München - Das Traumduo "Robbery" kehrt zurück - und damit auch die Hoffnung auf eine Initialzündung. Nach 273 Tagen darf die gefürchtete Flügelzange Arjen Robben/Franck Ribery bei Bayern München wieder zupacken. Im richtungsweisenden Spiel gegen 1899 Hoffenheim am Samstag (ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) soll die Rückkehr der Superstars den deutschen Rekordmeister im wahrsten Sinne des Wortes beflügeln.

"Arjen Robben hat die ganze Woche trainiert und ist fit", sagte Trainer Louis van Gaal am Freitagnachmittag, machte aber aus der Aufstellung noch ein Geheimnis: "Ob er spielt, werde ich nicht sagen." Am 15. Mai 2010 stand das niederländisch-französische Duo im DFB-Pokal-Finale gegen Werder Bremen (4:0) zuletzt gemeinsam auf dem Platz. Seitdem musste immer einer der beiden passen. Zuletzt plagte sich Robben mit einer hartnäckigen Erkältung herum, Ribery war aufgrund einer Zerrung außer Gefecht gesetzt.

Auch Gomez wohl fit

Doch nun soll alles besser werden. Es gibt keinen günstigeren Zeitpunkt, Robben und Ribery in die Startelf zu berufen - obwohl van Gaal darauf besteht, dass sich "unsere Situation nicht verändert hat. Wir haben weiter drei Punkte Rückstand auf Platz 2."

Dennoch eröffnen sich neue Möglichkeiten. Mit Robben und Ribery auf den Außen rückt Thomas Müller auf seine Lieblingsposition im offensiven Mittelfeld. Bastian Schweinsteiger kann dann wieder auf seiner bevorzugten Position im defensiven Mittelfeld für Ordnung im Bayern-Spiel sorgen. Zudem ist Top-Torjäger Mario Gomez nach seiner Innenbandzerrung seit Mittwoch wieder im Mannschaftstraining und wohl fit für Hoffenheim.

Probleme in der Defensive

Wie wichtig die Genesung von Robben und Ribery für den FC Bayern ist, beweist die Statistik. Seitdem Robben in München spielt, gab es 52 Ligaspiele, nur acht Mal mit "Robbery" in der Startelf. Fünf Mal gewannen die Münchner, zwei Mal spielten sie unentschieden und kassierten nur eine Niederlage. Das ist eine Punkteausbeute von 2,13 pro Spiel. Zum Vergleich: In dieser Saison sammelte der FCB bislang durchschnittlich 1,71 Punkte.

Doch Bayern Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sieht in einem ganz anderen Bereich die Probleme verwurzelt. "Unsere Probleme liegen nicht vorne. Wir haben in den letzten Wochen sehr viele Tore geschossen. Aber wir müssen hinten die Gegentreffer verhindern, dafür sorgen, dass unsere erzielten Tore reichen", sagte er der "Bild"-Zeitung. In die gleiche Kerbe schlägt auch Ex-Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. "Bayern hat im Abwehr-Bereich Sorgen. Man kassiert immer wieder Tore. Die Mannschaft zeigt Nerven", sagte der Schweizer Nationaltrainer.

Hoffenheim noch sieglos gegen FCB

Hoffenheim hat noch nie in München gewonnen und da die Bayern in der Heimtabelle dieser Saison ganz oben stehen, wird auch dieser Versuch schwer. Dennoch blickt 1899-Torwart Tom Starke mit Freude auf das bevorstehende Spiel: "Als Hoffenheim kann man in München fast nur gewinnen. Zu verlieren haben wir nicht so viel. In der Offensive trifft absolute Weltklasse auf uns. Das macht Spaß und Freude, wenn so was auf einen zukommt."

Trotz ihrer Heimstärke stehen die Bayern oder "der Topverein der Liga", wie 1899-Trainer Marco Pezzaiuoli die Münchener beschreibt, in der Tabelle nicht dort, wo sie das Umfeld erwartet: Platz 5, 36 Punkte. Die Defizite liegen auf fremden Plätzen, wo der FCB erst 13 Zähler gesammelt hat. "Bayern steht unter Druck. Sie müssen mindestens auf Platz 1 oder 2 kommen, um den Erwartungen gerecht zu werden. Sie sind angeknockt, aber das waren sie in der Vorrunde gegen uns auch", warnt der Coach.

"Punkte holen und den FC Bayern ärgern"

Aufgrund von Verletzungen fehlen Pezzaiuoli außer den Langzeitverletzten Jens Grahl, Manuel Gulde und Chinedu Obasi keine Spieler. Nach grippalem Infekt ist Boris Vukcevic wieder ins Training eingestiegen. Matthias Jaissle musste nach einer Verhärtung im Oberschenkel reduziert trainieren, wird am Samstag aber dabei sein. Einziger Ausfall ist Edson Braafheid, der im Winter vom FCB kam und nach seiner Roten Karte in der Partie gegen Kaiserslautern zwei Spiele gesperrt wurde.

Auf den Topverein der Liga bereitet sich die Mannschaft genauso vor wie auf jeden anderen Gegner. "Wir schauen in der Vorbereitung nicht so sehr auf die Stärken der Bayern, sondern auf unsere. Wir sprechen vor allen Dingen auch die Defizite der Bayern an und wollen sie dort packen", verriet Pezzaiuoli und ergänzt: "Wir wollen in München Punkte holen und den FC Bayern ärgern."