Wolfsburg - "Nummer 2: Felipe..." "... Lopes!"; "Nummer 8: Viei..." "... rinha!", Nummer 20: Petr..." "... Jiracek", "Nummer 34: Ricardo..." "... Rodriguez!" Die Fans des VfL Wolfsburg haben die Namen der Wolfsburger Neuzugänge bereits verinnerlicht. Namen, an die sich die Bundesliga noch gewöhnen muss.

Acht Neue hat Felix Magath bisher im Winter verpflichtet. Vier davon standen beim 1:0 über den 1. FC Köln in der Anfangsformation. Das ist ein Profi mehr, als von dieser Elf schon zum Saisonauftakt dabei war. Vom 3:0 am ersten Spieltag in Köln wurden 17 Spieltage später nur noch drei, Torwart Diego Benaglio, Marcel Schäfer und Christian Träsch, in die Startelf berufen.

Magath stellt Bundesliga-Rekord ein

Als in der 74. Minute Giovanni Sio für Koo Ja Cheol kam, war der Franzose der 35. Spieler, der in dieser Saison für die Niedersachsen zum Einsatz kam. Der VfL stellte damit bereits 16 Spieltage vor Saisonende den Bundesliga-Rekord von Eintracht Frankfurt ein.

Bei den Hessen kamen in der Saison 2000/01 35 Spieler zum Einsatz. Trainer bei den Hessen bis zu seiner Entlassung in der Winterpause: Felix Magath.

Im SPORT1-"Doppelpass" scherzte Comedian Oliver Pocher, dass Magath mit seinem großen Kader den FC Bayern im Spiel am kommenden Woche mit einer Elf überraschen könne, die die Späher des Rekordmeisters noch nie haben spielen sehen.

Kein Stürmer in Startformation

Der 58-Jährige wechselte aber nicht nur Spieler, sondern auch Positionen: Marcel Schäfer, in der Vorrunde mit drei Toren und vier Vorlagen offensivstärkster Außenverteidiger der Liga, rückte wegen seiner Torgefahr näher ans gegnerische Tor und beackerte die linke Außenbahn. Neuzugang Rodriguez hielt Wolfsburgs zweikampstärksten Spieler (über 65 Prozent gewonnener Duelle) links in der Abwehr-Viererkette den Rücken frei.

Den verletzten Top-Scorer Mario Mandzukic ersetzte Magath durch Mittelfeldstrategen Vieirinha. An der Seite des Portugiesen stürmte mit Koo ebenfalls ein Spieler aus dem Mittelfeld. Ein "gelernter" Stürmer war nicht im Kader.

Ex-Nationalstürmer Patrick Helmes, Lauterns Torjäger aus der Vor-Saison, Srdjan Lakic, sowie der Schwede Rasmus Jönsson spielen in den Überlegungen des Trainers derzeit keine Rolle.

"Azubi"-Stürmer" trifft zum Sieg

Mit Sebastian Polter für Vieirinha, kam zur zweiten Halbzeit dann doch noch ein etatmäßiger Angreifer zum Zug. Und wie! Der Sturm-Lehrling köpfte 33 Minuten nach seiner Einwechslung zum 1:0-Endstand ein.

"Wie beim letzten Mal", sagte der 20-Jährige lachend als er sich nach dem Spiel den Medienvertretern stellte. Vor der Winterpause hatte "Polti" ("Der Trainer spricht es 'Poldi' aus.") mit seinem ersten Bundesliga-Treffer zum 1:0 über den VfB Stuttgart bei seinem zweiten Einsatz den Wölfen das Weihnachtsfest gerettet.

Gejammert wird nicht

"Ein schönes Gefühl. So kann es weitergehen", freute sich Polter und gab zu, er habe sich in punkto Einsätzen "natürlich Gedanken gemacht, wenn immer neue Spieler - auch für meine Position - verpflichtet werden."

"Bei den ganzen Neuen wird's nicht leichter, in den Kader zu rücken", weiß der Ex-Braunschweiger. Jammern will Polter aber nicht: "Ich habe im Training hart gearbeitet. Mehr kann ich nicht tun. Der Rest liegt beim Trainer."

Und der weiß, was er an seinem Nachwuchsstürmer hat: "Er ist ein Spieler-Typ, wie wir sonst keinen im Kader haben. "Wenn er reinkommt, ist er sofort da", lobte Magath den Matchwinner.

"Ein wichtiger Sieg"

Für die "Wölfe" war das 1:0 über die Rheinländer "ein ganz wichtiger Sieg", erklärte Christian Träsch, der "erst nach den schweren Spielen gegen den FC Bayern und Mönchengladbach" darüber reden will, wohin der Weg führt.

Da ist sich der Kapitän mit seinem Trainer einig. Der war mit den Neuen "sehr zufrieden", auch wenn "für den einen oder anderen das Tempo noch zu hoch war." Das sei aber "normal. Immerhin ist die Bundesliga die stärkste Liga der Welt. Da ist das kein Wunder."

"Wir haben noch Steigerungspotenzial. Das freut mich", sagte Magath, der sich sicher ist , dass "wir noch einige Spiele gewinnen werden".

"Neuaufbau fortgesetzt"

"Mit der Verpflichtung der Neuen haben wir den Umbau aus der Sommerpause fortgesetzt. Nachdem wir im Sommer nur Abgänge ersetzt haben, haben wir im Winter Spieler mit Perspektive geholt", wehrt sich Magath gegen Kaufrausch-Vorwürfe.

Wenn die endgültig integriert sein werden, was laut Jan Polak "während der kurzen Winterpause ja gar nicht möglich war", soll der Weg der Wölfe stetig weiter nach oben führen. Dann werden Namen wie Rodriguez, Vieirinha und Co. allen Fußball-Interessierten ein Begriff sein.

Aus Wolfsburg berichtet Jürgen Blöhs