Hannover – 13 Pflichtspiele, 13 Mal ungeschlagen, 13 verschiedene Startformationen, so lautet die Bilanz von Borussia Mönchengladbach in der aktuellen Saison nach dem 3:0 bei Hannover 96.

„Ich mache mir vor jedem Spiel viele Gedanken, um die richtige Formation für den jeweiligen Gegner zu finden“, verrät Lucien Favre. Gegen Hannover hatte der Gladbach-Coach die Intuition, erstmals Patrick Herrmann (links) und André Hahn (rechts) gemeinsam auf den Außenpositionen zu bringen. Mit Erfolg.

Das Duo entwickelte immensen Druck auf den Flügeln, so dass Hannovers Hiroki Sakai und Flanken-Spezialist Christian Pander nicht dazu kamen, ihre Stärke in der Offensive auszuspielen. So gelang es den Rheinländern die Gastgeber, die saisonübergreifend sechs Spiele in eigener Arena nicht verloren hatten (5 Siege/1 Remis) vom eigenen Tor fernzuhalten. Die Folge: Es dauerte 67 Minuten bis Torhüter Yann Sommer zum ersten Mal einen Ball aufs Gehäuse bekam – bezeichnenderweise ein Schuss aus der zweiten Reihe von Joselu.

"Wir laufen wie die Weltmeister"

Das Spiel der Fohlen lebt von seiner Laufintensität. "Wir müssen laufen wie die Weltmeister", beschreibt Max Kruse das System von Favre. Der Angreifer will offensichtlich beweisen, dass er zu Unrecht nicht mit zur WM fahren durfte.

Gleich die erste Gladbacher Chance in Minute 14 nutzte Kruse zur Führung. Und kurz vor Ende der Partie versetzte der 26-Jährige mit seinem ersten Doppelpack seit dem 2. November 2013 den Hannoveranern den endgültigen K.o. Es waren die Treffer vier und fünf in der Liga für Gladbachs Top-Torschützen in seinem fünften Spiel von Beginn an.

Ein "neuer Kruse"

Max Kruse arbeitet mehr nach hinten "als je zuvor in meiner Karriere". Während seine Nationalmannschaftskollegen in Brasilien den WM-Titel holten, verbrachte Kruse den Sommer mit einem persönlichen Fitness-Trainer auf Mallorca. Der Stürmer speckte einige Kilo ab, scheint fit wie nie.

Eine Wandlung zu seinen Zeiten beim FC St. Pauli. Dort erinnert man sich heute noch daran, dass seine Fitnesswerte immer zu den schlechtesten gehörten. In Hannover liefen nur zwei Mannschaftskollegen mehr als die 11,3 Kilometer, die Kruse unterwegs war - Andre Hahn und Granit Xhaka.

Fokus nun ganz auf Limassol

"Wir konnten das Spiel nicht kontrollieren, aber wir haben sehr kompakt gestanden und nichts zugelassen", analysierte Favre nach dem 3:0 an der Leine. Eine Taktik für das Spiel gegen Tabellenführer Bayern München am Sonntag? Denn das Star-Ensemble ist auch kaum zu kontrollieren?

"Dazu werde ich nichts sagen", so Favre lachend auf entsprechende Nachfrage von bundesliga.de. "Das habe ich auch schon Ihren Kollegen gesagt. Wir spielen am Donnerstag in der Europa League gegen Limassol (Europa-League-Gruppenphase). Das ist ein schwerer Gegner. Die haben Zürich 3:2 geschlagen. Und fragen Sie mal in Moskau nach. Dort haben die in der Qualifikation 4:1 gewonnen."

"Werden rotieren"

"Wir wollen endlich unseren ersten Sieg in der Europa League. Darauf werde ich mich konzentrieren. Und dann habe ich zwei Tage Zeit, die Mannschaft auf die Bayern einzustellen." Sicher ist nur, "wir werden auf jeden Fall rotieren", kündigt der 56-Jährige an. Man darf gespannt sein, was sich der Trainer-Fuchs für das Duell gegen seinen Kollegen Pep Guardiola einfallen lassen wird.

Aus Hannover berichtet Jürgen Blöhs