Mönchengladbach - Christian Tiffert kennt das Gefühl. Als der 1. FC Kaiserslautern am 15. Spieltag der laufenden Saison mit 0:1 beim FC St. Pauli verlor, war er es, der den Ball ins eigene Tor beförderte. Beim Abstiegsgipfel am Freitagabend traf es Gladbachs Torwart Logan Bailly, der sich den Ball ausgerechnet nach einer Tiffert-Ecke in den eigenen Kasten faustete und somit für die Niederlage der "Fohlen" im richtungsweisenden Sechs-Punkte-Spiel sorgte.

Trotz aller Freude über den enorm wichtigen Sieg beim direkten Mitabstiegskonkurrenten fühlte Lauterns Mittelfeldspieler mit dem Unglücksraben. "Ich kann mir vorstellen, was jetzt in ihm vorgeht. Ich habe es ja diese Saison selbst erlebt. Natürlich haben wir vorher darüber gesprochen, dass Bailly bei hohen Bällen Probleme bekommen könnte. Am Ende ist es egal, wie das Tor fällt. Ich bin mir sicher, dass wir auch sonst noch eins gemacht hätten", sagte Tiffert.

Kein Trost für den Tabellenletzten, der nun den Anschluss zum Relegationsplatz verloren hat und dem dritten Abstieg aus dem Oberhaus nach 1999 und 2007 entgegensieht.

Auch den Oliver Kirch, der von 2003 bis 2007 in Mönchengladbach spielte, lässt die Situation seines ehemaligen Vereins nicht kalt: "Für mich war es ein besonderes Spiel. Ich kenne hier noch viele Leute. Der Sieg war für uns natürlich wichtig, aber ab sofort wünsche ich der Borussia alles Gute und noch einige Punkte."

Vorsprung vergrößert

Die "Roten Teufel" bauten ihrerseits das Polster zum Schlusslicht auf acht Zähler aus. Bei einer Niederlage wäre der Vorsprung auf zwei Punkte geschmolzen. Entsprechend erleichtert zeigten sich die Pfälzer nach dem ersten Auswärtserfolg des Jahres.

"Es war ein wichtiger Sieg und darüber dürfen wir uns auch freuen", sagte Cheftrainer Marco Kurz, obgleich er seine Mannschaft "noch lange nicht am Ziel" sieht.

"Wir haben einen Gegner geschlagen, mit dem wir auf Augenhöhe sind. Der Trainer hat den Jungs vorher gesagt, dass sie zeigen müssen, dass sie in der Bundesliga spielen wollen", sagte FCK-Vorstandsboss Stefan Kuntz. "Wir wollten an unseren Sieg aus der vergangenen Woche anknüpfen und haben an uns geglaubt", meinte Kevin Trapp, der erneut für den zuletzt grippekranken Tobias Sippel im Tor stand.

Zurück zu alter Stärke

Die Pfälzer, vor dem 27. Spieltag noch das drittschlechteste Auswärtsteam, landeten nach dem Last-Minute-Sieg gegen Freiburg nun im Borussia Park den zweiten "Dreier" in Folge und haben mit nunmehr 31 Punkten beste Chancen, den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen.

Wie es scheint, hat der FCK nach acht sieglosen Spielen nach Beginn der Rückrunde (vier Unentschieden, vier Niederlagen) rechtzeitig vor dem Einbiegen auf die Zielgerade wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Zudem fällt auf, dass während der Durststrecke beim Traditionsverein von Unruhe nichts zu spüren war, im Gegenteil.

"Wir haben richtig viel Ruhe im Umfeld. Das tut uns unheimlich gut, wenn man bedenkt, was wir für einen Etat haben im Gegensatz zu anderen Mannschaften, die auch unten drin stehen. Ich denke, dass uns Bescheidenheit ganz gut zu Gesicht steht", sagte Christian Tiffert. Lauterns Top-Vorbereiter (zehn Assists) sieht zudem einen großen Vorteil in der mannschaftlichen Geschlossenheit: "Wir wissen uns selbst gut einzuschätzen. Wir haben keine großen Einzelspieler, die ein Spiel selbst entscheiden können. Das können wir nur im Kollektiv schaffen."

Nächster Gegner Leverkusen

Gemeinschaftlich können die Lauterer nun den kommenden Wochen etwas gelassener entgegen sehen. Dennoch fordert Trainer Kurz von seinen Spielern, in der Länderspielpause "hoch konzentriert" zu bleiben: "Wir dürfen uns jetzt nicht ausruhen und müssen uns auf die weiteren Aufgaben vorbereiten."

Bedenken, dass die Unterbrechung nun den Schwung der Lauterer bremsen könnte, hegt Tiffert nicht: "Natürlich hätten wir jetzt weitermachen können, weil wir gut ins Rollen gekommen sind. Aber ich denke, eine Pause tut auch ganz gut."

Nächster Gegner auf dem Betzenberg ist am 2. April der Tabellenzweite Bayer Leverkusen. Für Abwehrspieler Mathias Abel steht fest: "Wir sind auf einem guten Weg, aber wir wollen und müssen weiter arbeiten. Und gegen Bayer spielen wir auch auf Sieg." Mit aller Ruhe und Bescheidenheit, versteht sich.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann