Selten hat es im Mönchengladbacher Borussia-Park wohl einen erlösenderen Torjubel gegeben, als nach dem Siegtreffer der Gastgeber gegen Schalke am vergangenen Sonntag.

Ein Aufschrei der Erleichterung und Befreiung machte in der 90. Minute in der ausverkauften Arena die Runde, als der in dieser Saison bislang torlose Borussen-Stürmer Robert Colautti völlig freistehend den Ball an Keeper Manuel Neuer zum 1:0 in die Maschen schob.

Der "Dreier" gegen die spielerisch besseren, aber wenig zwingenden Gäste könnte der große Befreiungsschlag gewesen sein. Nach sechs sieglosen Spielen mit nur zwei Unentschieden konnten die Borussen endlich einmal die Gunst der Stunde nutzen und von den Niederlagen der Konkurrenz aus Cottbus und Karlsruhe sowie dem Unentschieden von Bielefeld am 31. Spieltag profitieren.

Kopf-an-Kopf-Rennen

"Wir stehen jetzt auf einem Nichtabstiegsplatz und wollen den auch bis zum Ende nicht mehr abgeben", jubelte Marko Marin, dessen verschossener Foulelfmeter aus der 23. Minute folgenlos blieb. "Dafür haben wir uns jetzt eine gute Ausgangsposition verschafft."

Doch allen Beteiligten ist klar, dass die kommenden drei Spiele noch eine ganz "heiße Kiste" werden, jedes Tor zählt. Schließlich stehen die "Fohlen" bei gleicher Tordifferenz nur wegen der mehr erzielten Treffer vor der punktgleichen Arminia aus Bielefeld. Auch der nächste Gegner Energie Cottbus (am Mittwoch) verbucht wie Gladbach und Bielefeld 27 Punkte auf dem Konto.

In Cottbus (Mi., ab 19:30 Uhr im Live-Ticker / Liga-Radio) erwartet die Borussia ein Kampf auf Biegen und Brechen und ein Gegner, gegen den der Aufsteiger vom Niederrhein in dieser Saison bereits zweimal klar verloren hat: mit 0:3 im Pokal im Stadion der Freundschaft und mit 1:3 im Hinspiel. Eine weitere Niederlage könnte teuer werden.

"Cottbus hat den Druck"

"Nach dem Sieg gegen Schalke fahren wir mit Vertrauen nach Cottbus", sagt Borussia-Kapitän Filip Daems. "Das wird aber ein ganz schwieriges und anderes Spiel als gegen Schalke. Darauf müssen wir uns einstellen. Alles ist dicht beieinander. Aber wir haben es wieder in der eigenen Hand."

16 Punkte hat Borussia nach der Winterpause eingefahren und damit bereits fünf Zähler mehr als in der gesamten Hinrunde. Doch das zählt in Cottbus nicht.

"Wir müssen uns in Cottbus zerreißen und alles geben, weil Cottbus das auch tun wird. Das müssen wir bringen, dann ist die Taktik nicht so relevant. Wir müssen das Herz in die Hand nehmen", fordert Borussia-Manager Max Eberl. "Wir haben drei punktgleiche Mannschaften. Da werden jetzt Kleinigkeiten entscheiden. Cottbus hat den Druck, des Gewinnenmüssens. Für uns ist es schön, dass wir es wieder selbst in der Hand haben."

"Wer auf Gladbach setzt, macht alles richtig"

Dem schweren Spiel in Cottbus folgt am Samstag ein weiteres Auswärtsspiel. Jedenfalls auf dem Papier, denn es geht in der Düsseldorfer LTU arena gegen Bayer Leverkusen, das in seinem Ausweichquartier noch kein einziges Bundesliga-Spiel gewinnen konnte. Und dort dürfte das Stadion überwiegend in Händen der Borussia-Fans sein. Am letzten Spieltag empfängt Mönchengladbach dann Borussia Dortmund.

Ob er auf den Klassenerhalt seiner Mannschaft Geld wetten würde, wurde Borussia-Trainer Hans Meyer nach dem vierten Rückrundensieg abschließend gefragt. Die Antwort typisch Meyer: "Ich würde beim Blick auf die Tabelle, wo es unten so eng ist, auch angesichts der Weltwirtschaftskrise kein Geld wetten, wer drin bleibt. Aber wer auf Gladbach setzt, macht alles richtig."

Tobias Gonscherowski