserer Fans und wollen ihnen dann endlich das zurückgeben, was wir ihnen seit Wochen schuldig sind", setzt Bochums Christoph Dabrowski sich und seine Elf unter Druck. "Jetzt gegen Frankfurt erwartet uns ein echtes Endspiel. Es gilt, die letzten Kräfte zu mobilisieren, um den Fall zu bremsen", hebt auch VfL-Vorstand Thomas Ernst die besondere Bedeutung des Spiels hervor.

Spezielle Vorbereitung fürs "Endspiel"?

Um den noch fehlenden Zähler beim letzten Auswärtsspiel in dieser Saison einzufahren, deutete Eintracht-Coach Funkel kurz nach dem Bremen-Spiel an, bereits zwei Tage vor dem Spiel mit seiner Elf in den tiefen Westen fahren zu wollen. Mit einem "Kurz-Trainingslager" will er seine Elf auf den "Kampf" in Bochum vorbereiten. "Wir werden die richtigen Dinge einleiten und in Bochum dann anders zu Werke gehen", versprach Funkel.

Fehlen wird den Hessen dabei auf jeden Fall Patrick Ochs. Der Rechtsverteidiger - seine Notbremse gegen Mesut Özil leitete die Pleite gegen Bremen ein - wurde für seine Rote Karte vom DFB-Sportgericht für eine Partie gesperrt und wird erst im abschließenden Heimspiel gegen den Hamburger SV wieder in die Mannschaft rücken.

Sollte die Eintracht nach dem Bochum-Spiel noch nicht gerettet sein, könnte es gegen den HSV am letzten Spieltag nochmal richtig eng werden. Die Hanseaten haben die Qualifikation für die UEFA Europa League vor Augen und werden sicherlich entsprechend dagegen halten. Und mit Mannschaften aus dem hohen Norden hat man sich jüngst in Frankfurt bekanntlich schwer getan.

Aus Frankfurt berichtet Florian Bruchhäuser