Zum Abschied vom legendären Aachener Stadion "Tivoli" präsentierte sich Werder Bremen als sehr freundlicher Gast. Zur Halbzeit führte Zweitligist Alemannia Aachen 3:0, gewann am Ende mit 3:2.

Im Interview mit bundesliga.de ordnet Sportdirektor Klaus Allofs dieses Spiel in die bisherige Vorbereitung ein, gibt Auskunft über die Ziele für die neue Saison und spricht über die Bremer Transfers - die, die schon getätigt wurden und die, die vielleicht noch kommen.

bundesliga.de: Herr Allofs, die Saisonvorbereitung geht auf die Zielgerade. In welcher Verfassung ist der DFB-Pokalsieger eine knappe Woche vor dem Pflichtspielstart?

Klaus Allofs: Das Spiel in Aachen hat gezeigt, dass wir noch einige Aufgaben zu erledigen und einiges zu verbessern haben. Aber wir haben zuvor schon auch erfolgreiche und gute Spiele gezeigt.

bundesliga.de: Es gab in diesem Sommer einschneidende Veränderungen bei Werder: Die Stützen Diego und Frank Baumann fehlen in der neuen Saison. Wie sollen diese Lücken gefüllt werden?

Allofs: Wir stehen ja nicht das erste Mal vor solch einer Situation. Solche Spieler kann man nicht von heute auf morgen vergessen machen. Aber wie so oft in unserer Vergangenheit müssen jetzt eben andere in neue Rollen hineinwachsen und sich weiter verbessern, wie zum Beispiel Mesut Özil oder die Verstärkungen, die wir geholt haben. Mesut oder auch Marko Marin sind aber nicht Diegos Nachfolger, genauso wenig wie Miro Klose damals Nachfolger von Ailton war oder Diego der von Johan Micoud. Jeder Spieler hat seine eigenen Fähigkeiten.

bundesliga.de: Auch wenn er kein "Nachfolger" sein soll, nimmt Mesut Özil jetzt doch eine zentrale Rolle bei Werder ein. Kann er diese Last schon tragen?

Allofs: Es ist keine Last - die Spieler wollen doch immer gern Verantwortung übernehmen. Außerdem geht es nicht um ihn, sondern um die Mannschaft. Jeder muss sich mehr einbringen, wenn Spieler wie Diego oder Frank Baumann nicht mehr dabei sind.

bundesliga.de: Statt Baumann wird in der neuen Saison voraussichtlich Tim Borowski im defensiven Mittelfeld auflaufen. Sie haben ihn nach einem sehr durchwachsenen Jahr beim FC Bayern zurückgeholt. Warum glauben Sie, dass er Werder trotzdem weiterhilft?

Allofs: Es stimmt, es war sportlich kein gutes Jahr für ihn. Aber auch diese negativen Erlebnisse haben ihn weitergebracht, er kommt gereift zurück. Dazu hatte er bei Werder schon sehr erfolgreich Fußball gespielt und hier alles bewiesen. Er ist mit den Verhältnissen hier vertraut: Als er beim Testspiel in Frankfurt wieder in unserer Mitte war, hatte man nicht das Gefühl, dass er lange weg war. Mit diesen Erfahrungen und seiner fußballerischen Qualität wird er uns weiterhelfen und gerade bei unseren vielen jungen Spielern sehr nützlich sein. Marin, Boenisch, Özil - die brauchen Spieler wie Tim an ihrer Seite.

bundesliga.de: Welche Rolle trauen Sie den anderen beiden Neuen zu?

Allofs: Von Marko Marin haben wir hier leider in der Vorbereitung noch nicht so viel sehen können, denn er hat ja von der U-21-EM eine Verletzung mitgebracht. Aber er ist ein spektakulärer Spieler, mit seinen Dribblings, seinen Freistößen und Haken. Wir sind absolut überzeugt davon, dass er uns weiterbringt. Marcelo Moreno ist ein Strafraumstürmer, der immer seine Chance sucht, technisch stark und schlitzohrig ist und ein gutes Kopfballspiel besitzt. Er ist eine neue Variante in unserem Spiel und könnte der Knipser sein, den jede Mannschaft braucht.

bundesliga.de: Im Angriff ist Werders bester Torschütze Claudio Pizarro nicht mehr da, den Sie aber gern weiter verpflichten möchten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auch in dieser Saison für Werder aufläuft?

Allofs: Das ist im Moment schwer zu beziffern. Fakt ist, dass Claudio unbedingt zu Werder möchte. Und er wäre unsere Ideallösung, neben unseren jungen Stürmern einer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Er würde uns komplettieren, nachdem er schon letzte Saison viele und wichtige Tore für uns geschossen hat. Wir hätten ihn gern dabei, dann hätten wir ein Team, das ganz große Ziele erreichen kann. Doch wir können und wollen auch bei einem solchen Spieler finanziell nicht alles mitmachen. Wir müssen Ruhe und Geduld aufbringen.

bundesliga.de: Was passiert, wenn seine Verpflichtung nicht gelingt?

Allofs: Dann gibt es auch noch andere Kandidaten. Aber davon abgesehen haben wir vier Stürmer, die bereits sehr positive Eindrücke hinterlassen haben. Wir sind also gut aufgestellt.

bundesliga.de: Ist Pizarro Ihre letzte "Baustelle" oder stehen auch noch andere Mannschaftsteile im Fokus?

Allofs: Wir schränken uns da nicht auf bestimmte Positionen ein. Wir wissen, dass wir bis zum 31. August Zeit haben, aktiv zu werden. Wir werden genau beobachten, ob es nötig sein wird.

bundesliga.de: Sie haben immer wieder deutlich gemacht, mit der Entwicklung einiger Spieler nicht zufrieden zu sein. Muss noch jemand gehen?

Allofs: Wie gesagt, wir haben Zeit bis Ende August. Das betrifft den ganzen Kader. Es kann sein, dass wir etwas zusätzlich machen. Aber da die Gruppe immer größer wird, schauen wir auch, bei welchem Spieler es vielleicht Sinn macht, ihn auszuleihen oder ganz abzugeben. Unsere Aktivitäten sind noch nicht abgeschlossen.

bundesliga.de: Werder hat in der Vorbereitung den Meister VfL Wolfsburg verdient geschlagen. Ist das die Kategorie und Tabellenregion, die Sie in diesem Jahr wieder anpeilen?

Allofs: Wir werden unsere Zielvorgabe erst formulieren, wenn die Vorbereitung abgeschlossen und klar ist, wie unser Kader aussieht. Aber sicher werden wir nicht das Bundesliga-Mittelfeld als Ziel ausgeben. Natürlich wollen wir uns wieder für den internationalen Wettbewerb qualifizieren und der Blick geht auch wieder in Richtung Champions League.

bundesliga.de: Wie definiert man die Ziele für die Pokal-Wettbewerbe? Vor allem nach einem dort so erfolgreichen Jahr wie dem letzten?

Allofs: Grundsätzlich will man immer gewinnen und immer möglichst bis ins Endspiel kommen. Wir werden diese Wettbewerbe wieder absolut ernst nehmen und Wert darauf legen, dass immer der anstehende Wettbewerb der wichtigste für unsere Spieler ist.

Das Gespräch führte Enrico Bach




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